POL-KB: Waldeck-Frankenberg - Hohe Schäden beim Traden mit angeblichen Kryptowährungen, Polizei warnt vor Betrugsmasche und gibt Tipps
Korbach (ots)
Das schnelle Geld, ohne viel zu tun und ohne großes Risiko. Klingt zu schön, um wahr zu sein - und ist es auch nicht. Die Rede ist von Anlagebetrug und Cyber-Trading.
In den vergangenen Monaten kam es im Landkreis Waldeck-Frankenberg vermehrt zu Anzeigen wegen Online-Anlagebetrugs mit Schäden bis zum sechsstelligen Bereich. Die Polizei warnt eindringlich vor dieser Masche und gibt Tipps, wie sich Bürgerinnen und Bürger schützen können.
Einfach und unkompliziert Geld über das Internet verdienen. Mit nur wenigen Klicks zum Reichtum. Mit diesem Traum werden Anlegerinnen und Anleger auf betrügerischen Internetseiten zu hohen Geldanlagen animiert. Diese erhoffen sich in der Regel schnelle Gewinne durch sogenanntes Cyber-Trading. Was sie jedoch nicht wissen: Das Geld wird niemals wirklich angelegt, sondern wandert direkt in die Taschen der Betrügerinnen und Betrüger.
Die Täter erstellen Internetseiten, die den schnellen Reichtum mit Kryptowährungen versprechen. Für diese "Trading-Plattformen" wird mit hohem Aufwand Werbung betrieben. Seriös aussehende Mails und professionelle Werbeanzeigen auf Internetseiten sowie in den sozialen Medien versprechen hohe Gewinne. Dabei scheuen sich die Täter nicht, Gesichter und Namen von prominenten Personen zu missbrauchen. Um die Glaubwürdigkeit weiter zu erhöhen, erstellen die Betrüger toll klingende Bewertungen von Menschen, die in kurzer Zeit viel Geld verdient haben sollen. Die Namen sind frei erfunden, die Bilder der Personen aus dem Netz kopiert.
Bei dieser Betrugsmasche erfolgt die Kontaktaufnahme häufig auch über Partnerbörsen. Nach allgemeiner Plauderei und Annäherung kommt die Sprache auf eine Kapitalanlage in Kryptowährungen mit hoher Rendite. Das Opfer soll hierzu einen Account auf einer Web-Site der Täter eröffnen, dann über einen Zahlungsdienstleister Kryptowährungen, zum Beispiel Bitcoins, erwerben und auf den eingerichteten Account transferieren. So soll schließlich das angebliche Krypto-Investment erworben werden. Wenn die Opfer eine Aus- oder Rückzahlung veranlassen wollen, brechen die Betrüger den Kontakt ab oder verlangen weitere Investitionen
Die Betrüger bauen dabei gerne Zeitdruck auf, damit die potentiellen Opfer auch schnell investieren. Anfangs werden nach kleineren Geldanlagen bereits erste Gewinne ausgezahlt werden, um Vertrauen aufzubauen.
Beispielhaft zwei Fälle aus dem Landkreis Waldeck-Frankenberg:
Eine 43-Jähige aus dem Frankenberger Land bekam über die Dating-Plattform Tinder Kontakt mit einem Mann. Anfänglich tauschte man persönliche Interessen aus, lernte sich über die Plattform "näher kennen". Der Betrüger schilderte dabei auch sein vermeintliches Hobby, das Handeln mit Kryptowährungen. Die 43-jährige Frau folgte den Anweisungen des Mannes, man kommunizierte anschließend über den Messenger-Dienst WhatsApp. Sie lud sich verschiedene Apps herunter und richtete Konten auf Krypto-Plattformen ein. Auf Anweisung des unbekannten Mannes zahlte sie Geld auf ihre Krypto-Apps ein und überwies dieses schließlich in Form von Kryptowährung auf ein fremdes Krypto-Konto. Als sie Geld ausgezahlt haben wollte, wurde sie aufgefordert, zunächst nochmal für die Steuer einzuzahlen. Insgesamt entstand für die Frau ein Schaden im hohen fünfstelligen Bereich.
Im zweiten Fall aus dem Landkreis wurde ein 40-jähriger Mann aus Nordwaldeck über eine Werbeanzeige im Internet auf Geldanlagen in Form von Kryptowährungen aufmerksam. Er trat über den Messenger-Dienst WhatsApp einer Gruppe bei, in welcher sich zu diesem Thema ausgetauscht wurde. Ein angeblicher "Broker" kontaktierte ihn nun privat über WhatsApp. Im Verlauf der weiteren Kommunikation wies der Betrüger ihn an, einen Account mit seinen Daten bei der fiktiven Seite der Betrüger zu erstellen, auf welcher in seinem Namen ein Handelskonto erstellt werden sollte. Der 40-Jährige folgte den Anweisungen und überwies mehrfach Geld auf ausländische Konten. Als er vermeintliche Gewinne ausgezahlt haben wollte, wurde er wiederholt aufgefordert, zunächst Zahlungen auf ein ausländisches Konto zu leisten, um die angeblichen Gewinne abzüglich der Steuern ausgezahlt zu bekommen. Der Schaden beläuft sich auf einen Betrag im unteren sechsstelligen Bereich.
In beiden beispielhaften Fällen erfolgte die gesamte Kommunikation ausschließlich über den Messenger-Dienst, es kam nie zu persönlichen oder telefonischen Kontakten.
Die Polizei warnt und gibt Tipps:
Personen, die sie auf virtuellen Plattformen kennenlernen, sind nicht immer die, die sie vorgeben zu sein.
Seien Sie misstrauisch, wenn ungewöhnlich hohe Gewinne versprochen werden - "wenn ein Angebot zu gut klingt, um wahr zu sein, ist es das meist auch."
Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen. Betrüger drängen oft auf schnelle Entscheidungen - seriöse Finanzberater tun das nicht.
Schließen Sie Investments nur bei Banken oder Sparkassen ab, bei denen eine europäische Einlagensicherung besteht.
Spekulationen mit Kryptowährungen unterliegen generell sehr großen Risiken.
Vorsicht bei ausländischen Konten: Die Durchsetzung zivilrechtlicher Forderungen gegenüber ausländischen Vertragspartnern ist sehr schwer bis unmöglich.
Achten Sie bei Internetangeboten auf ein nachvollziehbares Impressum
Einfache Internetrecherchen in Suchmaschinen, Foren o. ä. bieten einen guten Anhaltspunkt um sich einen ersten Eindruck über entsprechende Internetseiten zu machen. Auch hier gilt, dass Rezensionen nicht unbedingt der Wahrheit entsprechen müssen.
Seien Sie vorsichtig bei der Herausgabe persönlicher Daten. Bankdaten, Wallet-Schlüssel oder Passwörter gehören niemals in fremde Hände
Die Verbraucherzentrale bietet zu diesen und anderen Themen Beratungsangebote an.
Falls Sie schon betroffen sind:
Erstatten Sie Anzeige bei der Polizei, wenn Sie den Verdacht haben, Opfer eines Betruges geworden zu sein. Dort erfahren Sie, welche Unterlagen Sie zur Anzeigenerstattung mitbringen müssen.
Nehmen Sie umgehend Kontakt zu Ihrer Hausbank auf, um bereits getätigte Zahlungen möglicherweise wieder rückgängig zu machen.
Brechen Sie sofort den Kontakt zu den Tätern ab. Jede weitere Kommunikation birgt das Risiko weiterer finanzieller Verluste.
Nehmen Sie keine weiteren Überweisungen vor. Lassen Sie sich von den Tätern nicht unter Druck setzen.
Dirk Richter
Kriminalhauptkommissar
Rückfragen bitte an:
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