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Roland Berger

Restrukturierungsstudie 2026: Stagnation treibt Fallzahlen, KI soll Sanierungen beschleunigen

München (ots)

  • Stagnation wird zur neuen Realität: 65 Prozent der Studienteilnehmenden erwarten eine unveränderte Wirtschaftsleistung, 29 Prozent ein sinkendes Bruttoinlandsprodukt - nur 6 Prozent rechnen mit Wachstum.
  • Restrukturierungsdruck nimmt deutlich zu: 83 Prozent beobachten steigende Fallzahlen, die Automobilindustrie weist mit 87 Prozent weiterhin den größten Transformationsbedarf auf.
  • KI verspricht Tempo, ist aber kaum verankert: 74 Prozent erwarten schnellere Diagnose und Umsetzung, doch 45 Prozent berichten bislang lediglich von Pilotprojekten und kein Befragter von einem breitflächigen Einsatz.

Die deutsche Wirtschaft befindet sich in einer Phase anhaltender struktureller Schwäche - und der Druck auf Unternehmen nimmt weiter zu. Das zeigt die neue Restrukturierungsstudie von Roland Berger, für die 130 Experten aus dem deutschsprachigen Raum befragt wurden. Knapp zwei Drittel der befragten Restrukturierungsexperten erwarten für die kommenden zwölf Monate eine unveränderte Wirtschaftsleistung, weitere 29 Prozent ein sinkendes Bruttoinlandsprodukt. Nur 6 Prozent rechnen mit Wachstum.

Die Belastungen sind vielfältig: 65 Prozent der Befragten nennen Bürokratie und Regulierung als besonderes Risiko für die deutsche Wirtschaft. Energiepreise und Versorgungssicherheit folgen mit 53 Prozent - ein Anstieg um 22 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr. Jeweils 51 Prozent sehen geopolitische Spannungen sowie den technologischen Wandel als zentrale Gefahren. Gleichzeitig attestiert mehr als die Hälfte der Experten den deutschen Unternehmen eine schlechte Vorbereitung auf eine weitere Konjunktureintrübung, nur 8 Prozent bewerten sie als gut vorbereitet.

Restrukturierungsdruck steigt - Automobilindustrie bleibt besonders gefordert

Die angespannte Lage schlägt sich unmittelbar im Restrukturierungsgeschehen nieder: 83 Prozent der Praktiker berichten von einer Zunahme der Fälle. 21 Prozent beobachten sogar einen starken Anstieg - mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr. Zugleich sagen 61 Prozent, dass Restrukturierungsprozesse länger dauern, 56 Prozent sehen komplexere Finanzierungsstrukturen und 42 Prozent komplexere Stakeholder-Strukturen. Konsensuale Lösungen werden dadurch schwieriger, langsamer und liquiditätsintensiver.

"In einer Phase anhaltender Stagnation reicht es nicht mehr aus, lediglich durchzuhalten", sagt Alexander Müller, Senior Partner bei Roland Berger. "Unternehmen müssen den Schritt zur konsequenten Anpassung gehen und die akute Krisenbewältigung zugleich als Ausgangspunkt für die notwendige strukturelle Erneuerung nutzen."

Mit 87 Prozent weist die Automobilindustrie aus Sicht der Experten weiterhin den größten Restrukturierungs- und Transformationsbedarf auf, gefolgt vom Maschinen- und Anlagenbau mit 54 Prozent. Besonders stark steigt der Handlungsdruck in Pharma, Gesundheit und Krankenhauswesen auf 26 Prozent sowie in der Chemiebranche auf 31 Prozent. Auch transaktionale Sanierungen gewinnen an Bedeutung: 72 Prozent erwarten eine moderate oder starke Zunahme von Verkäufen und anderen strukturellen Lösungen.

Belastbare Geschäfts- und Liquiditätsplanungen bleiben mit 61 Prozent der wichtigste Erfolgsfaktor. Deutlich an Bedeutung gewinnen ein ambitioniertes und realistisches Maßnahmenprogramm sowie eine zielgerichtete Stakeholder-Kommunikation: Beide legen gegenüber dem Vorjahr um jeweils 11 Prozentpunkte auf 38 beziehungsweise 32 Prozent zu. Die reine Krisendiagnose genügt daher nicht mehr - entscheidend sind Geschwindigkeit, Verständigung und konsequente Umsetzung.

KI beschleunigt Prozesse - der Mensch behält die Verantwortung

Künstliche Intelligenz eröffnet dabei neue Möglichkeiten, Restrukturierungsprozesse effizienter zu gestalten. 89 Prozent sehen das größte Unterstützungspotenzial in der Datenanalyse, 60 Prozent in der Recherche. 74 Prozent erwarten durch KI eine schnellere Diagnose und Umsetzung, 65 Prozent geringere Prozesskosten. Eine höhere Erfolgsquote bei der Umsetzung erwarten dagegen bislang nur 4 Prozent - denn Urteilsvermögen, Vertrauen, Verhandlung und Führung bleiben menschliche Aufgaben.

Der tatsächliche Einsatz bleibt jedoch begrenzt: Kein Befragter sieht KI bereits breitflächig in Restrukturierungsprozessen verankert. 45 Prozent berichten von einzelnen Pilotprojekten, 26 Prozent von ersten Diskussionen und weitere 26 Prozent von etablierten Anwendungen in spezifischen Bereichen. Für den Einsatz setzen die Experten klare Leitplanken: 56 Prozent fordern nachweislich hohe Qualität, 50 Prozent höchste Datensicherheit und Vertraulichkeit, 49 Prozent vollständige Transparenz.

"KI verändert die Arbeit der Restrukturierer, nicht ihre Verantwortung", sagt Dr. Adrian Pielken, Senior Partner bei Roland Berger. "Sie kann Daten schneller auswerten und Routinen automatisieren. Den entscheidenden Freiraum müssen Unternehmen und Berater für Kommunikation, Stakeholdermanagement und Umsetzung nutzen."

Für 89 Prozent bleibt der Mensch auch künftig klar in der Führungsrolle. 71 Prozent favorisieren eine Arbeitsteilung, bei der KI Daten liefert und Routineaufgaben automatisiert, während der Mensch entscheidet. Die Studie versteht sich deshalb als Weckruf: Wer KI jetzt kontrolliert, transparent und systematisch integriert, gewinnt Zeit, Erfahrung und Handlungsspielraum - in einem Umfeld, in dem Warten keine Option mehr ist.

Über die Studie

Die Restrukturierungsstudie von Roland Berger erscheint seit dem Jahr 2001 und untersucht regelmäßig die wichtigsten Entwicklungen der Branche. An der Ausgabe 2026 beteiligten sich 130 Restrukturierungs- und Transformationsexperten aus dem deutschsprachigen Raum.

Über Roland Berger

Roland Berger ist die einzige führende Strategieberatung mit europäischen Wurzeln. Das Unternehmen vereint tiefe Industrie- und Branchenkenntnis mit umfassender Erfahrung in zentralen Managementfunktionen und Transformationsprojekten. 1967 gegründet und mit Hauptsitz in München, unterstützt Roland Berger Unternehmen weltweit bei der Gestaltung und Umsetzung komplexer Transformationen - von strategischer Neuausrichtung über Performance-Steigerung bis hin zur Entwicklung und Anwendung datenbasierter, KI-gestützter Lösungen. Roland Berger hat sich unternehmensweit Net-Zero-Emissionsziele bis 2040 gesetzt, die von der Science Based Targets Initiative validiert wurden. Über die Fortschritte berichtet das Unternehmen jährlich in seinem ESG-Bericht. Im Jahr 2025 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von über einer Milliarde Euro.

Pressekontakt:

Philipp Topitsch
Corporate Communications & PR
Tel.: +49 160 744-4452
E-Mail: philipp.topitsch@rolandberger.com
www.rolandberger.com

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