POL-MS: Kriminalstatistik 2025: Sinkende Gesamtzahlen und hohe Aufklärungsquote bei Einbrüchen - Sexualdelikte weiter gestiegen
Münster (ots)
Die Zahl der Straftaten im Jahr 2025 ist im Vergleich zum Vorjahr weiter gesunken. Die Polizei verzeichnete 31.055 Taten und somit 6,67 Prozent weniger als 2024 (33.274 Taten).
Seit 2021 war die Gesamtzahl der Straftaten in Münster bis 2023 stetig gestiegen, seit 2024 ist sie wieder rückläufig. "Wir freuen uns, dass sich der Trend aus dem letzten Jahr weiterhin fortsetzt und wir auch für 2025 sinkende Gesamtfallzahlen haben", verdeutlicht Polizeipräsidentin Alexandra Dorndorf. "Unsere Maßnahmen fruchten. Ziel ist es, sich darauf nicht auszuruhen, sondern die positive Entwicklung zu stabilisieren".
Die Aufklärungsquote im Bereich des Wohnungseinbruchs ist um 6,97 Prozentpunkte auf 22,83 Prozent gestiegen. Jürgen Dekker, Leiter der Direktion Kriminalität, erklärt: "Die gestiegene Aufklärungsquote ist sehr erfreulich und die zweitbeste Quote der letzten zehn Jahre. Die Täter gehen in diesem Bereich oftmals professionell vor, deshalb ist jede geklärte Straftat hier hart erkämpft." Die Fallzahlen des Wohnungseinbruchs sind auf gleichbleibendem Niveau und liegen derzeit bei 403 Taten (2024: 409 Taten).
Diebstahl macht knapp 50 Prozent der Gesamtstraftaten aus
Diebstahlsdelikte machen insgesamt knapp die Hälfte aller registrierten Straftaten (48,55 Prozent) aus. Den größten Anteil mit 4.561 Delikten und damit gut 30 Prozent hat der Fahrraddiebstahl. Damit ist im Jahr 2025 in Münster wieder jede siebte bekannt gewordene Straftat ein Fahrraddiebstahl gewesen. Die Aufklärungsquote stieg in diesem Bereich von 11,65 Prozent auf 12,61 Prozent. "Hinter diesen Zahlen steht eine herausragende Ermittlungsleistung. Die Kolleginnen und Kollegen in den Fachdienststellen agieren mit einer außerordentlichen Akribie und hohem persönlichem Ehrgeiz. Dass wir die Aufklärungsquote trotz der massiven Fallzahlen steigern konnten, ist das Ergebnis einer konsequenten Strategie, bei der wir jeder noch so kleinen Spur mit Nachdruck nachgehen", zeigte sich Dekker zufrieden.
Sexualdelikte weiter gestiegen
Die Anzahl der Sexualstraftaten ist von 552 im Jahr 2024 auf 596 im Jahr 2025 gestiegen. Bereits in den vergangenen Jahren gab es einen drastischen Anstieg im Verhältnis zum Jahr 2019 mit 263 Fällen. Dieser Anstieg ist maßgeblich auf die Intensivierung der Ermittlungen im Bereich der Kinderpornographie zurückzuführen. Nach wie vor steigen die übermittelten Strafverfahren nach Verdachtsfällen im Internet massiv an.
"Es ist zutiefst erschütternd zu sehen, dass die Fallzahlen auch nach den Missbrauchsskandalen im Kontext der 'EK Rose' weiterhin auf einem besorgniserregend hohen Niveau stagnieren. Dass diese Zahlen so hoch bleiben, lässt den Schluss zu: Wir blicken hier in einen Abgrund, dessen wahres Ausmaß vermutlich durch ein massives Dunkelfeld noch immer verborgen bleibt", zeigt sich Jürgen Dekker besorgt. "Wir dürfen dabei nicht vergessen: Kriminalität findet nicht nur dort statt, wo wir sie sehen, auf der Straße oder im öffentlichen Raum. Ein großer Teil geschieht im Verborgenen, im Stillen. Es ist unsere Aufgabe, genau dort hinzusehen."
23 Mordkommissionen unter der Leitung von Münster
Das Polizeipräsidium Münster hat im Jahr 2025 insgesamt 23 Mordkommissionen im Kriminalhauptstellenbereich Münster geführt, im Vorjahr waren es 40 Fälle. Das Präsidium ist verantwortlich für die Mordkommissionen in Münster und den Umlandbehörden der Kreise Borken, Steinfurt, Coesfeld und Warendorf. Bei 19 dieser Kommissionen lagen die eigentlichen Tatorte im Jahr 2025 außerhalb von Münster.
Trickbetrug zum Nachteil älterer Menschen - Aufklärungsquote deutlich gesteigert
Im Bereich des Betrugs zum Nachteil älterer Menschen, beispielsweise bei den sogenannten "Schock-Anrufen" oder dem Enkeltrick, erhöhten sich die Fallzahlen um 41 Taten auf 78 Fälle im Jahr 2025. Die Aufklärungsquote konnte von rund 43 auf knapp 72 Prozent deutlich gesteigert werden. Eine Vielzahl von Taten wird aus dem Ausland aus für diese Zwecke eingerichtete Call-Center verübt. Da der Tatort nicht in Münster liegt, werden diese Taten nicht in der Münsteraner Kriminalstatistik geführt. Die Tatzahlen lägen sonst wesentlich höher. Jedes dieser Opfer wurde durch den polizeilichen Opferschutz des Polizeipräsidiums Münster kontaktiert und je nach Bedarf betreut. "Die Aufklärungsquote ist mit 71,79 Prozent sehr gut. Unsere Ermittlerinnen und Ermittler geben auch in diesem Bereich alles, um Tatverdächtige zu ermitteln und ihnen habhaft zu werden. Dafür haben wir unter anderem eine Ermittlungskommission eingerichtet", so Dekker. "Besonders unsere älteren Mitmenschen sind auf Sensibilisierung durch Familie und Bekannte angewiesen. Gehen Sie mit Ihren Verwandten und Bekannten ins Gespräch und klären Sie über die verschiedenen Phänomene auf. Als Polizei stehen wir in engem Austausch mit verschiedenen Geldinstituten, um aufmerksam zu sein, wenn große Bargeldbeträge ausgezahlt werden sollen", führt Dorndorf weiter aus. Bei der Auszahlung von Bargeldbeträgen werden beispielsweise speziell durch die Geldinstitute gemeinsam mit der Polizei entworfene Geldübergabeumschläge verwendet, die polizeiliche Präventionshinweise enthalten.
Rohheitsdelikte weiter auf hohem Niveau - Aufklärungsquote leicht gesteigert
Zu Rohheitsdelikten gehören Raub, Körperverletzungen und Straftaten gegen die persönliche Freiheit (z. B. Nötigung, Bedrohung, Nachstellung). Die Zahl der Straftaten in diesem Deliktsbereich ist leicht um 66 Taten auf nunmehr 4.377 gesunken. Die Aufklärungsquote konnte um 0,56 Prozentpunkte auf 83,21 Prozent gesteigert werden.
Raubdelikte rückläufig - höchste Aufklärungsquote seit zehn Jahren
Raubdelikte sind von 270 im Jahr 2024 auf 232 im Jahr 2025 gesunken (-14,07 Prozent). Die Aufklärungsquote konnte dabei um 5,27 Prozentpunkte auf 68,97 Prozent gesteigert werden. Im Zehnjahresvergleich ist das erneut die höchste Aufklärungsquote im Bereich der Raubdelikte.
Widerstand
Bei dem Delikt "Widerstand gegen und tätlicher Angriff auf Vollstreckungsbeamte und gleichstehende Personen" verzeichnete die Behörde 271 Taten, 19 mehr als im Jahr zuvor. Das bedeutet ein Plus von 7,01 Prozent. Die Aufklärungsquote liegt weiter auf hohem Niveau mit 98,89 Prozent. "Wir tolerieren keine Gewalt gegen diejenigen, die unsere Demokratie schützen", erklärte Dorndorf. "Wer Einsatzkräfte angreift, gefährdet die Stabilität des Staates. Jetzt ist der Moment gekommen, als Gesellschaft enger zusammenzurücken und unsere demokratischen Grundwerte aktiv zu verteidigen."
Messerkriminalität - Einrichtung der Waffenverbotszone als weiterer Baustein
Im Jahr 2025 wurde bei 143 Taten ein Messer eingesetzt. Im Jahr 2024 waren es 13 Fälle mehr. Bei 126 Messertaten wurden herkömmliche Messer verwendet. Bei 17 Tatmitteln handelte es sich um Messer im Sinne des Waffengesetzes. Im August 2025 richtete die Polizei Münster rund um den Bahnhof eine Waffen- und Messerverbotszone ein und setzte somit einen weiteren Baustein zur Bekämpfung der sog. Messerkriminalität konsequent um. "Messer sind in ihrer Wirkung völlig unberechenbar und gehören nicht in die Jackentasche - weder am Bahnhof noch anderswo" verdeutlichte Dorndorf. "Wir tun alles und gehen diese Kriminalitätsform mit einer Null-Toleranz-Strategie an." So wurden im Jahr 2024 33 Messer in Zusammenhang mit Straftaten im Bereich der Waffen- und Messerverbotszone festgestellt, diese Zahl konnte nach Einrichtung der Verbotszone im August 2025 auf 24 festgestellten Messer reduziert werden.
Rauschgiftkriminalität
Im Jahr 2025 ist im Bereich der Betäubungsmittelkriminalität die Zahl der Taten von 1.180 in 2024 auf 723 gesunken. "Wir erleben derzeit einen drastischen Bruch in der polizeilichen Statistik. Dass die Zahlen der Rauschgiftstraftaten sinken, spiegelt jedoch nicht zwangsläufig eine entspannte Lage auf der Straße wider, sondern ist primär ein Effekt des neuen Konsumcannabisgesetzes (CanKG). Für die Ermittlerinnen und Ermittler ist die Arbeit nicht weniger geworden - im Gegenteil: Die 25-Gramm-Grenze erschwert die Strafverfolgung massiv. "Wir sehen weiterhin dieselbe Anzahl an Kleindealern, doch der Nachweis des illegalen Handels ist unter den neuen rechtlichen Rahmenbedingungen deutlich komplexer geworden. Während wir früher Betäubungsmittel konsequent aus dem Verkehr ziehen und den Dealern so einen direkten wirtschaftlichen Schaden zufügen konnten, bleibt die Ware heute oft auf dem Markt. Das führt zu einer gefährlichen Schere zwischen der sinkenden Kriminalstatistik und dem tatsächlichen subjektiven Sicherheitsgefühl der Bürger", erklärt Dekker.
Jugendkriminalität
Erfreulich ist ein weiterer Rückgang der Zahl der Tatverdächtigen bei der Kinder- und Jugendkriminalität. Die Anzahl der Tatverdächtigen unter 21 Jahren sank weiter um gut 12 Prozent auf 1.951 Personen (Vorjahr 2.218). Besonders stark ist der Rückgang bei den Jugendlichen zwischen 14 und 18 Jahren mit einem Minus von 13,67 Prozent und den Heranwachsenden von 18 bis 21 Jahren mit einem Minus von 15,35 Prozent. "Es ist wichtig, festzuhalten, dass Kinder und Jugendliche zumeist keine schwerwiegenden Straftaten begehen. Dass dieser rückläufige Trend stabil bleibt, ist auch das Ergebnis intensiver gemeinsamer Arbeit - ein Erfolg, der vor allem durch die Kooperation in unserem Haus des Jugendrechts ermöglicht wird", führte Dorndorf aus.
Nichtdeutsche Tatverdächtige
Die Zahl nichtdeutscher Tatverdächtiger ist von 3.956 auf 3.778 gesunken. Dies entspricht erneut einem Anteil von knapp 40 Prozent an den Gesamttatverdächtigen. Herausgerechnet sind dabei Straftaten gegen das Aufenthalts-, das Asyl- und Freizügigkeitsgesetz, da diese Straftaten nur durch ausländische Tatverdächtige begangen werden können. "Migration verlangt nach echten politischen Lösungen - das ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Hier setzen wir in Münster an: Unser 'Modellprojekt Integration' besteht nun seit rund anderthalb Jahren und ich bin sehr glücklich über die enge, vertrauensvolle Zusammenarbeit mit unseren Kooperationspartnern. Gemeinsam haben wir etwas ins Rollen gebracht, das wirkt und von den Menschen vor Ort immer besser angenommen wird", so Dorndorf.
Cybercrime
Seit Jahren ist ein Anstieg der Computerkriminalität festzustellen. In 2025 sind die Zahlen leicht von 570 auf 611 Fälle, also um 41 Fälle, gestiegen. Die Aufklärungsquote sank leicht von 31,23 Prozent auf rund 29,62 Prozent.
Polizei Münster wird digitaler
"Immer mehr Radikalisierungsprozesse beginnen heute im digitalen Raum. Extremistische Ideologien, Hassbotschaften und terroristische Propaganda verbreiten sich über soziale Netzwerke, Messenger-Dienste und Online-Plattformen in hoher Geschwindigkeit und erreichen insbesondere junge Menschen oft ohne große Zugangshürden. Diese Entwicklung stellt uns vor neue Herausforderungen und erfordert eine konsequente Präsenz sowie spezialisierte Ermittlungsansätze im Internet", erläutert der Leitende Kriminaldirektor Jürgen Dekker. Die 'Digitalen Streifen' sind Teil des umfassenden Maßnahmenpakets zu den Bereichen Sicherheit, Migration und Prävention, das die Landesregierung im September 2024 nach dem islamistischen Anschlag von Solingen beschloss. Ziel ist es, Radikalisierung frühzeitig zu erkennen, extremistische Netzwerke aufzudecken und Gefahren im digitalen Raum wirksam zu begegnen.
Ein zentraler Baustein ist die Stärkung der Sicherheitsbehörden im Kampf gegen extremistische und terroristische Bestrebungen im Internet. In den Kriminalhauptstellen, darunter auch Münster, wurden deshalb seit September 2025 neue Dienststellen im Bereich Staatsschutz eingerichtet. Hauptaufgabe der neuen Kommissariate ist die Unterstützung der Sachbearbeitung des Staatsschutzes. Ziel ist es, relevante Informationen frühzeitig zu erkennen, Gefährdungspotenziale einzuschätzen und operative Maßnahmen wirkungsvoll zu unterstützen.
Auch die Einführung der elektronischen Strafakte trägt zur Digitalisierung der Polizei Münster bei. Dokumente werden hierbei standardisiert elektronisch an die Justizbehörden übermittelt, was eine durchgängige und medienbruchfreie Kommunikation zwischen den Behörden sicherstellt.
"Sowohl die 'Digitale Streife' als auch die elektronische Strafakte sind ein weiterer wichtiger und nötiger Baustein in der heutigen Zeit", freut sich Alexandra Dorndorf über die Entwicklung.
Die gesamte Bilanz ist auf der Homepage der Polizei Münster abrufbar: https://muenster.polizei.nrw/polizeiliche-kriminalstatistik-5
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