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06.04.2020 – 12:28

Polizeipräsidium Ulm

POL-UL: (BC)(GP)(HDH)(UL) Ulm - Polizeipräsidium Ulm stellt Polizeiliche Kriminalstatistik 2019 vor.

POL-UL: (BC)(GP)(HDH)(UL) Ulm - Polizeipräsidium Ulm stellt Polizeiliche Kriminalstatistik 2019 vor.
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Ulm (ots)

Zehn Prozent mehr Straftaten im Bereich des Polizeipräsidiums Ulm verzeichnet die Polizeiliche Kriminalstatistik für 2019 im Vergleich zum Vorjahr. Ursächlich dafür ist in erster Linie die stark angestiegene Zahl von Betrügereien am Telefon und von Rauschgiftdelikten.

Insgesamt 40.207 Straftaten sind in der Polizeilichen Kriminalstatistik für das Jahr 2019 im Bereich des Polizeipräsidiums Ulm, also im Stadtkreis Ulm und im Alb-Donau-Kreis sowie in den Landkreisen Biberach, Göppingen und Heidenheim, registriert. Das sind 3.692 Straftaten mehr als noch im Jahr zuvor, was einer Zunahme um zehn Prozent entspricht. Damit liegt die Zahl der Straftaten im Zehnjahresvergleich allerdings noch unter dem Höchstwert des Jahres 2015: Damals wurden 40.932 Straftaten verzeichnet. Die Kriminalitätsbelastung der Region liegt aber deutlich unter der durchschnittlichen Belastung des Landes: Ausgedrückt wird diese Belastung durch das Verhältnis der Straftaten je 100.000 Einwohner. Im Bereich des Polizeipräsidiums Ulm liegt diese Belastungszahl bei 4.409 Straftaten je 100.000 Einwohner. Im Landesschnitt liegt diese Belastung mit 5.184 um fast ein Fünftel höher. "Trotz der angestiegenen Fallzahlen lebt es sich in der Region sicher", bekräftigt Polizeipräsident Bernhard Weber, Leiter des Polizeipräsidiums Ulm.

Die Zunahme beruht in erster Linie auf deutlichen Anstiegen bei den Vermögens- und Fälschungsdelikten, Rauschgiftdelikten und Fällen von Erpressung im Internet, von Beleidigungen und Sachbeschädigungen. Fast die Hälfte der hinzugekommenen 3.692 Straftaten sind im Versuchsstadium stecken geblieben (1.543 Tatversuche mehr als 2018, +42 Prozent). Die Zahl der betrügerischen Anrufe bei vor allem betagteren Mitbürgerinnen und Mitbürgern durch falsche Polizeibeamte oder durch sogenannte Enkeltricktäter stieg von 578 Fällen in 2018 auf jetzt 1.974 Fälle an (+1.396 Fälle, +242 Prozent). Da die potenziellen Tatopfer nicht zuletzt durch die intensiven Aufklärungsmaßnahmen der Polizei die Betrügereien am Telefon in den allermeisten Fällen schnell erkennen, bleiben die Täter erfolglos. In 29 Fällen gelang es den Betrügern allerdings, die Angerufenen zu täuschen und ergaunerten dadurch rund 1,7 Millionen Euro. "Die Täter bringen die Senioren in diesen Fällen auf sehr subtile Art und Weise vielfach um ihre gesamte Habe, um ihre Lebensleistung", sagt Weber. Deshalb bleibe die Polizei auch in diesem Deliktsbereich mit intensiven Ermittlungen am Ball, selbst wenn die Täter nur in knapp zwei Prozent der Taten überhaupt zum Ziel kamen. Dabei seien die Ermittlungen äußerst schwierig, da die Drahtzieher ausschließlich aus dem Ausland agierten. Um dem Phänomen Einhalt zu gebieten, hat die Polizei eine Ermittlungsgruppe gebildet, die in 15 Fällen auch Verdächtige ermittelte und festnahm. Auch die Zahl der Rauschgiftdelikte ist stark angestiegen: von 2.683 im Jahr 2018 auf jetzt 3.158 Fälle (+475 Fälle, +18 Prozent). Das ist auf die intensivierten Kontroll- und Ermittlungsmaßnahmen der Polizei zurückzuführen, die das Polizeipräsidium im vergangenen Jahr angekündigt hatte. Dadurch konnte das sogenannte Dunkelfeld in diesem Deliktsbereich aufgehellt werden. Dass auch bei den schwierig zu ermittelnden Handelsdelikten ein Anstieg um 17 Prozent (+80 Fälle) auf jetzt 563 Delikte registriert werden konnte, wertet das Polizeipräsidium Ulm als besonderen Erfolg in der Bekämpfung der Rauschgiftkriminalität. Zugenommen haben auch die Fälle von "Schwarzfahren", was überwiegend auf intensivere Kontrollen im öffentlichen Nahverkehr durch die Verkehrsunternehmen zurückzuführen ist. Diese Zahlen stiegen von 1.434 Fällen in 2018 auf jetzt 2.025 Fälle (+591 Fälle, +41 Prozent). Nach einem deutlichen Rückgang der Fälle von Waren- und Warenkreditbetrug im Vorjahr stieg diese Zahl 2019 jetzt wieder an, blieb aber mit 2.074 Fällen unter dem Durchschnittswert der vergangenen zehn Jahre (+207 Fälle, +11 Prozent).

Weitere Zunahmen verzeichnet die Polizeiliche Kriminalstatistik bei den Beleidigungen (+143 auf 1.874 Fälle, +8 Prozent) und bei den Sachbeschädigungen insgesamt (+229 auf 4.406 Fälle, +6 Prozent). Auch die Zahl der Rohheitsdelikte (Raubstraftaten, Körperverletzungen und Straftaten gegen die persönliche Freiheit) stieg an: von 5.619 in 2018 auf jetzt 5.849 Fälle (+230 Fälle, +4 Prozent). Sie erreichte damit den höchsten Stand im Zehn-Jahres-Vergleich. "Mehr Rohheit, mehr Beleidigungen, mehr Sachbeschädigungen, das ist eine bedenkliche Entwicklung, der wir, die Polizei, uns entschieden entgegenstellen müssen, aber auch die gesamte Gesellschaft", so Polizeipräsident Bernhard Weber. Gewalt, in welcher Form auch immer, dürfe kein probates Mittel zur Problemlösung werden. Schon der Verrohung der Sprache, die sich insbesondere auch im Internet zeige, sei vehement entgegenzuwirken. Die Polizei habe im Februar zum Safer Internet Day mit ihrer Aktion gegen Hass im Netz dafür geworben, dass jeder sich diesem Hass entgegenstellen kann und soll (www.zivile-helden.de/hass-im-netz/).

Rückgänge verzeichnet die Kriminalstatistik bei den schweren Diebstählen. Deren Zahl sank um zehn Prozent (-405 Fälle) auf jetzt 3.558 Fälle und damit den niedrigsten Stand der letzten zehn Jahre. Das sei insbesondere durch Rückgänge bei Einbrüchen in Firmen, Geschäfte, Keller und Fahrzeuge zurückzuführen (von 1.628 auf 1.210 Fälle, -418 Fälle, -26 Prozent). Die Zahl der Wohnungseinbrüche blieb mit 438 dagegen nahezu unverändert (+9 Fälle, +2 Prozent). "Der deutliche Rückgang der Wohnungseinbrüche seit 2015, als noch 895 Fälle und damit mehr als doppelt so viele wie 2019, registriert wurden, ist auch Abbild der intensiven Bemühungen der Polizei zur Eindämmung dieses Deliktsfeldes. "Mit einer Ermittlungsgruppe, intensivierter Spurensicherung, verstärkten Streifen und vielen Präventionsangeboten haben wir den Wohnungseinbrüchen den Kampf angesagt. Diesen werden wir weiterführen", so Weber. Das sei auch dringend notwendig, erbeuteten doch die Täter im vergangenen Jahr bei den Einbrüchen Diebesgut im Wert von etwa einer Million Euro. Dazu komme der immaterielle Schaden: die Angst, die Unsicherheit und oft auch der Ekel, die die Opfer empfänden, weil Unbekannte in die eigenen vier Wänden eingedrungen sind. Die Zahl der einfachen Diebstähle ist mit 7.109 Fälle (+16 Fälle, +0,2 Prozent) nahezu unverändert.

MEHR STRAFTATEN AUFGEKLÄRT

24.557 Fälle insgesamt hat die Polizei im Jahr 2019 aufgeklärt. Das sind knapp acht Prozent mehr als im Vorjahr (+1.728 geklärte Fälle). Das entspricht einer Aufklärungsquote von 61,1 Prozent. Diese Aufklärungsquote des Polizeipräsidiums Ulm liegt damit noch über dem Landeswert von 60,8 Prozent. "Trotz einer Steigerung der Fallzahlen haben die Beschäftigten den Polizeipräsidiums Ulm es geschafft, diesen überdurchschnittlichen Wert zu halten. Angesichts der aktuellen Personalsituation ist das eine Leistung, die die hohe Motivation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die Sicherheit in der Region belegt", ist Weber überzeugt. Betrachtet man die ermittelten Tatverdächtigen genauer so ist festzustellen, dass der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger weiter gesunken ist. Somit hat sich der Trend der letzten fünf Jahre fortgesetzt. Zuvor war der Anteil jahrelang stetig angestiegen. 2019 lag der Anteil bei 36,5 Prozent und damit 0,5 Prozentpunkte unter dem Anteil von 2018. Noch stärker sank der Anteil tatverdächtiger Asylbewerber und Flüchtlinge: um 1,6 Prozentpunkte auf jetzt 9,3 Prozent. Das ist ebenfalls der niedrigste Wert der vergangenen fünf Jahre. Der Anteil der Jungtäter dagegen blieb mit 23,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr unverändert. Auch der Anteil der Frauen unter allen ermittelten Tatverdächtigen veränderte sich im Vergleich zum Vorjahr kaum. Im Jahr 2018 lag er bei 22,6 Prozent. 2019 liegt der Anteil der weiblichen Tatverdächtigen bei 22,7%.

STRAFTATEN GEGEN DAS LEBEN

Die Zahl der Straftaten gegen das Leben stieg 2019 im Vergleich zum Vorjahr um 13 auf 45 Taten (+41 Prozent). 29 dieser Straftaten blieben im Versuch stecken. Vollendet wurden sieben Morde, ein Totschlag, sieben fahrlässige Tötungen und ein Schwangerschaftsabbruch. Mord und Totschlag wurden zu 100 Prozent aufgeklärt. Zu den 45 Taten wurden 78 Verdächtige ermittelt, darunter 45 Deutsche. Vier Tatverdächte waren Asylbewerber.

SEXUALDELIKTE

704 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung registrierte die Polizeiliche Kriminalstatistik im Jahr 2019. Das sind 173 Straftaten mehr als noch im Vorjahr (+33 Prozent). Diese Zunahme resultiert aus der Verbreitung pornografischer Schriften (+110 Fälle auf 220 Fälle, +100 Prozent) über das Internet und 88 mehr Fälle des sexuellen Missbrauchs von Kindern (auf 177 Fälle, +99 Prozent). Auch dabei handelt es sich zum großen Teil um Internetfälle, in denen Kindern pornografisches Material zugespielt wurde oder sexuelle Handlungen gefordert wurden. 90 Prozent der 704 Fälle wurden aufgeklärt, 524 Tatverdächtige ermittelt. Darunter waren 175 Nichtdeutsche. 129 Sexualdelikte wurden im öffentlichen Raum begangen, darunter 86 Fälle von Exhibitionismus oder sexueller Belästigung. Die Statistik registrierte neun Vergewaltigungen im öffentlichen Raum.

ROHHEITSDELIKTE

Die Zahl der Rohheitsdelikte stieg 2019 gegenüber dem Vorjahr um 230 Fälle auf nunmehr 5.849 Fälle (+4 Prozent) und hat damit den höchsten Wert der vergangenen Dekade erreicht. Innerhalb dieser Delikte beobachtet die Polizei einen Rückgang der gefährlichen und schweren Körperverletzungen um 48 auf jetzt 909 Fälle (-5 Prozent), während die Zahl der einfachen Körperverletzungen um 168 Fälle auf 3.280 Fälle anstieg (+5 Prozent). Auch die Zahl der Bedrohungen stieg deutlich an: um 49 Fälle (+7 Prozent) auf 717 Fälle. Leicht rückläufig ist dagegen die Zahl der Fälle von Gewalt gegen Polizeibeamte: Ihre Zahl sank um 20 Fälle auf 271 Fälle (-7 Prozent). Die Zahl bewegt sich dennoch auf dem zweithöchsten Wert der letzten fünf Jahre.

MEHR HÄUSLICHE GEWALT

Die Zahl der Fälle von Gewalt zwischen Partnern, die in häuslicher Gemeinschaft leben, steigt seit Jahren an: Waren es 2015 noch 490 Fälle von häuslicher Gewalt, die der Polizei gemeldet wurden, so waren es 2019 insgesamt 808 Fälle. Dabei handelt es sich überwiegend um Körperverletzungen (642 Fälle), Bedrohungen (56 Fälle) sowie je zwölf Sexualdelikte und Fälle von Stalking. Tötungsdelikte wurden 2019 nicht registriert. Zur häuslichen Gewalt zählt dabei nicht nur die physische und psychische Einflussnahme in den eigenen vier Wänden. Auch ein solches Verhalten in der Öffentlichkeit gegen den eigenen Partner fällt in diesen Bereich. Zur Bekämpfung der Fälle beteiligt sich das Polizeipräsidium Ulm an einem Pilotprojekt des Landes Baden-Württemberg. Dessen Kernstück ist eine Risikoanalyse nach wissenschaftlichen Standards, aber auch die Verbesserung der Zusammenarbeit aller Behörden, Organisationen und Institutionen, die sich mit dieser Thematik befassen. So sollen optimale Maßnahmenbündel geschnürt und die Risiken für die Opfer auf ein Mindestmaß reduziert werden. Das Projekt ist noch nicht abgeschlossen.

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Wolfgang Jürgens, Tel. 0731/188-1111

Rückfragen bitte an:

Polizeipräsidium Ulm
Telefon: 0731 188-0
E-Mail: ulm.pp@polizei.bwl.de
http://www.polizei-bw.de/

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