VDI Verein Deutscher Ingenieure e.V.
Ingenieurarbeitsmarkt 2040: Bis zu 24,1 Milliarden Euro Wertschöpfungspotenzial - VDI zeigt Chancen auf
Ingenieurarbeitsmarkt 2040: Bis zu 194.100 zusätzliche Fachkräfte und 24,1 Milliarden Euro Wertschöpfungspotenzial
VDI ordnet Strukturwandel am Arbeitsmarkt ein und zeigt Potenziale auf
(Düsseldorf, 17.09.2026) VDI/IW-Ingenieurmonitor: Konjunkturelle Schwäche trifft derzeit auf einen Arbeitsmarkt im Wandel – doch der Fachkräftebedarf bleibt strukturell hoch. Der VDI sieht Re-Skilling und Potenzialaktivierung als zentrale Hebel.
Die Zahlen sind eindeutig und betreffen viele Menschen: Im vierten Quartal 2025 waren laut aktuellem VDI-/IW-Ingenieurmonitor 96.760 Stellen in Ingenieur- und Informatikberufen offen, also 18,2 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Die Zahl der Arbeitslosen in diesen Berufsfeldern stieg auf 58.392 – den höchsten Stand seit Beginn der Erhebungen im Jahr 2011. Der VDI e.V. nimmt diese Entwicklung ernst und ordnet sie ein.
„Die konjunkturelle Schwäche und der Strukturwandel machen sich auf dem Arbeitsmarkt deutlich bemerkbar. ", betont VDI-Direktor Adrian Willig. „Aber der Fachkräftebedarf verschwindet nicht, er verändert sich. Deutschland braucht weiterhin qualifizierte Ingenieurinnen und Ingenieure, wenn wir in Zukunftsfeldern wie Energie, Digitalisierung und Medizintechnik wettbewerbsfähig bleiben wollen“, so Willig weiter.
„Wirtschaftliche Transformationen spielen sich auch am Arbeitsmarkt ab und eine Konsequenz davon sind aktuell weniger offene Stellen. Die Gestaltung des Technologiestandorts Deutschland braucht jedoch langfristig kluge Köpfe und Umsetzer", ergänzt VDI-Arbeitsmarktexperte Maximilian Stindt.
Ausblick bis 2040: Beschäftigung steigt auf bis zu 1,95 Millionen
Der aktuelle VDI/IW-Ingenieurmonitor 2025/IV, den der VDI e.V. und das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) gemeinsam herausgeben, modelliert die Entwicklung bis 2040. Im Best-Case-Szenario wächst die Beschäftigung in Ingenieur- und Informatikberufen auf rund 1,95 Millionen, also um 194.100. Das Basisszenario ist die Referenzgröße, welches die Beschäftigungsentwicklung bei gleichbleibenden Rahmenbedingungen fortschreibt – die zusätzlichen Fachkräfte beschreiben den Mehrwert, der durch gezielte Aktivierung von Frauen, Älteren und Zugewanderten gegenüber diesem Wert erschlossen werden kann. Der volkswirtschaftliche Effekt davon auf Basis eines Wertschöpfungsbeitrags von 124.000 Euro pro Jahr pro Person: ein zusätzlicher Wertschöpfungsgewinn von 24,1 Milliarden Euro im Jahr 2040.
Damit dieses Potenzial realisiert werden kann, braucht es jetzt zwei Hebel:
Re-Skilling für zukunftsfähige Kompetenzen: Die Transformation von Branchen erfordert neue Qualifikationsprofile. Re-Skilling hilft Ingenieurinnen und Ingenieuren, Veränderungen in der eigenen Branche mitzugestalten oder gezielt in zukunftsfähige Bereiche zu wechseln. Eine aktuelle Studie zu Qualifikation und Re-Skilling im Rahmen der VDI-Initiative „Zukunft Deutschland 2050“ zeigt, welche Maßnahmen wirksam sind und welchen Beitrag Unternehmen und Politik leisten müssen.
Potenziale gleichberechtigt erschließen: Der demografische Wandel engt das verfügbare Fachkräfteangebot systematisch ein. Der Ingenieurarbeitsmarkt muss offener werden: für Frauen, ältere Erwerbstätige und Zugewanderte. Eine weitere VDI-Studie zu Ingenieurinnen in Deutschland untersucht unter anderem, welche Rolle flexible Arbeitszeit- und Teilzeitmodelle für die Gewinnung und Bindung weiblicher Fachkräfte spielen. Im Best-Case-Szenario könnten bis 2040 allein durch mehr Frauen in Ingenieur- und Informatikberufen rund 91.700 zusätzliche Fachkräfte gewonnen werden.
„Wer jetzt in Qualifizierung investiert, mehr Frauen für technische Berufe gewinnt, erfahrene Beschäftigte länger im Erwerbsleben hält und die Zuwanderung qualifizierter Fachkräfte erleichtert, stärkt die Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit des Technologiestandorts Deutschland", erklärt Adrian Willig.
Hintergrund: Transformation, kein Strukturbruch
Was die aktuellen Zahlen beschreiben, ist also nicht das Ende des Ingenieurberufs, sondern vielmehr Ausdruck einer tiefgreifenden wirtschaftlichen Transformation. Besonders sichtbar im Automobil- und Maschinenbaubereich: Branchen, die unter geopolitischem Druck und veränderter Nachfrage ihre Geschäftsmodelle neu ausrichten, verändern auch ihre Stellenprofile. Doch weniger Stellen von gestern bedeuten nicht zwingend weniger Bedarf von morgen.
Das belegt ein Blick auf die Engpasssituation am Ingenieurarbeitsmarkt: Auf 100 Arbeitslose in Ingenieur- und Informatikberufen kamen im vierten Quartal 2025 bundesweit noch immer 166 offene Stellen – in den Maschinen- und Fahrzeugtechnikberufen lag die Kennziffer sogar bei 173. Der strukturelle Fachkräftemangel ist nicht verschwunden. Er ist derzeit überlagert.
Zugleich liefert die Altersstruktur im Zuge des demografischen Wandels ein klares Signal zum Ersatzbedarf: 28,5 Prozent der Erwerbstätigen in den Fachrichtungen Maschinenbau, Metallverarbeitung, Kraftfahrzeuge, Schiffe und Flugzeuge sind mindestens 55 Jahre alt. Diese Altersgruppe tritt in den kommenden Jahren nach und nach in den Ruhestand ein. Und: Trotz der anhaltend schwierigen konjunkturellen Lage verzeichnete die Beschäftigung in Ingenieur- und Informatikberufen noch ein leichtes Wachstum – ein Zeichen für die fortbestehende strukturelle Nachfrage.
Der VDI/IW-Ingenieurmonitor 2025/IV steht unter www.vdi.de/ingenieurmonitor kostenfrei zum Download bereit.
Fachlicher Ansprechpartner:
Maximilian Stindt
Referent Beruf und Arbeitsmarkt
Telefon: +49 211 6214-653
E-Mail: maximilian.stindt@vdi.de
VDI als Gestalter der Zukunft
Mit unserer Community und unseren rund 125.000 Mitgliedern setzen wir, der VDI e.V., Impulse für die Zukunft und bilden ein einzigartiges multidisziplinäres Netzwerk, das richtungweisende Entwicklungen mitgestaltet und prägt. Als bedeutender deutscher technischer Regelsetzer bündeln wir Kompetenzen, um die Welt von morgen zu gestalten und leisten einen wichtigen Beitrag, um Fortschritt und Wohlstand zu sichern. Mit Deutschlands größter Community für Ingenieurinnen und Ingenieure, unseren Mitgliedern und unseren umfangreichen Angeboten schaffen wir das Zuhause aller technisch inspirierten Menschen. Dabei sind wir bundesweit, auf regionaler und lokaler Ebene in Landesverbänden und Bezirksvereinen aktiv. Das Fundament unserer täglichen Arbeit bilden unsere rund 10.000 ehrenamtlichen Expertinnen und Experten, die ihr Wissen und ihre Erfahrungen einbringen.
Viele Grüße -- Sonja Bosso Referentin Kommunikation VDI e. V. VDI-Platz 1 40468 Düsseldorf Tel: +49 211 6214-389 presse@vdi.de www.vdi.de
Verpassen Sie nie wieder eine wichtige VDI-Information. Abonnieren Sie unseren Newsroom unter www.presseportal.de/abo/direct/nr/16368. Sobald eine neue Meldung veröffentlicht wird, erhalten Sie sofort eine persönliche E-Mail. Sie können wahlweise auch eine tägliche Zusammenfassung bestellen. Wenn Sie keine weiteren Infos mehr von uns erhalten möchten, schicken Sie uns einen kurzen Hinweis an die Absenderadresse.
Weiteres Material zum Download Dokument: 26_09_17_VDI_PM_Arbe~tenziale_FINAL.docx