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Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie

Morgen ist Tag des Artenschutzes! Wie geht es den Arten und Lebensräumen in Hessen?

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Rot, Gelb, Grün - Wie geht es der Natur in Hessen?

Hessenampel zeigt Erhaltungszustand ausgewählter Arten und Lebensraumtypen

Wiesbaden, 02.03.2026 – Alle 6 Jahre zieht das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) Bilanz: Wie geht es den europäisch geschützten Arten und Lebensraumtypen in Hessen? Welche entwickeln sich gut und welche weniger gut oder stehen gar kurz vor dem Aussterben und dem Verschwinden? Die Grundlage für die Bewertung des sogenannten Erhaltungszustandes einer Art oder eines Lebensraumtyps liefert die europäische Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie). Zusammengefasst werden die Ergebnisse in der „Hessenampel“.

Auf grün, einem günstigen Erhaltungszustand, steht die Ampel beispielsweise bei Biber und Wildkatze –beides Arten, die ehemals durch die Jagd in Hessen ganz bzw. fast vollständig ausgerottet waren. Bereits 2019 erreichten die beiden Arten den günstigen Erhaltungszustand, seitdem nehmen die Bestände weiterhin zu. Besonders erfreulich: Die Zierliche Moosjungfer, eine Libelle mit einer Körperlänge von ca. 3 cm, hat 2025 erstmals einen günstigen Erhaltungszustand erreicht. Für die lilablühende Sandsilberscharte ist die Ampel von rot auf gelb gesprungen. Zu dieser positiven Entwicklung haben vor allem umfangreiche Pflegemaßnahmen beigetragen. Außerdem sind bei weiteren acht Arten Verbesserungen festzustellen, die sich aber noch nicht auf den Erhaltungszustand ausgewirkt haben. Vier Arten wurden in der zurückliegenden Berichtsperiode erstmalig für Hessen berichtet und bewertet. Dazu zählen Neufunde wie beispielsweise die seltene Pseudoskorpion-Art Anthrenochernes stellae, die nur ca. 2,6 mm lang ist und im zerfallenden Holz bzw. Mulm innerhalb von Stamm- und Asthöhlen alter Laubbäume lebt. Insgesamt steht die Ampel für 21 Tier- und Pflanzenarten auf grün.

Die „Hessenampel“ macht aber auch deutlich, dass der Zustand vieler Arten und Lebensräume in Hessen nach wie vor kritisch ist: Denn die Anzahl der Tier- und Pflanzenarten, die sich in einem schlechten Erhaltungszustand befinden, hat seit 2007 von 21 auf aktuell 35 Arten (35 Prozent) zugenommen. Gegenüber 2019 ist sie konstant geblieben. Schwerpunkte dieser Verschlechterungen liegen bei den Fledermäusen – hier wirken je nach Art unterschiedliche Gefährdungsfaktoren wie z.B. der Rückgang von Fluginsekten durch Pestizide oder Lebensraumverluste durch Baumfällungen und Gebäudesanierungen. Für Gelbbauchunke, Wechselkröte oder Kreuzkröte – so genannte Pionierarten – fehlen vegetationsfreie, neu entstandene Kleingewässer. Bei den Schmetterlingen ist der Rückgang besonders groß, weil sie extensiv genutzte Mähwiesen und Weiden als Lebensraum benötigen und diese Lebensräume immer seltener werden.

Mit Blick auf die Lebensraumtypen in Hessen sind leichte Verbesserungen oder sogar positive Entwicklungstendenzen bei Fließgewässern und den gewässerbegleitenden Auenwäldern sowie bei den Sandrasen erkennbar. Diese Erfolge können beobachtet werden, schlagen sich aber aus methodischen Gründen im aktuellen Bericht noch nicht nieder. Eine tatsächliche Verbesserung des Erhaltungszustands um eine Stufe ist bei den Salzwiesen zu verzeichnen. Der Anteil von Lebensraumtypen mit schlechtem Erhaltungszustand hat sich gegenüber dem letzten Bericht (2019) von knapp 67 auf 69 Prozent leicht erhöht. Weiter verschlechtert hat sich der Zustand der Grünland-Lebensraumtypen, um die es auch schon in den vorigen Berichten nicht gut bestellt war.

„Wenn es um Naturschutz und Artenvielfalt geht, wird oft außer Acht gelassen, dass ein guter Zustand unserer Natur essenziell für das menschliche Überleben ist. Der Verlust von Arten und Lebensräumen kann zu Kettenreaktionen führen, die unsere Ökosysteme aus dem Gleichgewicht bringen. Das wiederum hat gravierende Auswirkungen auf uns Menschen. Nur intakte Ökosysteme stellen uns Nahrungsmittel, sauberes Grundwasser oder saubere Luft bereit,“ erläutert HLNUG-Präsident Prof. Dr. Thomas Schmid. „Nicht alle Schäden, die wir der Natur zugefügt haben, sind reparabel. Die gute Nachricht ist aber, dass sich durch gezielte, gut geplante Maßnahmen der Erhaltungszustand von Arten und Lebensraumtypen und damit verbunden auch der Zustand unserer Ökosysteme meist wieder verbessern lässt. Es ist also wichtiger denn je, verstärkt Maßnahmen für die Arten und Lebensräume umzusetzen, die sich in einem ungünstigen Erhaltungszustand befinden.“

Ziel der FFH-Richtlinie ist es, dass alle FFH-Arten und Lebensraumtypen einen günstigen Erhaltungszustand erreichen. Die Ergebnisse der Hessenampel dienen somit auch als Grundlage für die Schwerpunktsetzung bei der Planung von Naturschutzmaßnahmen. Umden Zustand von einzelnen Arten zu verbessern, werden beispielsweise auch Artenhilfskonzepte erstellt und umgesetzt.

Ab sofort ist die Hessenampel als Download auf der Internetseite des HLNUG unter www.hlnug.de/themen/naturschutz/natura-2000/monitoring-und-berichtspflicht abrufbar.

Artenhilfskonzepte sind ebenfalls auf der HLNUG-Internetseite unter https://www.hlnug.de/themen/naturschutz/tiere-und-pflanzen/artenhilfskonzepte einsehbar.

Hintergrund:

Der Nationale Bericht 2025 zum Zustand der Arten und Lebensräume der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie in Deutschland (FFH-Bericht) wurde abschließend am 13. Oktober 2025 an die Europäische Kommission übermittelt. Eingegangen in diesen Bericht sind aktuelle Naturschutzdaten aus allen Bundesländern. In der kontinentalen Region Deutschlands, zu der Hessen gehört, haben 37 Prozent der untersuchten 187 Arten und 54 Prozent von 83 Lebensraumtypen einen schlechten Erhaltungszustand. Lediglich etwa 20 Prozent der Arten und 13 Prozent der Lebensräume wird ein günstiger Zustand attestiert. Anhand des hessischen Beitrags zum Nationalen Bericht wurde der Erhaltungszustand der in Hessen vorkommenden Arten und Lebensraumtypen bewertet. Diese sogenannte „Hessenampel“ gibt Auskunft über den Zustand der FFH-Arten und -Lebensraumtypen in Hessen und liefert die Grundlage zur Bewertung von einzelnen Vorkommen dieser Schutzgüter. Verwendet werden die Daten beispielsweise zur Schwerpunktsetzung bei der Maßnahmenplanung oder bei der Bewertung von Eingriffen.

Die Ergebnisse für Hessen („Hessenampel“) und weitere Informationen zum Thema finden sich unter: www.hlnug.de/themen/naturschutz/natura-2000/monitoring-und-berichtspflicht.

Weitergehende Erläuterungen und die Daten zum Nationalen Bericht stellt das Bundesamt für Naturschutz bereit: www.bfn.de/nationale-ffh-berichte.

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
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