VDI Verein Deutscher Ingenieure e.V.
14. VDI-Wettbewerb Integrale Planung: TU Wien gewinnt mit nachhaltigem Konzepte für das "Gateway Wuppertal"
Wie können Gebäude entstehen, ohne immer neue Ressourcen zu verbrauchen? Eine Antwort darauf liefert das zirkuläre Bauen: Bestehende Bauteile werden nicht entsorgt, sondern als wertvolle Ressource für neue Gebäude weitergenutzt. Welche innovativen Lösungen daraus entstehen können, zeigt der 14. VDI-Wettbewerb Integrale Planung (WIP). Unter dem Motto „Gateway Wuppertal – Neues aus Bestehendem schaffen“ entwickelten Studierende interdisziplinär Konzepte für ein nachhaltiges Torgebäude an der geplanten Hängebrücke der Bundesgartenschau (BUGA) 2031 in Wuppertal.
Das überzeugendste Gesamtkonzept präsentierte ein Team der Technischen Universität Wien (Bild 1 Platz 1 v.l.n.r. Elias Walder, ). Der zweite Preis ging an ein Team der Universität Stuttgart. Den dritten Platz teilen sich die Fachhochschule Aachen und ein weiteres Team der Universität Stuttgart. Insgesamt vergab die Jury Preisgelder in Höhe von 5.000 Euro. Organisiert wurde der Wettbewerb von der VDI-Gesellschaft Bauen und Gebäudetechnik in Kooperation mit der BUGA Wuppertal 2031 gGmbH und dem Living Lab NRW.
Zirkuläres Bauen als zentrale Planungsaufgabe
Bereits zum 14. Mal stellte der VDI in seinem Ideenwettbewerb Studierende vor eine reale Planungsaufgabe, bei der unterschiedliche Fachdisziplinen gemeinsam tragfähige Lösungen entwickeln mussten. Die diesjährige Wettbewerbsaufgabe griff dabei eines der wichtigsten Zukunftsthemen des Bauens auf: den verantwortungsvollen Umgang mit bestehenden Ressourcen.
Die Teams sollten ein nachhaltiges Torgebäude an der geplanten Hängebrücke auf der Königshöhe entwerfen. Neben einem barrierearmen Zugang zur Brücke waren Serviceangebote für Besucherinnen und Besucher sowie ein Apartment mit Atelier für Kunstschaffende auf dem Kiesberg Bestandteil der Aufgabe. Im Mittelpunkt standen jedoch vor allem zirkuläres Bauen und die Wiederverwendung vorhandener Bauteile. Ziel ist es, kreative, ressourcenschonende und zukunftsweisende Lösungen zu entwickeln, die als Inspiration für die BUGA31 und die nachhaltige Entwicklung Wuppertals dienen. Hierfür sollten Materialien aus den Gebäuden des ehemaligen Solar Decathlon Europe 21/22 in die Entwürfe integriert werden.
Die Aufgabenstellung greift eine Entwicklung auf, die für das Bauwesen zunehmend an Bedeutung gewinnt. Der Bausektor gehört zu den ressourcenintensivsten Wirtschaftsbereichen überhaupt. Bau- und Abbruchabfälle machen in Deutschland den größten Anteil des gesamten Abfallaufkommens aus. Die Wiederverwendung von Bauteilen und die Planung im Sinne der Kreislaufwirtschaft gelten daher als wichtige Bausteine, um Ressourcen zu schonen und Treibhausgasemissionen langfristig zu reduzieren.
Praxisnahe Ausbildung für integrale Planung
Der Wettbewerb richtet sich an Studierende der Architektur, des Bauingenieurwesens, der Technischen Gebäudeausrüstung und des Facility Managements. Ziel ist es, bereits im Studium jene interdisziplinäre Zusammenarbeit zu fördern, die bei komplexen Bauprojekten heute unverzichtbar ist.
In Teams von zwei bis acht Personen entwickeln die Teilnehmenden gemeinsam ein schlüssiges Gesamtkonzept. Architektur, Tragwerksplanung, Gebäudetechnik, Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit werden dabei nicht getrennt betrachtet, sondern von Beginn an zusammengeführt. Damit vermittelt der Ideen-Wettbewerb praxisnah die Anforderungen einer integralen Planung und bietet den Studierenden zugleich die Möglichkeit, ihre Konzepte vor einer Fachjury aus Wissenschaft und Praxis zu präsentieren.
TU Wien überzeugt mit ganzheitlichem Entwurfsansatz
Bild: TU Wien – 1. Preis
Den ersten Preis erhielt das Team der Technischen Universität Wien mit Simon Berger, Elias Walder und Emanuel Aigner für den Entwurf „Building Gateways“.
Nach Ansicht der Jury überzeugt das Projekt durch seinen starken ganzheitlichen Entwurfsansatz. Städtebaulich fügt sich das Gebäude sensibel zwischen Hängebrücke und Waldpark ein und schafft eine überzeugende Verbindung von Landschaft, Infrastruktur und Architektur. Besonders hervorgehoben wurde die klare Haltung des Entwurfs, der die Qualitäten des Ortes stärkt, ohne sich selbst in den Vordergrund zu stellen.
Auch der konsequente bauteilorientierte Ansatz überzeugte die Jury. Die vorhandenen Ressourcen werden gestalterisch und konstruktiv schlüssig eingesetzt und prägen die Identität des Gebäudes. Dadurch entsteht eine eigenständige Architektur, die Nachhaltigkeit, Funktionalität und gestalterische Qualität beispielhaft verbindet.
Universität Stuttgart erreicht Platz zwei
Bild: Universität Stuttgart – 2. Preis
Der mit 1.500 Euro dotierte zweite Preis ging an Felix Thiemann, Christin Broghammer und Noah Holl von der Universität Stuttgart für ihren Entwurf „Riegelwerk“.
Die Jury lobte insbesondere die klar strukturierte Gesamtidee und den sensiblen Umgang mit der Landschaft. Das Gebäude integriert sich selbstverständlich in seine Umgebung und schafft durch sorgfältig entwickelte Blickbeziehungen attraktive Aufenthaltsbereiche sowie eine enge Verbindung zwischen Naturraum und Hängebrücke.
Positiv bewertet wurde außerdem der konsequente Umgang mit den vorhandenen Bauteilen. Diese bilden die Grundlage einer eigenständigen architektonischen Sprache und verbinden Nachhaltigkeit mit hoher gestalterischer Qualität.
Zwei dritte Plätze für Aachen und Stuttgart
Bild: Fachhochschule Aachen – 3. Preis
Den dritten Platz erhielt das Team der Fachhochschule Aachen mit Lukas Laboga, Wim auf dem Graben und Muhammad Nugraha Iskandar für den Entwurf „92 %“.
Die Jury würdigte die konzeptionelle Stärke sowie den konsequent verfolgten integralen Planungsansatz. Architektur, Konstruktion, Materialeinsatz und Gebäudetechnik greifen schlüssig ineinander. Besonders überzeugte die frühzeitige Einbindung der Gebäudetechnik, die die architektonische Idee sinnvoll unterstützt.
Bild: Universität Stuttgart – 3. Preis
Den zweiten dritten Platz belegte das Team der Universität Stuttgart mit Julie Duncker, Alexandra Maria Meier, Serafin Lindau und Lukas Maucher. Ihr Entwurf „Re:Connected“ überzeugte durch seine hohe gestalterische Qualität und einen innovativen Umgang mit den vorhandenen Materialien. Der Entwurf entwickelt eine eigenständige architektonische Identität, schafft vielfältige Aufenthaltsqualitäten und integriert die wiederverwendeten Bauteile überzeugend in das Gesamtkonzept. Sorgfältig ausgearbeitete Detaillösungen unterstreichen zusätzlich die hohe Entwurfsqualität.
Wettbewerb fördert den Ingenieurnachwuchs
Der VDI-Wettbewerb Integrale Planung findet jährlich zu wechselnden Themen statt und wird von der VDI-Gesellschaft Bauen und Gebäudetechnik organisiert. Unterstützt wurde der Wettbewerb in diesem Jahr von der Heinz Trox Stiftung, der BUGA Wuppertal 2031 gGmbH, der Clees Unternehmensgruppe, Greydot, dem Living Lab NRW und den WSW.
Die Wettbewerbsaufgabe machte deutlich, welches Potenzial in der interdisziplinären Planung und der Wiederverwendung vorhandener Ressourcen steckt. Gleichzeitig bietet der Wettbewerb Studierenden die Möglichkeit, praxisnahe Erfahrungen zu sammeln, innovative Ideen zu entwickeln und diese mit Fachleuten aus Planung, Wissenschaft und Baupraxis zu diskutieren.
WIP 2027: Jugendherberge im Steilhang am Erpeler Ley
Der nächste Wettbewerb startet im Wintersemester 2026/2027 unter dem Titel „Rhein hängen – Jugendherberge im Steilhang am Erpeler Ley“.
VDI als Gestalter der Zukunft
Mit unserer Community und unseren rund 125.000 Mitgliedern setzen wir, der VDI e.V., Impulse für die Zukunft und bilden ein einzigartiges multidisziplinäres Netzwerk, das richtungweisende Entwicklungen mitgestaltet und prägt. Als bedeutender deutscher technischer Regelsetzer bündeln wir Kompetenzen, um die Welt von morgen zu gestalten. und leisten einen wichtigen Beitrag, um Fortschritt und Wohlstand zu sichern. Mit Deutschlands größter Community für Ingenieurinnen und Ingenieure, unseren Mitgliedern und unseren umfangreichen Angeboten, schaffen wir das Zuhause aller technisch inspirierten Menschen. Dabei sind wir bundesweit, auf regionaler und lokaler Ebene in Landesverbänden und Bezirksvereinen aktiv. Das Fundament unserer täglichen Arbeit bilden unsere rund 10.000 ehrenamtlichen Expertinnen und Experten, die ihr Wissen und ihre Erfahrungen einbringen.
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