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Klimaneutralität 2040: Optionen für ein Kohlenstoffmanagement in Baden-Württemberg

Klimaneutralität 2040: Optionen für ein Kohlenstoffmanagement in Baden-Württemberg
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Klimaneutralität 2040: Optionen für ein Kohlenstoffmanagement in Baden-Württemberg

  • Ein Policy Brief des Projekts „KoRPSA“ unter der Leitung von Prof. Dr. Anke Weidlich von der Universität Freiburg zeigt Handlungsoptionen auf, um in der nächsten Legislaturperiode ein Kohlenstoffmanagement in Baden-Württemberg umzusetzen.
  • Der Policy Brief hebt hervor, dass Baden-Württemberg künftig auf eine Strategie zum Kohlenstoffmanagement angewiesen sein wird, da in Industrien wie der Zement- und Kalkproduktion oder der Abfallverbrennung langfristig unvermeidbare CO2-Emissionen anfallen.
  • Dem Policy Brief zufolge sollte das Kohlenstoffmanagement die Maßnahmen zur Emissionsvermeidung ergänzen, um Klimaneutralität zu erreichen.

Deutschland hat sich das Ziel gesetzt, bis 2045 klimaneutral zu werden. Baden-Württemberg will dieses Ziel schon fünf Jahre früher erreichen. Dafür müssen Emissionen konsequent vermieden werden. Doch selbst wenn dies gelingt, fallen in zentralen Industrien wie der Zement- und Kalkproduktion oder der Abfallverbrennung langfristig weiter unvermeidbare CO2-Emissionen an. Ein neuer Policy Brief des Projekts „KoRPSA“ unter der Leitung von Prof. Dr. Anke Weidlich, Professorin für Technologien der Energieverteilung an der Universität Freiburg, hebt hervor, dass Baden-Württemberg deshalb künftig auf ein zielgerichtetes Kohlenstoffmanagement angewiesen ist. Damit sind Maßnahmen gemeint, die CO2 daran hindern, in die Atmosphäre zu gelangen, die es der Luft wieder entziehen oder mit denen das CO2 gespeichert werden kann. Der Policy Brief bündelt den aktuellen technologischen und infrastrukturellen Stand und zeigt auf, wie eine Kohlenstoffmanagement-Strategie unterschiedliche Maßnahmen in der nächsten Legislaturperiode zusammenführen kann. „KoRPSA“ ist ein Projekt des Innovationscampus Nachhaltigkeit (ICN) – eine gemeinsame Initiative der Universität Freiburg und des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT), die durch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg gefördert wird. An dem Policy Brief waren Wissenschaftler*innen des Instituts für Industriebetriebslehre und Industrielle Produktion (IIP) des KIT und des Fraunhofer-Instituts für Systemtechnik und Innovationsforschung ISI beteiligt.

„Wenn wir Klimaneutralität erreichen und gleichzeitig den Industriestandort Baden‑Württemberg sichern wollen, müssen wir jetzt ein integriertes Kohlenstoffmanagement auf den Weg bringen – klar begrenzt auf schwer vermeidbare Emissionen und mit Emissionsvermeidung als oberster Priorität,“ sagt Weidlich.

Kohlenstoffmanagement als Pfeiler der Klima- und Industriestrategien

Dem Policy Brief zufolge ist es zentral, dass Baden-Württemberg das Kohlenstoffmanagement verbindlich in seine Klima- und Industriestrategien einbettet. Es soll die Vermeidung von Emissionen nicht ersetzen, sondern sie dort ergänzen, wo Emissionen technisch oder ökonomisch unvermeidbar bleiben. Staatliche Förderung müsse dabei so gestaltet sein, dass sie keine Fehlanreize für zusätzliche oder vermeidbare Emissionen setzt.

Speicherstätten in Baden-Württemberg etablieren oder externe Speicherstätten identifizieren

Als ein Defizit sehen die Autor*innen, dass Baden-Württemberg zwar schwer vermeidbare Emissionen in relevanter Menge produziere, bislang aber keine CO2-Abscheideanlagen habe und über kein Transportnetz oder Speicherstätten verfüge.

Der Analyse der Autor*innen zufolge wird Baden-Württemberg jedoch voraussichtlich auf überregionale Transportnetze und Speicher – beispielsweise in der Nordsee – angewiesen sein, da die Speicherpotenziale im Bundesland begrenzt sein könnten. In diesem Fall müssten die Verantwortlichen frühzeitig die Anbindung an überregionale Infrastrukturen sichern und sich auch in nationale und europäische Planungen von CO2-Pipelines und multimodalen Transportketten einbringen. Erforderlich sei auch eine enge Abstimmung mit Frankreich, Schweiz und Österreich, da Baden-Württemberg zum Knotenpunkt einer grenzüberschreitenden CO2-Infrastruktur werden könnte.

Transparenter Dialog mit der Bevölkerung

Entscheidend sei es dem Policy Brief nach auch, einen kontinuierlichen Dialogprozess mit Industrie, Kommunen, Umwelt- und Bürgerinitiativen zu etablieren. Da die Bevölkerung Konzepte des Kohlenstoffmanagements bisher kaum kenne, könne ein Akzeptanzkonflikt entstehen. Der Dialog mit der Gesellschaft müsse Ziele, Risiken und Alternativen von Kohlenstoffmanagement transparent adressieren.

Worum es beim Kohlenstoffmanagement geht

Das Kohlenstoffmanagement umfasst Konzepte und Maßnahmen, die CO2 daran hindern, in die Atmosphäre zu gelangen, sowie Maßnahmen, die es der Luft wieder entziehen, das sogenannte Carbon Dioxide Removal. Zudem sieht das Kohlenstoffmanagement vor, CO2 für neue Produkte zu nutzen (Carbon Capture and Utilization, CCU) und es langfristig zu speichern (Carbon Capture and Storage, CCS). Ziel dabei ist, Kohlenstoffkreisläufe zu schließen und so auch den Bedarf an fossilen Rohstoffen zu senken.

Die vorhandenen Ansätze greifen technologisch und infrastrukturell ineinander. Technologien zur CO2-Abscheidung aus Abgasströmen sind weitgehend ausgereift, während sich Methoden zur Entfernung von CO2 aus der Luft noch in einem frühen Entwicklungsstadium befinden. CO2-Transportoptionen und die geologische CO2-Speicherung zählen ebenfalls zu den erprobten Technologien.

Weitere Informationen

  • Originalpublikation: Burghardt, C., Dütschke, E., Fierke, M., Frank, L., Rosenberg, S., Scherrer, A., Sloot, D., Späth, P., Wagner, L., Weidlich, A. (2026). Kohlenstoffmanagement in Baden-Württemberg – Weichenstellungen für Klimaneutralität und Industriestandort: Policy Brief zur Landtagswahl. FreiDok. Doi: 10.6094/UNIFR/278787. Zur Originalpublikation
  • Das Forschungsprojekt „Kohlenstoffmanagement für Klimaneutralität: Regionale Potenziale und Systemische Analyse (KoRPSA)“ untersucht Strategien für das Kohlenstoffmanagement, um die Klimaneutralität in der Oberrhein-Region zu erreichen. Es kombiniert qualitative und quantitative Methoden, wie Akzeptanzstudien und die Modellierung von Transportnetzwerken, um systemisches Wissen zu schaffen und konkrete, nachhaltige Handlungsoptionen zu entwickeln. Dabei fördert es die Zusammenarbeit zwischen Politik, Industrie und Bevölkerung. Zum Projekt „KoRPSA“
  • An dem Projekt sind die Universität Freiburg (Koordination), das Institut für Industriebetriebslehre und Industrielle Produktion (IIP) am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI beteiligt. Zum Innovationscampus Nachhaltigkeit
  • „KoRPSA“ ist ein Projekt des Innovationscampus Nachhaltigkeit. Der Innovationscampus Nachhaltigkeit (ICN) ist eine Initiative der Universität Freiburg und des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT). Er wird vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg gefördert. Als Wissenschafts-Praxis-Schnittstelle fördert der Innovationscampus transdisziplinäre Forschungs-, Entwicklungs- und Bildungsprojekte zur Nachhaltigkeitstransformation und initiiert entsprechende Innovationsökosysteme. Schwerpunktthemen sind Klimaschutz, Ressourcenschonung und Well-being. Zum Forschungsprofil von Prof. Dr. Anke Weidlich

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