Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Bienen und andere Bestäuber in Europa stärken: Neue Empfehlungen für EU-Renaturierungspläne
Bienen und andere Bestäuber in Europa stärken: Neue Empfehlungen für EU-Renaturierungspläne
- Policy Brief des EU-Projekts RestPoll unter Leitung von Prof. Dr. Alexandra-Maria Klein von der Universität Freiburg gibt Empfehlungen, welche Renaturierungsmaßnahmen Bestäuber wie Wildbienen in Europa am effektivsten fördern.
- Entscheidend seien mehr hochwertige und vernetzte Lebensräume sowie eine geringere Intensität der hoch-intensiven Landnutzung – etwa durch weniger Pestizide und angepasste Mäh- und Beweidungssysteme, so die Autor*innen.
- Ergebnisse sollen EU-Mitgliedstaaten dabei unterstützen, ihre Natur-Wiederherstellungspläne im Rahmen der EU-Nature Restoration Regulation (NRR) wirksam, praxisnah und überprüfbar umzusetzen.
Bestäuberinsekten wie Bienen, Hummeln, Schmetterlinge und Schwebfliegen spielen eine Schlüsselrolle für Landwirtschaft, Biodiversität und stabile Ökosysteme. Maßnahmen zum Bestäuberschutz tragen zu gesunden Böden, sauberem Wasser und Klimaschutz bei. Gleichzeitig gehen die Bestände dieser Insekten in vielen Teilen Europas seit Jahren zurück. Ein neuer Policy Brief des EU-Horizon-Europe-Projekts RestPoll fasst nun zusammen, welche Renaturierungsmaßnahmen nach aktueller wissenschaftlicher Evidenz am besten zur Erholung von Bestäuberpopulationen beitragen können. Das Projekt wird von Prof. Dr. Alexandra-Maria Klein, Professorin für Naturschutz und Landschaftsökologie an der Universität Freiburg, geleitet.
„Wenn wir den Rückgang der Bestäuber in Europa bis 2030 stoppen und umkehren wollen, müssen wir vor allem zwei Dinge konsequent angehen: den Ausbau und die Vernetzung geeigneter Lebensräume sowie eine weniger intensive Nutzung von intensiven Agrar- und Grünflächen“, sagt Klein. „Wichtig ist dabei, dass Maßnahmen an die lokalen Gegebenheiten angepasst, gemeinsam mit Praktiker*innen entwickelt und systematisch überwacht werden.“
Wie die Empfehlungen entstanden sind
Der Policy Brief basiert auf einer Expert*innenbefragung und einem Überblick über die Fachliteratur. In einem ersten Schritt bewerteten 56 international anerkannte Bestäuber-Expert*innen aus 20 europäischen Ländern insgesamt 17 mögliche Renaturierungsmaßnahmen in einer Online-Befragung. Sie schätzten ein, wie wirksam, praktikabel und kostenintensiv diese Maßnahmen aus ihrer fachlichen und praktischen Erfahrung sind. Ergänzt wurden diese Einschätzungen durch einen gezielten Überblick über die wissenschaftliche Literatur, unter anderem mithilfe der Plattform Conservation Evidence, die Forschungsergebnisse zur Wirksamkeit von Naturschutzmaßnahmen systematisch auswertet.
Die Autor*innen ordnen ihre Empfehlungen gezielt in den Kontext der EU-Nature Restoration Regulation (NRR) ein. Diese verpflichtet die Mitgliedstaaten unter Artikel 10, den Rückgang von Bestäubern bis 2030 umzukehren und ihre Bestände danach weiter zu erhöhen. Die EU-Mitgliedstaaten müssen ihre Entwürfe der nationalen Wiederherstellungspläne bis zum 1. September 2026 bei der Europäischen Kommission einreichen.
Welche Maßnahmen Bestäuber besonders wirksam schützen
Der Analyse zufolge lässt sich Bestäuberschutz effektiv mit Renaturierungsmaßnahmen in Agrarlandschaften, Grünland und urbanen Grünräumen verknüpfen. Am wirksamsten ist es, die Qualität, Fläche und Vernetzung von Lebensräumen für Bestäuber zu erhöhen. Dazu zählen unter anderem artenreiche (halb-)natürliche Wiesen, Wildblumenflächen, Hecken sowie blühende Bäume und Sträucher. Solche Strukturen verbessern nicht nur das Nahrungsangebot, sondern erleichtern auch die Ausbreitung und den genetischen Austausch von Bestäubern in der Landschaft.
Gleichzeitig sei es den Autor*innen zufolge entscheidend, intensive Bewirtschaftungspraktiken zu reduzieren – etwa durch geringeren Pestizideinsatz sowie selteneres Mähen oder weniger intensive Beweidung. Auf brachliegenden Flächen solle hingegen wieder eine schonende Nutzung stattfinden, zum Beispiel durch gelegentliches Mähen oder Beweidung mit wenigen Tieren, um die Verbuschung der Flächen zu verhindern. Eine „Standardlösung“ gebe es dabei nicht: Maßnahmen seien dann besonders erfolgreich, wenn sie an lokale Bedingungen wie Boden, Klima, Landschaftsstruktur und Zielarten angepasst werden.
Als Voraussetzung für eine erfolgreiche Umsetzung nennen die Autor*innen klare und messbare Ziele, die Einbindung von Landwirt*innen, Landbewirtschafter*innen, Kommunen, Behörden und Fachleuten, ausreichende finanzielle und technische Unterstützung sowie ein Monitoring, das überprüft, ob Maßnahmen wirken und gegebenenfalls angepasst werden müssen. „Renaturierungsmaßnahmen für Bestäuber können sowohl ökologisch sinnvoll als auch kosteneffizient sein. Sie schaffen multifunktionale Landschaften, die Bestäuberpopulationen stärken und gleichzeitig einen breiteren Nutzen für Biodiversität, Boden- und Wassergesundheit, nachhaltige Landwirtschaft, Klimaschutz und das Wohlergehen der Bevölkerung bieten. Darüber hinaus können sie die Abhängigkeit von chemischen Pflanzenschutzmitteln verringern und so die langfristige ökologische und wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit fördern“, erklärt Dr. Jessica Knapp, Erstautorin des Policy Briefs und Forscherin an der Universität Lund / Schweden.
Weitere Informationen
Originalpublikation: Knapp, J., Dicks, L., Kranke, N., Morgan, W., Potts, S., Smith, H.G., Stout, J., Thijssen, M., Thompson, A., Klein, A.-M. (2026). Nature Restoration Plans – the most effective measures to restore pollinator populations. Policy Brief des EU-Horizon-Europe-Projekts RestPoll (Grant Agreement No. 101082102). Zenodo. DOI: 10.5281/zenodo.18655302
Prof. Dr. Alexandra-Maria Klein ist Professorin für Naturschutz und Landschaftsökologie an der Fakultät für Umwelt und Natürliche Ressourcen der Universität Freiburg. Sie forscht unter anderem zu Biodiversität in Agrarlandschaften, Bestäubungsleistungen und Maßnahmen zum Schutz und zur Förderung von Bestäubern.
Der Policy Brief entstand im Rahmen des EU-Horizon-Europe-Projekts RestPoll (Förderkennzeichen 101082102) unter Beteiligung weiterer EU-Horizon-Europe Projekte, die sich mit der Rolle von bestäubenden Insekten für Ökosysteme und menschliches Wohlergehen beschäftigen.
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg Geschäftsbereich Strategie und Kommunikation Abteilung Hochschul- und Wissenschaftskommunikation Rektorat . Fahnenbergplatz . 79085 Freiburg Tel.: +49 761 203 4302