POL-H: "DU.ICH.DEMOKRATIE" - Pilotprojekt zur Demokratieförderung an Hannovers Schulen gestartet
Hannover (ots)
Dies ist eine gemeinsame Pressemitteilung der Landeshauptstadt Hannover und der Polizeidirektion Hannover.
Wie funktioniert Demokratie im Alltag? Welche Rechte und Pflichten haben junge Menschen - und warum sind Regeln für ein respektvolles Miteinander so wichtig? Mit dem neuen Pilotprojekt "DU. ICH. DEMOKRATIE." stärken Landeshauptstadt und Polizei Hannover gemeinsam mit Schulen die demokratische Kompetenz von Jugendlichen. Ziel ist es, junge Menschen frühzeitig für demokratische Werte zu sensibilisieren, ihr Verantwortungsbewusstsein zu stärken und Vertrauen in staatliche Institutionen aufzubauen.
Seit Oktober 2025 läuft das Projekt an den Pilotschulen IGS Stöcken und IGS Kronsberg. Demokratie wird dort nicht nur theoretisch vermittelt, sondern praxisnah erlebbar gemacht - im Unterricht, in Workshops und im direkten Austausch auf Augenhöhe - auch mit den Vertreter*innen der Polizei. Bei der Vorstellung des Projekts "DU. ICH. DEMOKRATIE." an der IGS Stöcken, am 29. Januar, kamen Schüler*innen und Vertreter*innen aus Stadt, Politik und Polizei miteinander ins Gespräch. Dabei stellten die Schüler*innen ganz persönliche Fragen rund um das Thema Demokratie an die anwesenden Verantwortlichen.
"Demokratie lebt davon, dass alle verstehen, wie sie funktioniert - und dass jeder erlebt, dass die eigene Stimme zählt", sagt Oberbürgermeister Belit Onay. "Mit 'DU. ICH. DEMOKRATIE.' schaffen wir Räume, in denen Verantwortung, Respekt und Mitgestaltung konkret erfahrbar werden - von Anfang an schon in den Schulen."
Demokratie verstehen - Verantwortung übernehmen In aufeinander abgestimmten Modulen setzten sich Schüler*innen mit Fragen zu Demokratie, Gewaltenteilung gesellschaftlichen Regeln und Zusammenhalt auseinander. Die Workshops wurden von Expert*innen altersgerecht entwickelt und sind eng mit dem Unterricht verzahnt. Dabei geht es nicht nur um Wissen, sondern vor allem um Haltung, Dialog und Mitwirkung.
"Demokratiefähigkeit ist keine Selbstverständlichkeit - sie muss gelernt, geübt und gelebt werden", betont Bildungs- und Kulturdezernentin Eva Bender. "Das Projekt verbindet Demokratiebildung mit Prävention und stärkt junge Menschen darin, Konflikte fair und lösungsorientiert zu gestalten sowie Verantwortung für sich und andere zu übernehmen."
Ein besonderer Schwerpunkt des Projekts liegt auf der Prävention von Hass und Gewalt - insbesondere gegenüber Minderheiten sowie gegenüber Einsatzkräften der Polizei, Feuerwehr und des Rettungsdienstes. "Uns ist wichtig, frühzeitig Vertrauen aufzubauen, Vorurteile abzubauen und jungen Menschen zu zeigen, dass Demokratie vom respektvollen Miteinander lebt", sagt Polizeipräsidentin Gwendolin von der Osten. "Gerade junge Menschen sollen erfahren, dass Demokratie Schutz, Rechte aber auch Verantwortung bedeutet - und dass Polizei, Feuerwehr und Rettungskräfte Teil dieser demokratischen Gemeinschaft sind. Deshalb setzen wir gezielt auf Prävention, Dialog und gegenseitiges Verständnis."
"Je früher Kinder und Jugendliche demokratische Werte erleben und die Aufgaben der Polizei kennenlernen, desto nachhaltiger wirkt Prävention. Unser Pilotprojekt setzt genau hier an: Es fördert Verständnis, stärkt Vertrauen und schafft Orientierung." - ergänzt Kriminaldirektor Alexander Fuhl als Leiter des Kriminal- und Ermittlungsdienstes der Polizeiinspektion Hannover. Das Projekt "DU.ICH.DEMOKRATIE" stellt einen wichtigen Meilenstein in der Präventionsarbeit mit Kindern und Jugendlichen dar und schließt sich erfolgreich an bereits bestehende Kooperationen der Landeshauptstadt mit der Polizeidirektion Hannover an.
Hintergrund: Erfolgreiches Modell - lokal weiterentwickelt
Das Projekt basiert auf wissenschaftlichen Erkenntnissen und internationalen Studien. Die Zusammenarbeit zwischen Landeshauptstadt und Polizei erfolgt auf Grundlage des "Communities That Care"- Ansatzes. Beide beteiligten Schulen befinden sich aktuell mitten im zweijährigen Entwicklungsprozess. Die LHH unterstützt das Pilotprojekt mit personellen Ressourcen, um kommunale Präventionsangebote besser zu verzahnen und nachhaltig zu steuern. Für die beiden teilnehmenden Schulen stehen 2025 und 2026 Projektmittel in Höhe von je 20.000 Euro zur Verfügung.
Drei Module - ein gemeinsames Ziel
"Die Jugend-KOB´s"
"Jugend-KOB´s" - das steht für Jugendkontaktbeamtinnen- und beamten. Diese sowie weitere Polizeibeamtinnen und Beamten bilden die Schülerschaft der Jahrgänge fünf und sechs aus: In spielerischen Übungen und an Beispielen aus dem Alltag erfahren die Kinder, welche Rechte und Pflichten sie in einer Demokratie haben und wie die Arbeit der Polizei aussieht. Ziel ist es, Verständnis und Vertrauen aufzubauen - und den Wert eines fairen und respektvollen Miteinanders von Anfang an erfahrbar zu machen. Alle Polizistinnen und Polizisten, die solche Lehrveranstaltungen durchführen wurden speziell für dieses Modul vom Kompetenzzentrum Erlebnispädagogik und Jugendarbeit e.V. (KEJ) ausgebildet.
"Die Peers"
Die Expertin Claudia Guzmán de Rojas (u.a. Juristin, M.A. Friedens- und Konfliktforschung, politische Bildnerin uvm.) bildet Schülerinnen und Schüler der Jahrgänge neun und zehn zu sogenannten "Peer-Coaches" aus. Sie lernen die Grundprinzipien der Demokratie kennen, üben, Gespräche zu moderieren, und erfahren, wie Demokratie im Alltag erlebbar wird. Anschließend geben sie ihr Wissen in Workshops an jüngere Mitschülerinnen und Mitschüler der Jahrgänge sieben und acht weiter. So entsteht ein Austausch auf Augenhöhe, der nicht nur Wissen vermittelt, sondern auch zeigt, welchen persönlichen Nutzen Demokratie für das eigene Leben hat. Gleichzeitig wird ein realistisches Bild von Polizei und Rettungskräften vermittelt, das zu gegenseitigem Verständnis und Vertrauen beiträgt.
"Die FreeCan-Guides"
Die "FreeCan-Guides" sind eine Art Vertiefungsmodul: Das Angebot richtet sich an Klassen die den Peer-Coach-Workshop durchlaufen haben. Im offenen Austausch sprechen die Schülerinnen und Schüler mit den Guides über ihre persönlichen Erfahrungen, Zweifel und Fragen rund um das Thema Demokratie. Dabei entsteht ein Raum, in dem unterschiedliche Perspektiven gehört und ehrliche Gespräche geführt werden können. Zuvor erworbene Kenntnisse werden vertieft, die demokratische Haltung gestärkt und das Vertrauen in die gemeinsame Gestaltung einer vielfältigen Gesellschaft gefördert. Bei "FreeCan" handelt es sich um ein hannoversches Projekt, welches seit 2014 erfolgreich in Hannover besteht. Die "FreeCan-Teamer" bieten Workshops in Schulen und Jugendeinrichtungen an, in denen über Themen wie z. B. Gleichberechtigung, Werte, Rollenbilder etc. aufgeklärt wird. Die Teamer wurden von Claudia Guzmán de Rojas speziell für das Modul von "DU. ICH. DEMOKRATIE." fortgebildet.
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