Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen e.V.
„Tilgung der DDR-Altschulden auch für Genossenschaften“
Mecklenburg-Vorpommerns Bau- und Innenminister Christian Pegel hat für zehn Gemeinden im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte Zuwendungsbescheide zur Ablösung von Wohnungsbaualtschulden kommunaler Unternehmen übergeben. Ein richtiger Schritt, aber zu kurz gesprungen, da auch die Genossenschaften Fundament des bezahlbaren Wohnens in Mecklenburg-Vorpommern sind – sie werden aber von der Landesregierung vergessen.
„Tilgung der DDR-Altschulden auch für Genossenschaften“
10/2026
Schwerin. Mecklenburg-Vorpommerns Bau- und Innenminister Christian Pegel hat für zehn Gemeinden im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte Zuwendungsbescheide zur Ablösung von Wohnungsbaualtschulden übergeben. Insgesamt betrug die Altschuldenhilfe mehr als 8,4 Millionen Euro. Über den Kommunalen Entschuldungsfonds stellt das Land seit 2020 jährlich 25 Millionen Euro zur Verfügung. Die Mittel dienen der weiteren Ablösung von Wohnungsbaualtschulden aus der DDR-Zeit, die viele Kommunen und kommunale Wohnungsunternehmen bis heute belasten. Man übernehme Verantwortung für Entscheidungen aus der Vergangenheit und schaffe Luft in den kommunalen Haushalten und kommunalen Wohnungsbeständen, heißt es aus dem Ministerium für Inneres und Bau Mecklenburg-Vorpommern.
Dazu erklärt Andreas Breitner, Direktor des Verbands norddeutscher Wohnungsunternehmen:
„Mecklenburg-Vorpommern geht als einziges ostdeutsches Bundesland die Problematik an, das ist ein richtiger Schritt. Obwohl das Land amtlich anerkannt arm ist, setzt es Mittel dafür ein und erweist der kommunalen Wohnungswirtschaft einen großen Dienst. Trotzdem ist das zu kurz gesprungen, da auch die Genossenschaften Fundament des bezahlbaren Wohnens in Mecklenburg-Vorpommern sind – sie leiden unter der gleichen Problematik, werden aber von der Landesregierung vergessen.
Doch auch die sozialen Vermieter Mecklenburg-Vorpommerns brauchen Luft und finanziellen Spielraum – nicht zuletzt, um die Energiewende zu schaffen. Wir gehen davon aus, dass zum Erreichen von Klimaneutralität 2045 Investitionen von bis zu zwei Euro pro Quadratmeter notwendig sind. Um den Ausstoß klimaschädlicher Emissionen zu mindern, müssen unsere Betriebe in den kommenden Jahren riesige Summen investieren. Da ist es mehr als ärgerlich, wenn den Unternehmen wertvolle Finanzmittel aus der Tasche gezogen werden, um Schulden zu begleichen, die sie nicht zu verantworten haben. Letzten Endes müssen die Mieterinnen und Mieter der Genossenschaften, die es ohnehin nicht so dicke haben, diese Kosten über ihre Wohnkosten tragen. Was daran gerecht und sozial sein soll, erschließt sich mir nicht.
Vor diesem Hintergrund erfährt die Problematik der DDR-Altschulden nun neue Brisanz. Ihre Tilgung, von der derzeit nur die kommunalen Gesellschaften profitieren, muss deshalb dringend auf Wohnungsbaugenossenschaften ausgedehnt werden. Wir haben in Mecklenburg-Vorpommern 68 Genossenschaften, die in vielen Gegenden zu den wenigen wirtschaftlichen Ankern vor Ort gehören. Derzeit lasten Altschulden in Höhe von rund 110 Millionen Euro auf den im VNW organisierten Genossenschaften. Dass ihre Mieterinnen und Mieter nach wie vor für Schulden der DDR-Regierung aufkommen müssen, ist dreieinhalb Jahrzehnte nach Ende der DDR nicht nachvollziehbar. Das Geld brauchen die Genossenschaften an anderer Stelle und könnten es sinnvoller investieren.“
Die Altschulden waren zu DDR-Zeiten von den Städten, Kreisen und Bezirken auch für den Bau von Straßen, Schulen oder Kindergärten aufgenommen worden und wurden im Zuge der deutschen Wiedervereinigung den sozialen Vermietern aufgebürdet.
Dem VNW gehören 149 am Gemeinwohl orientierte Wohnungsunternehmen aus Mecklenburg-Vorpommern an. Sie vermieten in dem Bundesland 301.000 Wohnungen zu einer monatlichen Bestandsmiete von durchschnittlich 5,67 Euro pro Quadratmeter. Mehr als jede zweite Mietwohnung in Mecklenburg-Vorpommern – 53 Prozent - wird von einem VNW-Unternehmen angeboten.
Der Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW) vertritt in Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein insgesamt 476 Wohnungsgenossenschaften und Wohnungsgesellschaften. In den von ihnen verwalteten 730.000 Wohnungen leben rund zwei Millionen Menschen. Die durchschnittliche Nettokaltmiete pro Quadratmeter liegt bei den VNW-Unternehmen bei 7,69 Euro. Der VNW ist der Verband der Vermieter mit Werten.
V.i.S.P.: Oliver Schirg, Verband Norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW), Referat Kommunikation, Telefon: +49 40 52011 226, Mobil: +49 151 6450 2897, Mail: schirg@vnw.de