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Klimawandel polarisiert Abgeordnete stärker als ihre Wählerschaft, PI Nr. 70/2026

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Klimawandel polarisiert Abgeordnete stärker als ihre Wählerschaft

Ob Bürger*innen den Klimawandel für überwiegend menschengemacht halten, hängt stark von ihrer politischen Orientierung ab. Eine internationale Studie unter Beteiligung des Exzellenzclusters „The Politics of Inequality“ an der Universität Konstanz zeigt nun: Unter Abgeordneten ist diese ideologische Polarisierung deutlich stärker ausgeprägt als in der Bevölkerung. Besonders an den politischen Rändern entfernen sich die Überzeugungen der Politiker*innen von denen ihrer jeweiligen Wählerschaft.

Politische Unstimmigkeiten zu Klimaschutzmaßnahmen sind zunächst nicht überraschend. Parteien bewerten unterschiedlich, welche Maßnahmen zu dessen Bekämpfung wirksam, gerecht oder wirtschaftlich tragbar sind. Die Frage, ob der Klimawandel hauptsächlich durch menschliche Aktivitäten verursacht wird, betrifft jedoch keine politische Präferenz, sondern ist eine wissenschaftlich belegte Tatsache. Eine internationale Studie unter Beteiligung von Forschenden des Exzellenzclusters „The Politics of Inequality“ an der Universität Konstanz zeigt nun: Die Zustimmung zu dieser Tatsache hängt nicht nur stark von der politischen Orientierung ab, sondern die ideologische Spaltung ist unter Abgeordneten noch einmal deutlich größer als in der Bevölkerung. Besonders an den politischen Rändern entfernen sich die Überzeugungen der Politiker*innen von denen ihrer jeweiligen Wählerschaft.

Bei der Auswertung von Aussagen von 714 Abgeordneten und mehr als 18.000 Bürger*innen aus acht verschiedenen Ländern konnten die Forscher*innen feststellen: „Unter Politiker*innen sind Klimawandelüberzeugungen deutlich stärker polarisiert. Das bedeutet konkret, dass der Unterschied dieser Überzeugungen zwischen linken und rechten Abgeordneten fast dreimal größer ist als zwischen linken und rechten Wähler*innen“, erklärt Johannes Kotz, Erstautor der Studie und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachbereich Psychologie der Universität Konstanz.

„Unsere Ergebnisse zeigen nicht einfach nur, dass linke und rechte Abgeordnete unterschiedliche klimapolitische Positionen vertreten“, ergänzt Wolfgang Gaissmaier, Professor für Sozialpsychologie und Mitglied des Exzellenzclusters „The Politics of Inequality“ an der Universität Konstanz. „Die Unterschiede beginnen bereits bei der Einschätzung der wissenschaftlichen Ausgangslage. Wenn selbst grundlegende Tatsachen entlang politischer Linien unterschiedlich bewertet werden, erschwert das eine gemeinsame Basis für politische Entscheidungen.“

Deshalb wirft dieser Befund ebenfalls die Frage nach politischer Repräsentation auf. Abgeordnete sollten die Interessen und Präferenzen ihrer Wählerschaft kennen und in politische Entscheidungen übersetzen. Wenn die Überzeugungen an den politischen Rändern jedoch stärker zugespitzt sind als die ihrer Wähler*innen, entsteht eine Repräsentationslücke. „Klimawandelüberzeugung ist keine abstrakte Haltung ohne politische Folgen. Sie hängt unmittelbar damit zusammen, ob konkrete Maßnahmen mitgetragen werden“, so Johannes Kotz. Besonders relevant ist deshalb, dass politisch rechtsorientierte Abgeordnete dem menschengemachten Klimawandel skeptischer gegenüberstehen als politisch rechtsorientierte Bürger*innen. Diese zusätzliche Distanz kann die Umsetzung von Klimapolitik erschweren.

Faktenübersicht

  • Originalpublikation: Kotz, J., Giese, H., Breunig, C. et al. Ideological polarization on anthropogenic climate change is stronger among politicians than among citizens across eight countries. Commun. Sustain. 1, 111 (2026). DOI: https://doi.org/10.1038/s44458-026-00113-y
  • Wissenschaftler*innen der Universität Konstanz:
    1. Johannes Kotz ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachbereich Psychologie und Erstautor der Studie.
    2. Wolfgang Gaissmaier ist Professor für Sozialpsychologie und Mitglied des Exzellenzclusters „The Politics of Inequality“.
    3. Christian Breunig ist Professor für Politikwissenschaft und Mitglied des Exzellenzclusters „The Politics of Inequality“.
    4. Maj-Britt Sterba ist Postdoktorandin am Exzellenzcluster „The Politics of Inequality“.
  • Weitere beteiligte Wissenschaftler*innen und Partnerinstitutionen:
    1. Helge Giese, Charité - Universitätsmedizin Berlin, Berlin, Germany
    2. Nathalie Brack, Université libre de Bruxelles, Brussels, Belgium
    3. Patrick Dumont & Marija Taflaga, Australian National University, Canberra, Australia
    4. Patrick Dumont & Javier Olivera, Luxembourg Institute of Socio-Economic Research (LISER), Belval Esch-sur-Alzette, Luxembourg
    5. Javier Olivera, Pontificia Universidad Catolica del Peru, Lima, Peru
    6. Lior Sheffer, Tel Aviv University, Tel Aviv, Israel
    7. Annika Werner, University of Southampton, Southampton, UK
    8. Anam Kuraishi, University of Sussex, Brighton, UK
  • Methodik: Für die Untersuchung wurden Angaben von 714 Abgeordneten und 18.281 Bürger*innen aus acht Ländern ausgewertet (Australien, Belgien, Deutschland, Israel, Luxemburg, den Niederlanden, Norwegen und Tschechien). Die Bevölkerungsstichproben waren hinsichtlich Alter, Geschlecht und Bildung für die jeweiligen Länder repräsentativ. Die Befragungen fanden im Rahmen des internationalen Forschungsprojekts „How Politicians Evaluate Public Opinion“ statt.
  • Der Exzellenzcluster „ The Politics of Inequality” an der Universität Konstanz erforscht aus interdisziplinärer Perspektive die politischen Ursachen und Folgen von Ungleichheit. Die Forschung widmet sich einigen der drängendsten Themen unserer Zeit: Zugang zu und Verteilung von (ökonomischen) Ressourcen, der weltweite Aufstieg von Populist*innen, Klimawandel und ungerecht verteilte Bildungschancen.
Kontakt:
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Kommunikation und Marketing

- uni.kn

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