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Wie kurz kann eine Erzählung sein?, PI Nr. 67/2026

Wie kurz kann eine Erzählung sein?, PI Nr. 67/2026
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Wie kurz kann eine Erzählung sein?

In der Kürze liegt die Würze. In der Wolfgang Iser Lecture 2026 steht Flash Fiction, die oft nur aus ein paar Sätzen besteht, im Mittelpunkt. Zur Veranstaltung an der Universität Konstanz am 9. Juli 2026 um 19.00 Uhr sind alle Interessierten herzlich eingeladen.

Die diesjährige Wolfgang Iser Lecture stellt eine Literaturform vor, die von ihrer extremen Kürze lebt: „Flash Fiction“. Merve Emre, Professor of Creative Writing and Criticism an der US-amerikanischen Wesleyan University, zeigt in ihrem Vortrag auf, welche Folgen diese Kürze auf Inhalt und Darstellungsweise von Flash Fiction hat. Der öffentliche Vortrag findet am 9. Juli 2026 um 19.00 Uhr in Raum A703 der Universität Konstanz statt.

„EINE DOPPELTE VERNEINUNG: An einem bestimmten Punkt ihres Lebens wird ihr klar, dass es ihr nicht so sehr darum geht, dass sie sich ein Kind wünscht, wie darum, dass sie sich nicht wünscht, kein Kind zu haben oder kein Kind gehabt zu haben." (aus: Lydia Davis, Samuel Johnson ist ungehalten)

Eine Literaturform in Miniatur

Dieses Beispiel, eine Ultrakurzgeschichte von Lydia Davis, ist typisch für die zeitgenössische, insbesondere US-amerikanische Form der „Flash Fiction“. Deren Geschichten bestehen häufig nur aus ein paar Worten oder einem Satz und sind selten länger als ein paar Seiten.

In solchem Miniaturismus, so argumentiert Merve Emre in der diesjährigen Wolfgang Iser Lecture, tritt die Grammatik in den Vordergrund und wird selbst zu einer Hauptfigur, sodass sie die literarische Figurenbildung verdrängt. Hier bedarf es eines „too close readings“ – es gilt, im kleinstmöglichen Maßstab zu lesen, um die überdisziplinierte und minimal individualisierte Form des Vergnügens zu würdigen, welche diese Texte hervorbringen.

Über die Wolfgang Iser Lecture

Der Anglist Wolfgang Iser (1926–2007) steht für die literaturwissenschaftliche Theorie der „Konstanzer Schule“ der Rezeptionsästhetik, die internationale Bedeutung erlangte. Mit der 2009 eingerichteten Wolfgang Iser Lecture, die einmal jährlich stattfindet, soll diese Tradition im Gedächtnis gehalten werden. Die jeweiligen Vorträge umreißen Literatur- und Kulturwissenschaft aus philosophischer, kulturwissenschaftlicher und anthropologischer Sicht.

Zu dem Vortrag in englischer Sprache „ Too Close Reading: On American Miniaturism “ („Lesen zu nah am Text: über amerikanischen Miniaturismus“) sind alle Interessierten herzlich eingeladen.

Kontakt:
Universität Konstanz
Kommunikation und Marketing
E-Mail: kum@uni-konstanz.de

- uni.kn

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