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Online-Glücksspiel: Maßnahmen zum Spielerschutz gehen noch nicht weit genug

Online-Glücksspiel: Maßnahmen zum Spielerschutz gehen noch nicht weit genug

Die Maßnahmen des Spielerschutzes beim Online-Glücksspiel sind noch immer nicht ausreichend. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Universität Bremen und des Instituts für interdisziplinäre Sucht- und Drogenforschung (ISD). Die Autoren geben Handlungsempfehlungen für die Politik.

In einer Literaturstudie haben die Wissenschaftler:innen des Instituts für interdisziplinäre Sucht- und Drogenforschung und der Arbeitseinheit Glücksspielforschung die Effekte von Maßnahmen des Spielerschutzes beim Online-Glücksspiel untersucht.

„Mit wachsender Popularität des Online-Glücksspiels drängt sich aus gesundheitswissenschaftlicher Perspektive die Frage auf, welche Maßnahmen des Spielerschutzes geeignet sind, um den mit diesen digitalen Angeboten assoziierten Suchtgefahren und glücksspielbedingten Schäden effektiv zu begegnen“, sagt Dr. Tobias Hayer von der Universität Bremen. „Die Ergebnisse der Literaturstudie besitzen eine hohe Praxisrelevanz. Beispielsweise zeigen sie, dass Spielersperren und finanzielle Limitierungssysteme wichtige Errungenschaften für einen modernen Spielerschutz sind. Solche effektiven Maßnahmen müssen weiter gestärkt werden.“

Insgesamt wurden 42 Fachpublikationen ausgewertet, die empirische Befunde zu den folgenden Spielerschutzmaßnahmen enthielten: Spielersperre, personalisiertes Feedback, Pre-Commitment (Limitierungssystem), Pop-up-Nachrichten, Responsible Gambling Tools (spielerschützende Maßnahmenpakete von Online-Glücksspielanbietern), Werberestriktionen, motivierende telefonische Interventionen und Selbsttests. Zu diesen Maßnahmen wurden aus der Literaturanalyse insgesamt acht Handlungsempfehlungen für die politischen Entscheidungsträger abgeleitet.

In einem „Policy Paper“ legten die Autor:innen der Studie Handlungsempfehlungen vor. Dies, so betonen sie, sei wichtig im Hinblick auf die Fortschreibung des Glücksspielstaatsvertrages der Bundesländer.

„Unter anderem empfehlen wir – basierend auf den Ergebnissen einer Studie aus Spanien –Werbebeschränkungen als einen vielversprechenden Ansatz für eine effektive Glücksspielsuchtprävention zu betrachten. Wir wünschen uns, dass die Politik solche Erkenntnisse berücksichtigt und auch in Deutschland Evaluationsstudien zu den Auswirkungen von Werberestriktionen im Glücksspielbereich durchgeführt werden“, so Dr. Jens Kalke vom ISD.

Die Literaturstudie wurde gefördert vom Bundesministerium für Gesundheit.

Weitere Informationen:

Der Forschungsbericht „Update 2025: Effekte von Maßnahmen des Spielerschutzes beim Online-Glücksspiel – Ein systematischer Review“ als Download: Link

Fragen beantworten:

Dr. Tobias Hayer:

Fachbereich 11: Human- und Gesundheitswissenschaften / Leiter der Arbeitseinheit Glücksspielforschung

Telefon: +49 421 218-68708

E-Mail: tobha@uni-bremen.de

Dr. Jens Kalke:

Institut für interdisziplinäre Sucht- und Drogenforschung (ISD, Hamburg)

Telefon: +49 176 567 33 497

E-Mail: j.kalke@isd-hamburg.de

Handlungsempfehlungen:

(1) Spielersperren: Grundsätzlich zählen Spielersperren zu den wichtigsten Errungenschaften des modernen Spielerschutzes. Entsprechend ist die Einrichtung eines zentralisierten Sperrsystems zu empfehlen, das alle Spielangebote mit mittlerem und hohem Suchtpotential umfasst (und damit auch alle Formen des Online-Glücksspiels).

(2) Personalisiertes Feedback: Personalisiertes Feedback sollte fester Bestandteil eines Gesamtkonzeptes zur Abwehr der mit Online-Glücksspielen einhergehenden Suchtgefahren sein. Um einem Goldstandard näher zu kommen, wird die praxisnahe Erprobung und Evaluierung unterschiedlicher Varianten des personalisierten Feedbacks empfohlen.

(3) Pre-Commitment: Limitierungssysteme sind grundsätzlich geeignet, um den mit Glücksspielen assoziierten Suchtgefahren effektiv entgegenzuwirken. Sie sollten sich vornehmlich auf finanzielle Parameter beziehen und verbindlich vorgegeben werden. Die konkrete Ausgestaltung der Limits ist auf theoretischen Überlegungen sowie weiteren Forschungsbefunden zu stützen und regelmäßig wissenschaftlich zu überprüfen.

(4) Pop-up-Nachrichten: Von Pop-up-Nachrichten können geringfügig positive Effekte erwartet werden. Derartige Interventionen sollten als ein effizient einzusetzendes verhaltenspräventives Element zu jedem Sozialkonzept für Online-Glücksspiele dazugehören.

(5) Responsible Gambling Tools (RGTs): Die wenigen empirischen Ergebnisse deuten zwar eine passable Akzeptanz bei der Zielgruppe an. Ob RGTs aber tatsächlich das Potential besitzen, nachhaltige Veränderungen des Spielverhaltens zu bewirken, lässt sich aufgrund der aktuellen Datenlage nicht abschließend beantworten. Es wird deshalb empfohlen, in Deutschland RGTs in der Praxis weiter zu testen und evaluieren zu lassen

(6) Werberestriktionen: Auch wenn bisher nur eine Primärstudie zu den Auswirkungen von Werberestriktionen auf das Glücksspielverhalten vorliegt, weisen ihre Ergebnisse darauf hin, dass hier ein vielversprechender Ansatz für eine effektive Glücksspielsuchtprävention vorhanden ist. Deshalb sollten weitere Pilotprojekte und Evaluationsstudien zu den Auswirkungen von Werberestriktionen im Glücksspielbereich durchgeführt werden.

(7) Motivierende telefonische Interventionen: Mit motivierenden telefonischen Interventionen sind geringfügige positive Effekte assoziiert. Sie sollten daher obligatorischer Bestandteil von Sozial- und Präventionskonzepten sein. Zur weiteren Optimierung ist es wünschenswert, dass ein solches Angebot im Hilfesystem gut verankert ist.

(8) Selbsttests: Die bisherigen Evaluationsergebnisse zeigen eine relativ gute Inanspruchnahme und Akzeptanz von Selbsttests unter (problematisch) Glücksspielenden. Inwiefern sie jedoch einen nachhaltigen Effekt auf das Spielverhalten haben, bleibt ungewiss. Selbsttests sollten dennoch fester Bestandteil von RGTs sein.

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