SEASTRONG: Uni Bremen und das ZMT koordinieren internationales Forschungsprojekt in drei Weltmeeren
SEASTRONG: Uni Bremen und das ZMT koordinieren internationales Forschungsprojekt in drei Weltmeeren
Wie Mangrovenwälder, Seegraswiesen und Korallenriffe einander stärken und gemeinsam widerstandsfähiger gegen die Folgen des Klimawandels werden können, untersucht das neue internationale Forschungsprojekt SEASTRONG. Die Koordination übernimmt Christian Wild von der Universität Bremen in Partnerschaft mit Sonia Bejarano vom Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT). SEASTRONG wird im EU-Programm Horizon Europe mit sechs Millionen Euro gefördert und bringt 15 internationale Partner aus neun Ländern zusammen.
„Mangrovenwälder, Seegraswiesen und Korallenriffe gehören zu den wertvollsten und zugleich am stärksten bedrohten Küstenökosystemen der Erde. Sie bieten Lebensraum für zahlreiche Arten, schützen Küsten vor Wellen und Erosion, speichern Kohlenstoff und tragen zur Lebensgrundlage vieler Menschen bei“, erläutert Meeresökologe Professor Christian Wild von der Uni Bremen. Wild zufolge werden diese Lebensräume bislang häufig getrennt erforscht, verwaltet und wiederhergestellt. In der Natur bildeten sie jedoch zusammenhängende Küstenökosysteme. Wasserbewegungen, Mikroorganismen, Fische, Seevögel und andere Lebewesen transportierten Nährstoffe, Kohlenstoff und Energie zwischen ihnen. Schäden an einem Ökosystem könnten daher auch die Funktionsfähigkeit und Widerstandskraft der anderen beeinträchtigen.
Wild koordiniert das Projekt gemeinsam mit der Riffökologin Dr. Sonia Bejarano vom Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT) in Bremen. Nach Einschätzung von Wild stärke die gemeinsame Koordination auch die interdisziplinäre Meeresforschung am Standort Bremen. „SEASTRONG und Leibniz Zentrum für Marine Tropenforschung bündeln ihre Expertise innerhalb der U Bremen Research Alliance und übernehmen gemeinsam Verantwortung für ein internationales Konsortium am Standort Bremen“, sagt Christian Wild. An dem Projekt SEASTRONG, „Stronger Together: The Role of Connectivity in Safeguarding Functioning Coastal Ecosystems under Global Change“, sind insgesamt 15 Partnerorganisationen aus neun Ländern beteiligt.
Forschung in drei Weltmeeren
SEASTRONG forscht an Standorten, an denen Mangrovenwälder, Seegraswiesen und Korallenriffe gemeinsam vorkommen: in Belize in der Karibik, auf den Seychellen im Indischen Ozean und in Fidschi im Südpazifik. Das Projekt wurde von Beginn an gemeinsam mit sechs zentralen Partnern in diesen tropischen Ländern entwickelt. Sie übernehmen auch während der Laufzeit wichtige Aufgaben bei der Umsetzung.
Ein Schwerpunkt des Projekts ist die Wiederherstellung von Mangroven, Seegraswiesen und Korallenriffen. Bestehende Maßnahmen in den drei Untersuchungsregionen werden erfasst und bewertet. In Belize entstehen zudem gemeinsam mit lokalen Organisationen neue experimentelle Wiederherstellungsflächen.
Die Universität Bremen leitet Forschungsarbeiten dazu, welche Ansätze die Erholung der Ökosysteme besonders wirksam unterstützen. „Wir untersuchen Wachstum, strukturelle Entwicklung, ökologische Funktion und Temperaturtoleranz ausgewählter Mangroven, Seegräser und Korallen“, sagt Christian Wild. „Laborexperimente und Modelle sollen Hinweise darauf liefern, welche Ansätze auch bei häufigeren und intensiveren marinen Hitzewellen erfolgversprechend bleiben könnten.“
Lokales Wissen einbeziehen
SEASTRONG betrachtet Küstenökosysteme nicht getrennt von den Menschen, die mit ihnen leben und von ihnen abhängig sind. Sozialwissenschaftlich arbeitende Mitglieder des Konsortiums untersuchen, wie lokale Gemeinschaften Mangrovenwälder, Seegraswiesen und Korallenriffe nutzen, bewerten und verwalten.
Die Partner in den tropischen Untersuchungsregionen gestalten den Austausch mit Gemeinden, indigenen Bevölkerungsgruppen und lokalen Gemeinschaften, Umweltbehörden, Schutzgebietsverwaltungen, Fachleuten für Wiederherstellung und weiteren Beteiligten. Dabei werden lokale Prioritäten, traditionelles und lokales Wissen sowie Verwaltungsstrukturen einbezogen.
Sonia Bejarano vom ZMT zufolge will SEASTRONG ein Modell für faire internationale Zusammenarbeit sein. „Wir verbinden wissenschaftliches und traditionelles Wissen, um tropische Küstenökosysteme in Belize, Fidschi und auf den Seychellen besser zu schützen und wiederherzustellen“, sagt Sonia Bejarano.
Ergebnisse für die Praxis
Im Projekt sollen frei zugängliche Werkzeuge und Ressourcen entstehen. Dazu gehören nach Angaben des Konsortiums unter anderem interaktive Karten zu Biodiversität, Vernetzung, Ökosystemfunktionen und Klimaresilienz, außerdem offene ökologische und hydrodynamische Modelle, Leitlinien fürs Monitoring, experimentelle Wiederherstellungsflächen sowie regionale Empfehlungen für klimabewussten Naturschutz und geeignete Finanzierungswege.
„Diese Ergebnisse können Behörden, Gemeinden, Naturschutzorganisationen und Fachleute für Wiederherstellung dabei helfen, begrenzte Ressourcen möglichst wirksam einzusetzen“, sagt Sonia Bejarano. Das Projekt läuft viereinhalb Jahre. Die Europäische Union fördert SEASTRONG im Rahmen des Programms Horizon Europe mit sechs Millionen Euro.
Über Horizon Europe
Horizon Europe ist das zentrale Förderprogramm der Europäischen Union für Forschung und Innovation. Es unterstützt internationale Zusammenarbeit und fördert Projekte, die wissenschaftliche Erkenntnisse für gesellschaftliche Herausforderungen nutzbar machen, etwa in den Bereichen Klimawandel und nachhaltige Entwicklung.
Weitere Informationen
https://www.uni-bremen.de/marine-ecology
Fragen beantworten
Prof. Dr. Christian Wild
Universität Bremen
E-Mail: christian.wild@uni-bremen.de
Tel.: +49 421 218 63367
Dr. Sonia Bejarano
Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT)
Tel.: +49 (0)421 23800-51
E-Mail: sonia.bejarano@leibniz-zmt.de
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