POL-HA: Hagener Polizei stellt Unfallstatistik vor: Anstieg bei E-Scooter-Unfällen - ein Kind unter den Verkehrstoten - deutlich mehr verunglückte Radfahrer
Hagen (ots)
Am 11.03.2026 stellten Polizeipräsidentin Ursula Tomahogh und der Leiter der Direktion Verkehr, Polizeioberrat Stefan Boese, die Hagener Verkehrsunfallbilanz für das Jahr 2025 vor. Die Bilanz zeigt ein differenziertes Bild: Während die Zahl der Verkehrstoten auf vier sank, stieg die Gesamtzahl der Verkehrsunfälle leicht an. Besondere Aufmerksamkeit verdienen der Anstieg der E-Scooter-Unfälle, die gestiegene Zahl verunglückter Radfahrer und Kinder sowie die Entwicklung der Fahrten unter Drogeneinfluss.
Gesamtlage und Einordnung im Landesvergleich
Im Jahr 2025 registrierte die Polizei Hagen insgesamt 8.033 Verkehrsunfälle im Stadtgebiet - ein leichter Anstieg von 98 Unfällen gegenüber dem Vorjahr (7.935). Bei der weit überwiegenden Mehrheit handelte es sich um reine Sachschadensunfälle. Die Zahl der Verunglückten stieg um 38 auf insgesamt 713 Personen (Vorjahr: 675). Von ihnen wurden 649 leicht verletzt (Vorjahr: 617) und 60 schwer verletzt (Vorjahr: 53). Vier Personen kamen ums Leben (Vorjahr: fünf). Im nordrhein-westfälischen Landesvergleich belegt Hagen bei der Verunglücktenhäufigkeitszahl (VHZ) Rang 13 von 47 Kreispolizeibehörden. Die VHZ, die die Zahl der Verunglückten ins Verhältnis zur Einwohnerzahl setzt, liegt für Hagen bei 373. Damit bewegt sich Hagen im vorderen Drittel. Bei der Unfallhäufigkeitszahl (UHZ), die die Verkehrsunfälle mit Personenschaden pro 100.000 Einwohner abbildet, steht Hagen auf Rang 9 mit einem Wert von 295.
"Die Wahrscheinlichkeit, in unserer Stadt bei einem Verkehrsunfall zu verunglücken, ist vergleichsweise niedrig. Das ist das Ergebnis der engagierten Arbeit unserer Beamtinnen und Beamten in Prävention und Überwachung. Zugleich nehmen wir den Anstieg der Verunglücktenzahlen sehr ernst. Jeder Verkehrsunfall, bei dem Menschen zu Schaden kommen, ist einer zu viel", ordnet Polizeipräsidentin Ursula Tomahogh die Zahlen ein.
Vier Verkehrstote - ein Kind unter den Opfern
Im Jahr 2025 verloren vier Menschen bei Verkehrsunfällen im Hagener Stadtgebiet ihr Leben - eine Person weniger als im Vorjahr. Unter den tödlich Verunglückten befand sich tragischerweise ein fünfjähriges Kind. Die Unfälle hatten unterschiedliche Ursachen und ereigneten sich an verschiedenen Örtlichkeiten:
Am 24. Januar verlor ein 25-jähriger Wittener auf dem Volmeabstieg bei einem Überholvorgang die Kontrolle über sein Fahrzeug und stieß frontal mit einem entgegenkommenden Pkw zusammen. Der junge Mann verstarb noch an der Unfallstelle. Am 26. Juni zog sich ein 78-jähriger Patient in einem Krankentransportwagen bei einem starken Bremsmanöver auf der Hochstraße Verletzungen zu. Der Senior verstarb einige Zeit später in einem Krankenhaus - eine Obduktion ergab, dass neben einer Vorerkrankung auch die Unfallfolgen ursächlich waren. Am 30. Juni kam es auf der Dahler Straße zu dem wohl tragischsten Unfall des Jahres: Bei einem Frontalzusammenstoß zweier Fahrzeuge erlitt ein fünfjähriger Junge lebensbedrohliche Verletzungen und verstarb trotz sofortiger Reanimation noch an der Unfallstelle. Am 18. September verlor ein 20-Jähriger auf der Grundschötteler Straße in Haspe die Kontrolle über seinen Pkw, prallte gegen eine Laterne und eine Steinmauer und verstarb an der Unfallstelle. Zwei Mitfahrerinnen wurden schwer verletzt.
"Hinter jeder Zahl in unserer Statistik steht ein Mensch, der nicht mehr zu seiner Familie zurückgekehrt ist. Dass unter den Verkehrstoten des vergangenen Jahres auch ein fünfjähriges Kind ist, hat uns in der Direktion Verkehr besonders betroffen gemacht. Zwischen den Unfällen lassen sich keine Gemeinsamkeiten feststellen - die Unfallörtlichkeiten und Ursachen sind gänzlich unterschiedlich. Umso wichtiger ist eine umfassende Verkehrssicherheitsarbeit, die alle Bereiche abdeckt", sagt Stefan Boese, Leiter der Direktion Verkehr.
Radfahrer, Pedelecs und E-Scooter: Gemischtes Bild bei alternativer Mobilität
Die Nutzung von Fahrrädern, Pedelecs und E-Scootern bleibt in Hagen beliebt. Bei den Unfallzahlen zeigen sich jedoch gegenläufige Entwicklungen. Die Zahl der verunglückten Radfahrer stieg deutlich von 45 auf 62 - ein Anstieg um 38 Prozent. Bei den Pedelec-Fahrern ging die Zahl dagegen leicht von 32 auf 30 zurück. Insgesamt machten Radfahrer neun Prozent und Pedelec-Fahrer vier Prozent aller Verkehrsbeteiligungen bei Unfällen mit Personenschaden aus. Bei den Elektrokleinstfahrzeugen ist ein Anstieg der Unfallzahlen zu verzeichnen: Die Zahl der verunglückten E-Scooter-Fahrer stieg von 15 auf 33. Drei Personen wurden schwer und 30 leicht verletzt. Erfreulicherweise wurde im Jahr 2025 kein E-Scooter-Fahrer getötet, nachdem im Vorjahr noch ein tödlicher Unfall zu beklagen war. Die Zahlen bewegen sich insgesamt weiterhin auf einem niedrigen absoluten Niveau, zeigen aber einen klaren Aufwärtstrend: Im Jahr 2023 waren es noch sechs Unfälle mit Verletzten. Insgesamt machten Elektrokleinstfahrzeuge im Jahr 2025 fünf Prozent aller Verkehrsbeteiligungen bei Unfällen mit Personenschaden aus.
"Der Anstieg verunglückter Radfahrer und E-Scooter-Fahrer zeigt, dass wir die Entwicklungen in diesem Bereich aufmerksam beobachten müssen. Auch wenn die absoluten Zahlen bei den E-Scootern noch vergleichsweise gering sind, nehmen wir den Trend ernst. E-Scooter sind keine Spielzeuge, sondern Fahrzeuge, die an die Regeln der Straßenverkehrsordnung gebunden sind. Wer betrunken oder unter Drogeneinfluss einen E-Scooter führt, begeht eine Straftat und riskiert den Führerschein. Wir werden mit gezielten Kontrollen und Aufklärungsarbeit gegensteuern", sagt Daniel Populoh, Leiter der Führungsstelle Verkehr.
Deutlich mehr verunglückte Kinder - Prävention wird intensiviert
Die Zahl der im Straßenverkehr verunglückten Kinder ist im Jahr 2025 von 61 auf 75 deutlich angestiegen. Ein Kind kam bei einem Verkehrsunfall ums Leben, zwei Kinder wurden schwer und 72 leicht verletzt. Von den 75 verunglückten Kindern waren 28 als Fußgänger unterwegs, 29 waren Mitfahrer in Kraftfahrzeugen, sieben waren mit dem Fahrrad und elf auf andere Weise unterwegs. Acht Unfälle ereigneten sich auf dem Schulweg. Im Mehrjahresvergleich ist dies eine negative Entwicklung: Im Jahr 2022 verunglückten 56 Kinder, 2023 waren es ebenfalls 56, 2024 dann 61 und 75 im Jahr 2025. Die Polizei Hagen nimmt diese Entwicklung zum Anlass, ihre Präventionsarbeit für Kinder gezielt auszubauen. Die Radfahrausbildung, die Verkehrspuppenbühne und die Schulwegtrainings mit Eltern sind dabei wichtige Bausteine. Polizeioberrat Boese appelliert zugleich an alle Autofahrerinnen und Autofahrer, Rücksicht zu nehmen - besonders in Wohngebieten und rund um Schulen.
Anstieg bei Fahrten unter Drogeneinfluss - weniger Alkoholfahrten
Bei den Fahrten unter dem Einfluss berauschender Mittel zeigt sich eine bemerkenswerte Verschiebung: Die Gesamtzahl der festgestellten "Drogenfahrten" ist von 322 auf 492 angestiegen. Davon entfielen 180 Fahrten auf den Einfluss unter Cannabiswirkstoffen (Vorjahr: 176). Der weit überwiegende Anteil dieser Fahrten betrifft somit andere Substanzen. Gleichzeitig ging die Zahl der festgestellten Alkoholfahrten deutlich von 147 auf 98 zurück - ein Rückgang um ein Drittel. Bei schwerwiegenden Verkehrsunfällen war Alkohol in 31 Fällen (Vorjahr: 29) und Drogen in 11 Fällen (Vorjahr: 11) die Hauptunfallursache. Den Anstieg der festgestellten Fahrten unter Drogeneinfluss führt die Polizei Hagen auch auf die konsequente und gezielte Überwachungstätigkeit ihrer Beamtinnen und Beamten zurück. Geschulte Polizistinnen und Polizisten achten im Rahmen von Verkehrskontrollen gezielt auf Auffälligkeiten.
Verbotene Kraftfahrzeugrennen: 23 Fälle auf Hagener Stadtgebiet
Die Zahl der verbotenen Kraftfahrzeugrennen nach § 315d StGB ist im Jahr 2025 von 14 auf 23 Fälle angestiegen. Davon waren zehn sogenannte Einzelrennen, neun Fälle resultierten aus Verfolgungsfahrten mit der Polizei nach polizeilichen Kontrollversuchen, und in vier Fällen waren zwei oder mehr Fahrzeuge an einem Rennen beteiligt. Im Vergleich: Im Vorjahr wurden sechs Einzelrennen, sieben Verfolgungsfahrten und ein Rennen mit mehreren Fahrzeugen registriert. Die Polizei Hagen geht mit aller Konsequenz gegen Raser vor und schöpft die rechtlichen Möglichkeiten voll aus. Die Sicherstellung von Fahrzeugen, Führerscheinen und Mobiltelefonen gehört zu den Standardmaßnahmen. In Hagen existiert keine Raser-Szene.
Motorradunfälle: Mehr Verunglückte, aber kein Todesfall
Die Zahl der verunglückten Motorradfahrer (Kraft- und Leichtkrafträder) stieg im Jahr 2025 von 36 auf 44 an. Elf Motorradfahrer wurden schwer verletzt (Vorjahr: vier), 33 leicht (Vorjahr: 31). Erfreulicherweise kam im Berichtsjahr kein Motorradfahrer ums Leben - im Vorjahr war ein Todesfall zu beklagen. Der Anteil der Verkehrsbeteiligung "Motorrad" an den Unfällen mit Personenschaden lag 2025 bei sieben Prozent.
Unfallfluchten: Aufklärungsquote bei Personenschaden auf Sechsjahreshoch
Die Zahl der Verkehrsunfallfluchten mit Sachschaden blieb mit 1.752 Fällen nahezu konstant (Vorjahr: 1.762). Die Aufklärungsquote lag kaum verändert bei 42 Prozent. Bei den Unfallfluchten mit Personenschaden erreichte die Polizei Hagen eine Aufklärungsquote von 76 Prozent - der höchste Wert seit 2020. Das unerlaubte Entfernen vom Unfallort ist eine Straftat. Polizeipräsidentin Tomahogh appelliert an alle Bürgerinnen und Bürger, die Polizei zu informieren, sollten sie eine Unfallflucht beobachten - jeder Hinweis könne entscheidend sein.
Hauptunfallursachen: Mangelnder Abstand und Abbiegefehler dominieren
Bei den schwerwiegenden Verkehrsunfällen war mangelnder Abstand mit 151 Fällen die mit Abstand häufigste Unfallursache (Vorjahr: 89). Auf Platz zwei folgten Fehler beim Abbiegen, Wenden oder Rückwärtsfahren mit 131 Fällen (Vorjahr: 119). Auf den weiteren Rängen stehen falsches Verhalten gegenüber Fußgängern (38), Missachtung der Vorfahrt (33), Alkoholeinfluss (31) und nicht angepasste Geschwindigkeit (27).
Verkehrssicherheitsarbeit: Konsequente Überwachung und innovative Prävention
Die Polizei Hagen setzte auch im Jahr 2025 auf eine enge Verzahnung von Prävention und konsequenter Verkehrsüberwachung. Im Bereich der Prävention setzt die Polizei Hagen auf zielgruppenorientierte Angebote: Für Kinder stehen Radfahrausbildung und -training, die Aktion "Schule hat begonnen", die Verkehrspuppenbühne und gemeinsame Schulwegtrainings mit Eltern auf dem Programm. Für Senioren bietet die Polizei Hagen unter anderem Aktionstage mit VR-Brillen an, die Gefahrensituationen im Straßenverkehr realitätsnah simulieren. Darüber hinaus informiert die Polizei Hagen auf Märkten und anderen öffentlichen Veranstaltungen über Verkehrssicherheit und führt Aktionen wie "Toter Winkel" und "Crash Kurs NRW" durch.
"Unsere Verkehrssicherheitsarbeit lebt davon, dass wir sie an aktuelle Entwicklungen anpassen. Der sprunghafte Anstieg der E-Scooter-Unfälle und der Drogenfahrten wird sich unmittelbar in unserer Schwerpunktsetzung für 2026 niederschlagen. Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse unserer Präventionsarbeit, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Die vielen positiven Rückmeldungen der Bürgerinnen und Bürger bestärken uns darin, diesen Weg konsequent weiterzugehen. Unser Ziel ist und bleibt: Alle Hagenerinnen und Hagener sollen sicher ans Ziel kommen", fasst Polizeioberrat Stefan Boese zusammen. (hir)
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