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Neue OZ: Kommentar zu Afghanistan

    Osnabrück (ots) - Lebenslüge

    Verteidigungsminister zu Guttenberg spricht an Ostern 2010 erstmals von Krieg in Afghanistan. Das ist in doppelter Hinsicht bitter. Zum einen wird damit das seit Jahren von deutschen Politikern unverantwortliche Schönreden der Realität am Hindukusch belegt. Hier wurde die Öffentlichkeit von der Kanzlerin getäuscht. Zum anderen macht das Wort Krieg deutlich, dass der ISAF-Mission fast neun Jahre nach dem Sturz der Taliban die Niederlage droht.

    Denn ein Drittel des Landes steht längst wieder unter Kontrolle der Extremisten. So beginnt nur fünf Kilometer vom deutschen Lager in Kundus entfernt Taliban-Gebiet. Hier rächt sich, dass der auch für die Sicherheit Europas wichtige Einsatz viel zu lange falsch umgesetzt wurde. Die Lebenslüge vom schnellen Einsatz und billigen Frieden führte zu einem riesigen Mangel an Aufbaumitteln, Kampftruppen und Ausbildungseinheiten für afghanische Sicherheitskräfte.

    Jetzt steht die ISAF vor dem Dilemma, quasi in voller Fahrt und unter Beschuss aus einem Geländewagen einen Panzer zimmern zu müssen. Während die USA mit einer drastischen Truppenaufstockung versuchen, ab diesem Sommer doch noch eine Wende herbeizuführen, wird die viel zu kleine Bundeswehreinheit in Kundus weiterhin keine Chance haben. Berlin schickt nicht einmal einen Kampfhubschrauber oder ein Geschütz an die Front - dafür den TÜV zur Abgasuntersuchung.

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