Gesellschaft für bedrohte Völker e.V. (GfbV)
Scharfe Kritik am BAMF: Forderung nach Abschiebestopp für Alawiten und andere syrische Minderheiten!
Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) wirft dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) vor, Beweise zur Verfolgung der alawitischen Minderheit in Syrien zu ignorieren, und kritisiert einen entsprechenden Bericht vom Januar 2026 scharf. Die Menschenrechtsorganisation fordert einen bundesweiten Abschiebestopp für Alawiten, Drusen, Kurden und andere syrische Minderheiten.
„Den Versicherungen des islamistischen Regimes Gaube zu schenken, es würde die Rechte der Minderheiten schützen, obwohl es sowohl die Alawiten als auch die Drusen und Kurden gezielt angreift, ist mehr als unverständlich. Es ist eine bewusste Ausblendung der Fakten. Es darf nicht sein, dass Menschen, die in Deutschland Schutz suchen, Angst haben müssen, in ein Land abgeschoben zu werden, in dem sie verfolgt werden“, sagt Dr. Kamal Sido, GfbV-Nahostreferent.
Der Bericht des BAMF bezeichnet das islamistische Regime in Damaskus weiterhin als „grundsätzlich moderat“ und enthält ein Kapitel unter dem Titel „Syrien: Derzeit keine Gruppenverfolgung von Alawiten“, das zwei entsprechende Gerichtsurteile zusammenfasst. Sowohl das BAMF selbst als auch die im Bericht genannten Gerichtsurteile stellen eine Verbindung zwischen den Angriffen auf Alawiten und einer angeblichen Unterstützung des Assad-Regimes her. Laut dem zitierten Urteil des VG Köln gebe es im Fall eines alawitischen Syrers keine ausreichenden Anhaltspunkte für eine Gruppenverfolgung von Alawiten und keine begründete Furcht vor Verfolgung, da der Mann „keine Verbindungen zur Assad-Regierung habe“. Auch das BAMF spricht von „Militäroperationen gegen ehemalige Mitglieder der Assad-Regierung“, die der „Ursprung“ für die Massaker an der Zivilbevölkerung gewesen seien.
„Die Angriffe im März 2025 waren der Versuch eines Völkermords an den Alawiten. Bei den Massakern wurde zur Auslöschung der Minderheit aufgerufen. Zivilisten, Frauen und Kinder wurden öffentlich hingerichtet. Die gesamte alawitische Gemeinschaft wurde und wird von den neuen Machthabern unter Generalverdacht gestellt, Assad unterstützt zu haben. Dies wird als Vorwand für die andauernden Angriffe genutzt. Ausschlaggebend ist jedoch, dass sie Alawiten sind. Die Gräueltaten und Gewaltaufrufe sind auf unzähligen Videos dokumentiert. Diese Tatsachen werden im Bericht des BAMF nicht genannt“, kritisiert der Nahostreferent Sido. „Es ist ein Skandal, dass die Propaganda des islamistischen Regimes in Deutschland blind übernommen wird und die Beweise für die gezielte Verfolgung der Alawiten ignoriert werden. Die Verharmlosung des neuen Regimes in Damaskus ist blanker Hohn für syrische Minderheiten, die in täglicher Angst vor Angriffen leben.“
„Mitte April 2025 habe ich unbemerkt von den islamistischen Machthabern in Damaskus das alawitische Gebiet Syriens besucht und mit eigenen Augen die Spuren der Angriffe gesehen. Alawiten, die die Angriffe überlebt hatten, berichteten mir, dass Menschen aus ihren Häusern gezogen und erschossen wurden. Sie hörten, wie die Islamisten aus ihren Fahrzeugen riefen, dass es ihr Ziel sei, ‚Alawiten abzuschlachten‘. Sie berichteten, dass ganze Familien ausgelöscht und viele alawitische Frauen verschleppt und vergewaltigt wurden. Die Angst der Menschen vor weiteren Angriffen war greifbar. Dort, wie überall in Syrien, sind die Alawiten faktisch vogelfrei“, so der Menschenrechtler.
Die GfbV kritisiert auch, dass sich das BAMF bei den Angaben zur Zahl der alawitischen Opfer auf eine „Untersuchungskommission“ der islamistischen Machthaber beruft Diese spricht von 1.426 Opfern. „Diese Untersuchung war nicht unabhängig, sondern wurde vom Regime in Damaskus durchgeführt. Aktuell ist es aufgrund der unsicheren Lage vor Ort nicht möglich, eine genaue Zahl zu ermitteln, doch die Beweise, die uns vorliegen, lassen auf eine deutlich höhere Opferzahl schließen“, sagt Sido. Die GfbV und andere Quellen schätzen, dass etwa 30.000 bis 60.000 Alawiten getötet, verletzt, gefangen genommen oder vertrieben wurden. Die Annahme, dass das islamitische Regime in Damaskus diesbezüglich eine verlässliche Quelle sei, sei fatal.
„Deutschland und andere NATO-Staaten, vor allem die Türkei, haben den Islamisten in Syrien zur Macht verholfen, indem sie zahlreiche Milizen mit Geld und Waffen unterstützt haben. Daher tragen sie die Verantwortung für den Schutz der alawitischen Bevölkerung. Deutschland ist zumindest moralisch verpflichtet, jeden alawitischen Flüchtling, der in Deutschland Asyl und Schutz sucht, aufzunehmen. Selbst in Deutschland verstecken viele Alawiten ihre Identität, um hier leben zu können. Wenn sie selbst hier vor den Feindseligkeiten der syrischen Islamisten keine Ruhe haben, wie sollen sie dann in Syrien in Frieden und Würde leben?“, so Sido.
Sie erreichen Dr. Kamal Sido unter k.sido@gfbv.de oder 0173/6733980.
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