Gesellschaft für bedrohte Völker e.V. (GfbV)
Trauer um Rita Süssmuth: Menschenrechtler würdigen ihren Einsatz für die Opfer des Völkermords in Bosnien
Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) würdigt den außergewöhnlichen Einsatz der ehemaligen Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth für die Opfer des Krieges und des Genozids in Bosnien und Herzegowina. „Mit Rita Süssmuth verliert Deutschland eine große Kämpferin für die Menschenrechte. Sie gehört zu jenen politischen Persönlichkeiten, die in den 1990er-Jahren nicht schwiegen, als in Bosnien und Herzegowina systematische Gewalt, ethnische Säuberungen und Völkermord begangen wurden. In einer Zeit, in der Wegsehen und politische Zurückhaltung dominierten, stellte sie sich öffentlich an die Seite der Opfer, benannte das Unrecht klar und unterstützte zivilgesellschaftliche Initiativen, die Gerechtigkeit, Schutz und internationale Verantwortung einforderten“, sagt Belma Zulčić, Direktorin der GfbV-Sektion in Sarajevo.
Als Präsidentin des Deutschen Bundestages gehörte Rita Süssmuth zu den prominenten Unterstützern der Gesellschaft für bedrohte Völker. „Rita Süssmuth kam auf unsere Menschenrechtsorganisation zu, weil sie sich für die Opfer des Krieges in Bosnien einsetzen wollte. Sie unterstützte unsere Kampagnen, Mahnwachen und Proteste gegen den Völkermord und die Kriegsverbrechen in Bosnien und Herzegowina. Für ihren unermüdlichen Einsatz für Menschenrechte sind wir ihr zu großem Dank verpflichtet“, sagt Zulčić.
Rita Süssmuths Einsatz war geprägt von einer tiefen Überzeugung, dass Menschenrechte universell sind und nicht an Staatsgrenzen, ethnischen Kategorien oder geopolitischen Interessen enden dürfen. „Für viele Überlebende aus Bosnien und Herzegowina bedeutete ihre Stimme Anerkennung, Würde und das Gefühl, nicht vergessen zu sein. Sie hat dazu beigetragen, dass die Verbrechen in Bosnien und Herzegowina klar benannt wurden – als Mahnung und als Auftrag für die Zukunft“, so Zulčić.
Rita Süssmuth unterstützte das von der GfbV 1994 ins Leben gerufene Europäische Forum für Bosnien und Herzegowina, das über 100 Verbände und Organisationen bosnischer Flüchtlinge und Vertriebener aus mehreren europäischen Ländern verband. Im April 1994 sprach sie auf der GfbV-Kundgebung „Lasst Bosnien leben!“ in Bonn, die mit etwa 30.000 Teilnehmern als Schlüsselmoment der deutschen zivilgesellschaftlichen Mobilisierung für Bosnien und Herzegowina gilt. Im Juli 1995, unmittelbar nach Beginn der Belagerung von Srebrenica, appellierte sie in einer Rede im Bundestag: „Was sich in Bosnien und Herzegowina vollzieht, ist keine Folge unkontrollierter Gewalt, sondern Ausdruck gezielter Vertreibung und der systematischen Zerstörung einer Bevölkerungsgruppe. Wer hier weiter zögert, macht sich mitschuldig.“ Ohne Zögern übernahm sie im September 1995 zusammen mit Simon Wiesenthal und Haris Silajdzic, damaliger Außenminister von Bosnien und Herzegowina, die Schirmherrschaft für den GfbV-Weltkongress zum Genozid in Bonn, der die ersten konkreten Hinweise zum Ausmaß des Völkermords in Srebrenica lieferte. Bis zuletzt setzte sich Süssmuth an der Seite der GfbV für die Rechte Indigener Völker ein.
Sie erreichen Belma Zulčić unter gfbv_sa@bih.net.ba oder (+387) 61 220 883 oder (+387) 33 213 707.
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