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Gesellschaft für bedrohte Völker e.V. (GfbV)

Stellvertreterkrieg in Libyen: Türkei und Katar gegen Saudi-Arabien und Ägypten

Stellvertreterkrieg in Libyen:

  • Syrische Geflüchtete werden in der Türkei trainiert und bewaffnet
  • Sie kämpfen im Dienste des türkischen Staates in Libyen
  • 4.755 von ihnen sind bereits dort, etwa 1.200 weitere in Trainingscamps in der Türkei

Das nordafrikanische Libyen entwickelt sich zu einem der wichtigsten Kriegsschauplätze im Nahen Osten. Dabei wird die Not syrischer Geflüchteter missbraucht: "Unter ihnen wirbt Erdogan junge Männer an, die für ihn im libyschen Bürgerkrieg kämpfen sollen", erklärt Dr. Kamal Sido, Nahostexperte der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV). "Menschen, die in der Türkei Zuflucht gefunden haben, werden trainiert und bewaffnet. Dann werden sie in Söldnermilizen im Dienste des türkischen Staates nach Libyen gebracht."

Nach einem Gespräch mit Rami Abdulrahman, dem Leiter der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte in Großbritannien, berichtet Sido: "Etwa 6.000 Menschen aus Syrien hat die Türkei für diesen Krieg bereits mobilisiert. Davon kämpfen derzeit 4.755 in Libyen in Erdogans Auftrag, 129 sollen dort für ihn gestorben sein." Mindestens 200 hätten sich über das Mittelmeer nach Italien abgesetzt, um in nördliche EU-Länder weiterzureisen. Der Rest befinde sich in Trainingscamps in der Türkei.

GfbV-Quellen aus dem syrisch-kurdischen Afrin bestätigen, dass die Türkei auch dort für den Krieg in Libyen anheuert. "Der arabisch-sunnitischen Bevölkerung, die sich nach der Vertreibung der kurdischen Bewohner in Afrin angesiedelt hat, wird bis zu 2.000 US-Dollar pro Monat für den Kampf in Libyen geboten", berichtet Sido. "Für die Finanzierung soll das Golfemirat Katar sorgen. Katar und die Türkei sind sowohl im syrischen als auch im libyschen Krieg Verbündete." Die beiden Staaten konkurrierten mit Saudi-Arabien und Ägypten. Während erstere radikalislamistische Strömungen unterstützten, seien letztere für arabische-nationalistische und laizistische Fraktionen aktiv.

Die aus Syrien stammenden Milizen seien in Libyen nicht ortskundig. Daher würden sie unter anderem von der Misrata-Miliz begleitet. Diese bekämpften den libyschen General Haftar, der den Osten des Landes kontrolliert. "Die Misrata-Miliz ist verantwortlich für die Vertreibung von 48.000 dunkelhäutigen Bewohnern der libyschen Stadt Tawergha. Diese werden verdächtigt, den libyschen Ex-Diktator Muammar Al-Gaddafi unterstützt zu haben", erklärt der Nahostexperte. "Die Milizen haben Tawergha vollständig zerstört und verwalten sie seit Gaddafis Sturz." Entgegen einer Versöhnungsvereinbarung zwischen Misrata und Tawergha über die Rückkehr aller Vertriebenen durften nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration bis Dezember nur etwa 100 von ihnen nach Tawergha zurückkehren.

Sie erreichen Kamal Sido im Homeoffice unter ksido@gmx.de oder 01736733980.

Gesellschaft für bedrohte Völker
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