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Die Fußball-WM: Perfekt für den Matheunterricht

Die Fußball-WM: Perfekt für den Matheunterricht
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Am 11. Juni ist es endlich so weit. Die Fußballweltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko startet offiziell. Bis zum 19. Juli befindet sich die Welt im kollektiven Rausch rund um das runde Leder. Zum ersten Mal nehmen stolze 48 Nationen (statt bisher 32) am Wettbewerb um den goldenen Pokal teil. Satte 104 Spiele werden ausgetragen. Auch wenn die Anstoßzeiten aufgrund der enormen Zeitverschiebung aus deutscher Sicht nicht immer optimal sein mögen, werden doch auch in diesem Jahr wieder hohe Zuschauerzahlen zu erwarten sein, vor den Fernsehern als auch durch gemeinsames Public Viewing in Kneipen und auf Marktplätzen. Für viele junge Heranwachsende wird es das erste große Turnier dieser Art sein, welches sie bewusst wahrnehmen.

Doch wie ist es um den pädagogischen Mehrwert einer solchen Großveranstaltung bestellt?

Bietet sie gar bildungsrelevante Inhalte, die im Schulunterricht aufgegriffen werden können?

Dazu habe ich -für mich untypisch, aber gut und gerne zur Verbreitung geeignet- ein Interview mit dem Autor und Pädagogen Felix Walk, bekannt aufgrund der Kinderbuchreihe rund um „Die kleine Eins“, die deutschlandweit in Schulen und Kindertageseinrichtungen in der mathematischen Frühförderung eingesetzt wird, geführt.

Redaktion: Lieber Herr Walk, Sie behaupten, in der nun anstehenden Fußballweltmeisterschaft gäbe es unglaublich viel Mathematik zu entdecken. Die wichtigste Frage vorab. Sind Sie ein großer Fußballfan?

Walk: Kein ausgewiesener Experte. Aber bei den Spielen der Fußballnationalmannschaft fiebere ich natürlich immer mit.

Redaktion: Sind Sie selbst aktiver Fußballer?

Walk: Nein. Bis zu meinen frühen 20ern habe ich auf unterer Kreisebene gespielt. Meist in der zweiten Mannschaft. Das war für mich ausreichend und entsprach meinen eher bescheidenen Fähigkeiten (grinst). Eine Meniskusverletzung hat mich dann endgültig ausgebremst.

Redaktion: Auf welcher Position haben Sie gespielt?

Walk: Ich stand im Tor.

Redaktion: Braucht man auf dieser Position ein gutes mathematisches Verständnis?

Walk: Das würde ich so nicht unterschreiben (lacht). Sofern in diesem Zusammenhangüberhaupt eine Zahl eine besondere Rolle spielt, dann ist es wohl die Null (null Gegentore, Anm. d. Red.). Die möchte jeder Torhüter gern hinten stehen haben. Oder wenn ich bei einem gegnerischen Freistoß kurz vor meinem Strafraum eine Mauer aus vier Mitspielern zusammenstellen muss, sollte ich das natürlich schnell simultan erfassen können (lacht).

Redaktion: Warum steckt aus Ihrer Sicht so viel Mathematik in der anstehenden Fußball-WM?

Walk: Es gibt einfach unglaublich vielfältige Möglichkeiten, das Thema in Schule, Kita oder Familie mit mathematischen Inhalten zu verknüpfen. Überall begegnen uns Zahlen, die eine unterschiedliche Funktion haben. So erkennen Kinder bereits in frühen Lernprozessen, dass Zahlen eine hohe Bedeutung für unseren gesellschaftlichen Alltag haben.

Redaktion: Welche konkreten Beispiele gibt es da?

Walk: Am besten lässt sich das anhand der sogenannten zentralen Zahlaspekte erklären. Der offensichtlichste ist im Fußball wohl der Kardinalaspekt, der die Mächtigkeit einer Menge beschreibt. Deutschland hat bei einem Sieg in der Gruppenphase zum Beispiel drei Punkte für die Tabellenplatzierung erhalten und dabei zwei Tore geschossen. Der Ordinalaspekt würde sich dagegen darauf beziehen, dass die deutsche Mannschaft den ersten Platz in ihrer Gruppe belegt hat. Das wäre selbstverständlich sehr wünschenswert (grinst).

Redaktion: Wie würden sich die Trikotnummern der Spieler einordnen lassen?

Walk: Das beschreibt den Nominal- bzw. Kodierungsaspekt von Zahlen, eine Kennzeichnung ohne spezifische Mengen- oder Ordnungsbedeutung. Vergleichbar mit Postleitzahlen oder Telefonnummern. Dieser Aspekt ließe sich theoretisch auch durch Buchstaben oder andere Symboliken ersetzen. Zahlen eignen sich dafür aber deutlich besser.

Redaktion: Womit lässt sich dann während eines Fußballspiels rechnen? Wo versteckt sich der Zauber der Mathematik?

Walk: Beispielsweise im Rechen- bzw. relationalen Aspekt. Florian Wirtz schießt zwei Tore. Mit einem zusätzlichen Tor von Nick Woltemade hätte Deutschland dann insgesamt drei Tore geschossen. Zwei plus eins sind drei. Kassiert Deutschland einen Treffer, ergibt sich als Differenz aus den drei geschossenen Toren zum einen Gegentor ein Überschuss von zwei. Deutschland hat dann also zwei Tore mehr geschossen als die gegnerische Mannschaft. Die Mannschaft mit der größeren Anzahl an verwandelten Schüssen gewinnt. Die Mengen haben also eine Wertigkeit und ziehen eine Konsequenz nach sich.

Redaktion: Bei gleicher Toranzahl auf beiden Seiten wäre es nur ein Unentschieden gewesen.

Walk: Ganz genau.

Redaktion: Was lässt sich noch entnehmen?

Walk: Der sogenannte Operatoraspekt beschreibt schließlich, dass Deutschland im Gesamtverlauf des Spiels insgesamt zehnmal auf das Tor des Gegners geschossen hat. Dabei drei Tore zu erzielen, wäre dann wiederum aus Sicht der Wahrscheinlichkeitstheorie interessant. Wie häufig passiert es, dass drei von zehn Schüssen zu einem Torerfolg führen?

Redaktion: Gibt es auch abseits der Torstatistiken mathematische Inhalte zu entdecken?

Walk: Absolut. Der geometrische Zahlaspekt zeigt sich beispielsweise in den Formen auf dem Spielfeld. Das Spielfeld und die Strafräume sind rechteckig gestaltet. Der Anstoß erfolgt am Mittelpunkt. Es gibt eine Mittellinie. Häufig passen die Profisportler den Ball während des Spielaufbaus in dreieckiger Formation hin und her. Der Maßzahlaspekt spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Eine Halbzeit dauert neunzig Minuten. Es sind beispielsweise noch fünf Minuten bis zum Schlusspfiff zu spielen. Ein Strafstoß wird aus elf Metern Entfernung zum Tor geschossen.

Redaktion: Sollten Elternteile diese Aspekte kennen und dem Kind gegenüber erwähnen?

Walk: Bitte nicht (lacht)!

Redaktion: Weshalb nicht?

Walk: Im Mittelpunkt sollte die Freude am Sport stehen. Die Mathematik dahinter kann spielerisch vermittelt werden, ohne dass es explizit als Bildungsinhalt gekennzeichnet werden sollte. Zahlen, Rechnen, Entdecken – das alles sollte vor allem Spaß machen.

Redaktion: Sie schreiben seit mehr als zehn Jahren Kinderbücher rund um mathematische Inhalte. Was muss dabei beachtet werden?

Walk: Mittlerweile sind vier Bücher rund um „Die kleine Eins“ erschienen. Gemeinsam mit der Illustratorin Marie Reimann sind immer wieder neue Konzepte und Ideen entstanden. Ich schreibe die Geschichten, Marie entwickelt dazu die passenden Bilder und lässt die mathematischen Hintergründe darin einfließen. Neben der fachlichen Korrektheit stehen spannende und unterhaltsame Erzählungen im Vordergrund, die frei von Erwartungsdruck Freude am Zählen, Rechnen und Knobeln wecken sollen.

Redaktion: Wovon handeln Ihre Bücher?

Walk: Im ersten Buch der Reihe ist die namensgebende kleine Eins zunächst sehr einsam und lernt nach und nach andere Zahlen kennen. Hier geht es, neben den Themen Zugehörigkeit und Freundschaft, vorrangig um Grundsatzfragen. Welche Zahlen gibt es? Warum sind die Zahlen unterschiedlich groß? In welcher Beziehung stehen diese zueinander? Welche symbolische Bedeutung haben die Zahlen? So umweht die Sieben ein Hauch von Magie und Mystik, da sie häufig in klassischen Märchen vorkommt. Die Sechs würfelt man hingegen gern beim Mensch-ärgere-dich-nicht, möchte sie aber ungern als Schulnote haben (lacht).

Redaktion: Das lässt sich nachvollziehen.

Walk: Im zweiten und dritten Buch der Reihe geht es vorrangig um das Rechnen, den Umgang mit Hindernissen und Niederlagen – eine Parallele zum Fußball – sowie das Entwickeln von Rechen- und Lösungsstrategien. Hinzu kommen einige neue Charaktere wie die Grundformen Dreieck, Viereck und Kreis. Im vierten und neuesten Buch steht dann das Vergleichen von Mengen im Fokus. inderHi

Redaktion: Lesen Sie auch vor Publikum?

Walk: Selbstverständlich. Meistens lese ich vor Erstklässlern oder Vorschulgruppen. Ich bin immer wieder erstaunt, wie viele Ideen die jungen Zuhörer aus den Büchern heraus entwickeln und sich dabei eigenständig mathematische Zusammenhänge erschließen.

Redaktion: Welche Unterrichtsthemen lassen sich abseits der mathematischen Ebene aus der Fußball-WM entnehmen?

Walk: Die einzelnen Fächer sollten nicht isoliert betrachtet werden. Vielmehr verzahnen sich die Bildungsinhalte in einem ganzheitlichen Ansatz, der Brücken zwischen den Lernbereichen baut. Grundsätzlich bietet so ein Event allerlei Anknüpfungspunkte an diverse Unterrichtsfächer. Es kann zur Förderung der interkulturellen Kompetenz, des geografischen Wissens oder schlicht zur Begeisterung für Sport und Bewegung beitragen. Die Chancen sind vielfältig und bieten sich in dieser Form nur alle vier Jahre.

Redaktion: Zum Abschluss bitten wir noch um Ihren Tipp. Wer wird Weltmeister?

Walk: Eine brisante Frage (lacht). Ich bin wie erwähnt kein wirklicher Experte. England könnte ich mir durchaus vorstellen. Oder Spanien. Aber ich tippe jetzt ganz optimistisch auf unsere deutsche Mannschaft. Das würde ich mir insgeheim wünschen (grinst).

Redaktion: Herr Walk, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Haben Sie Lust mit mir darüber "in echt" ein Gespräch zu führen? Kontaktieren Sie uns einfach, gerne auch mich direkt unter

felixwalk@web.de">felixwalk@web.de.

Herzlichst

Ihr Felix Walk

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Frau Kathrin Kolloch

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