Deutsche Stiftung Denkmalschutz
Denkmalrettercamp in Helmstedt: Über 300 Freiwillige ziehen positive Bilanz
Denkmalrettercamp in Helmstedt: Über 300 Freiwillige ziehen positive Bilanz
Großes Engagement und sichtbare Fortschritte an 19 Baustellen
Mit insgesamt 341 Teilnehmerinnen und Teilnehmern ist das Denkmalrettercamp der Jugendbauhütten der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) auf Kramers Gut in Helmstedt am 12. Juni 2026 erfolgreich zu Ende gegangen. Unterstützt von 27 Fachanleiterinnen und Fachanleitern arbeiteten die Freiwilligen zwei Wochen lang an insgesamt 19 Baustellen – zwölf auf dem Gut selbst und sieben weiteren Standorten in der Region. Das Denkmalrettercamp zieht eine positive Bilanz: Viele Arbeiten konnten schneller als erwartet abgeschlossen werden, an zahlreichen Orten sind Fortschritte für den Erhalt des kulturellen Erbes deutlich sichtbar.
Die Maßnahmen reichten von Streich- und Reinigungsarbeiten bis hin zu komplexen denkmalpflegerischen Eingriffen. Zu den externen Einsatzorten zählten unter anderem die Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn, der Schlosspark Harbke, das Scheepers Haus in Königslutter, das Schützenhaus und das Meibomsche Haus in Helmstedt sowie die Burg Warberg. Auf Kramers Gut lag der Fokus insbesondere auf der Sicherung und Instandsetzung historischer Baustrukturen.
Im Verlauf des Camps wurden auf den Fachwerkbaustellen geschädigte Schwellen ausgetauscht und zahlreiche Schadstellen instandgesetzt. Die Arbeiten kamen so gut voran, dass zudem unter anderem der beschädigte Torbogen eines Renaissancespeichers erneuert und eingebaut werden konnte. Auch an den beiden kleinen Landarbeiterhäusern des Guts wurde an der hofseitigen Fassade das Fachwerk vollständig instandgesetzt. Tischlerinnen und Tischler restaurierten eine Vielzahl historischer Tore, während Schmiedinnen und Schmiede passende Beschläge fertigten. Ein besonderer Schwerpunkt lag auf dem großen Renaissancetor, das umfassend untersucht, dokumentiert und nahezu vollständig restauriert wurde; auch dieses Tor konnte wieder eingebaut werden. Zudem konnten acht historische Stallfenster vollständig instandgesetzt werden. Dabei arbeiteten die Gewerke eng Hand in Hand: Schmiedinnen und Schmiede setzten beschädigte Metallteile instand, Glaserinnen und Glaser glasten aus, entlackten, lackierten neu und setzten die Scheiben wieder ein.
Zahlreiche traditionelle Handwerkstechniken kamen intensiv zum Einsatz: Auf der Lehmbaustelle wurden rund 10.000 Kilogramm Lehm verbaut und etwa 2.200 Lehmwickelstaken hergestellt. Im ehemaligen Kuhstall entfernten die Teilnehmenden nachträgliche Einbauten und brachten einen speziellen Lehmputz auf, um Salze aus dem Mauerwerk zu ziehen. Parallel dazu wurden im Außenbereich historische Wege freigelegt, Wildwuchs zurückgeschnitten sowie Permakulturbeete und Beerensträucher angelegt. Maurerarbeiten an der historischen Stadtmauer umfassten unter anderem das Freilegen und Ergänzen von Stützbögen sowie umfangreiche Neuverfugungen.
Das Camp stellte auch organisatorisch eine Premiere dar: Zeitweise arbeiteten rund 200 Personen gleichzeitig auf einer Baustelle. Die Freiwilligen waren über die gesamte Dauer des Camps hoch motiviert, auch unter anspruchsvollen Bedingungen mit wechselhaftem Wetter, Staub, Lärm und körperlich anstrengender Arbeit.
„Wenn über 300 Menschen an einer gemeinsamen Sache arbeiten, werden Dinge möglich, die man vorher kaum für vorstellbar gehalten hätte. Die jungen Freiwilligen sind in diesen zwei Wochen über sich hinausgewachsen und haben Großartiges geleistet. Wir freuen uns, einen wichtigen Impuls in einer oft unterschätzten Region gesetzt zu haben“, so Laura Haverkamp, Projektleitung des Denkmalrettercamps.
Auch die Teilnehmenden selbst ziehen eine positive Bilanz: „Das Camp hat super viel Spaß gemacht. Die Arbeit war hart, aber es hat sich absolut gelohnt“, sagt Linus Moske, ehemaliger Teilnehmer der Jugendbauhütte Quedlinburg. Sören Ringel, ehemaliger Teilnehmer der Jugendbauhütte Wismar-Stralsund, ergänzt: „Denkmalrettercamp: Kann man machen – muss man aber wiederholen!“
Das Projekt wurde durch zweckgebundene Spenden sowie eine Förderung in Höhe von 100.000 Euro aus dem LEADER-Programm finanziert und maßgeblich durch die Unterstützung vor Ort getragen. Die Stadt Helmstedt begleitete das Camp eng und unterstützte die Umsetzung umfassend.
Zum Gelingen trugen zudem zahlreiche lokale Partnerinnen und Partner bei. Die DLRG Helmstedt ermöglichte den Freiwilligen den Erwerb eines Rettungsschwimmabzeichens, die Marinekameradschaft „Von der Tann“ Helmstedt organisierte im Waldbad Birkerteich ein Fischerstechen, und der Kreissportbund Helmstedt e.V. stellte dort einen Kletterturm bereit. Die DSD dankt allen Unterstützerinnen und Unterstützern, die das Camp und das begleitende Programm möglich gemacht haben.
Ein besonderer Meilenstein ist, dass der ehemalige Kuhstall dank der Arbeiten erstmals als Veranstaltungsort genutzt werden kann und einen Rahmen für das abschließende Denkmalretterfest am 12. Juni bildete. Rund 700 Besucherinnen und Besucher begutachteten die Fortschritte auf Kramers Gut und feierten den Fortschritt. Während des gesamten Fests wurde auf den Baustellen weitergearbeitet, sodass die Gäste unmittelbar erleben konnten, wie Zimmerleute, Maurerinnen und Maurer oder Schmiedinnen und Schmiede traditionelle Handwerkstechniken ausführen. Zwischen Führungen, Food-Ständen, Werkzeuggeräuschen und vielen Gesprächen wurde das sonst eher stille Kramers Gut für einen Tag zu einem lebendigen Ort der Denkmalpflege.
Das Denkmalrettercamp fand vom 1. bis 12. Juni 2026 auf Kramers Gut in Helmstedt statt. Es ist aus den Fluthilfecamps der Jugendbauhütten – ein Projekt der Deutschen Stiftung Denkmalschutz in Trägerschaft der Internationalen Jugendgemeinschaftsdienste – nach der Ahrtal-Katastrophe 2021 hervorgegangen. Die Idee der gemeinsamen bundesweiten Hilfe wurde weiterentwickelt zu einem mobilen, bundesweiten Einsatzformat: Junge Freiwillige aus ganz Deutschland arbeiten zeitlich begrenzt an ausgewählten Denkmalen, um diese mit praktischer handwerklicher Arbeit vor Ort instand zu setzen und zu deren Erhalt beizutragen.
Bundesweit unterhält die Deutsche Stiftung Denkmalschutz 16 Jugendbauhütten mit jährlich rund 350 Plätzen. Jugendliche zwischen 16 und 26 Jahren erlernen dort traditionelle Handwerkstechniken, wenden sie am Original an und erfahren das Besondere, Echte und Authentische mit eigenen Händen. Mit den Internationalen Jugendgemeinschaftsdiensten (ijgd) hat die DSD einen erfahrenen Partner an ihrer Seite, der die Umsetzung im Rahmen der staatlich anerkannten Freiwilligendienste sicherstellt.
Rund 80 Prozent der Teilnehmenden bleiben nach ihrem Freiwilligen Sozialen Jahr im Handwerk, in der Denkmalpflege oder in der Restaurierung und beginnen häufig eine Ausbildung oder ein Studium in diesem Bereich. Einsatzstellen leisten damit einen wichtigen Beitrag zum Erhalt des kulturellen Erbes. Vorbild für die Jugendbauhütten sind die mittelalterlichen Bauhütten, in denen gemeinsam gelebt und gearbeitet wurde. Hier lernte der Lehrling vom Meister am Original.
Weitere Informationen zum Denkmalrettercamp unter: www.denkmalschutz.de/denkmale-erleben/jugendbauhuetten/denkmalrettercamp.html
Weitere Informationen zu den Jugendbauhütten unter: www.jugendbauhuetten.de
Deutsche Stiftung Denkmalschutz Schlegelstraße 1 53113 Bonn www.denkmalschutz.de Bei Fragen wenden Sie sich bitte an: Thomas Mertz Leitung Pressestelle Tel. 0228 9091 - 402 Fax 0228 9091 - 409 mertz@denkmalschutz.de