Landeskriminalamt Schleswig-Holstein
LKA-SH: "Love Scam": Das Geschäft mit den großen Gefühlen
Kiel (ots)
Tatort Internet: Eine gemeinsame Präventions-Aktion des Landeskriminalamtes und des WEISSEN RINGS Schleswig-Holstein/ Teil 3
Musste sich ein Heiratsschwindler in der Vergangenheit noch Mühe geben und in Blumen, gemeinsame Restaurantbesuche und gute Umgangsformen investieren, damit seine Opfer anbissen, werfen die Täter der Gegenwart ihre Angel bequem online aus - mit falschen Profilen über soziale Netzwerke oder Dating-Plattformen. "Love Scam" oder "Romance Scam" heißt die Betrugsmasche, bei der die Täter große Gefühle vortäuschen und ihre Opfer durch emotionale Manipulation dazu bringen, zum Teil hohe Geldsummen zu überweisen.
Dafür erstellen die Betrüger ein Profil mit attraktiven, seriös wirkenden Bildern, die sie in der Regel aus öffentlichen Profilen stehlen, und schreiben eine Vielzahl potenzieller Opfer an. Dabei schrecken sie auch nicht davor zurück, sich als "Promi" - zum Beispiel Peter Maffay oder Pierce Brosnan - auszugeben. Reagiert ein potenzielles Opfer auf ihre Nachricht, bauen die Täter durch geschickte Kommunikation in kürzester Zeit ein Vertrauensverhältnis auf, gefolgt von überschwänglichen Liebeserklärungen ("Love Bombing") und detaillierten Zukunftsplänen.
Der nächste Schritt bei diesem Modus Operandi ist eine vorgetäuschte Notsituation, für die angeblich dringend Geld benötigt wird. Die Legenden sind vielfältig: Die Täter geben sich zum Beispiel als Soldaten oder Ärzte in Kriegsgebieten aus, die aufgrund der Lage vor Ort keinen Zugriff auf ihr eigenes Konto haben oder sterbenskranke Angehörige betreuen, welche dringend Geld für eine Operation benötigen. Willigen die Opfer im Rausch der Gefühle ein, finanziell "auszuhelfen", sollen sie das Geld oftmals per Western Union oder MoneyGram ins Ausland überweisen. Aber auch Überweisungen auf inländische Konten sind möglich. Diese passen dann in der Regel nicht zu den genannten Personalien der "großen Liebe", sondern gehören angeblichen Freunden oder Familienmitgliedern der Täter. Am Ende ist das Geld weg - und die große Liebe ebenfalls.
So oder ähnlich passiert es auch immer wieder Betroffenen in Schleswig-Holstein. Da "Love Scam" zu den Betrugsdelikten zählt, gibt es keine differenzierte Auswertung in der Polizeilichen Kriminalstatistik und daher keine konkreten Fallzahlen. Ein Blick auf die der Polizei bekannten Vorgänge ergibt jedoch für das Jahr 2025 eine dreistellige Fallzahl im mittleren Bereich. Viele Opfer erstatten aus Scham keine Anzeige, daher ist von einer hohen Dunkelziffer auszugehen.
Wie vielschichtig der organisierte Liebesbetrug sein kann, zeigt ein aktueller Fall des Kommissariats K14 der Bezirkskriminalinspektion Kiel, der zunächst in Niedersachsen bearbeitet worden ist. Eine 21-jährige Frau aus Braunschweig hatte Anzeige erstattet, nachdem sie auf einer Avatar-Chatplattform einen Mann kennengelernt hatte und dieser sie unter Vortäuschung einer Beziehung dazu gebracht hatte, mehrfach Geld für technische Geräte, wie zum Beispiel einen E-Reader, zu überweisen. Eine echte Notsituation wurde hier nicht vorgetäuscht - dennoch war die Geschädigte bereit, ihrem neuen "Freund" immer wieder zu helfen.
Die Spur führte nach Schleswig-Holstein: "Es konnten zwei deutsche Tatverdächtige aus Kiel ermittelt werden, denen insgesamt 114 Taten vorgeworfen werden, 56 davon gewerbsmäßig", berichtet die sachbearbeitende Kripo-Beamtin vom K14. Bei einer Durchsuchung der Wohnung des 31-jährigen Mannes und der 32-jährigen Frau wurden zahlreiche analoge und digitale Beweismittel sichergestellt.
"Der Fall ist eher untypisch", sagt die Ermittlerin. Denn in der Regel handelt es sich bei den Tätern selten um Einzeltäter, sondern vielmehr um gut organisierte Gruppierungen, die aus Callcentern in Westafrika, Osteuropa oder Südostasien heraus agieren. Die Ermittlerin geht davon aus, dass die Tatverdächtigen aus Kiel eher als Trittbrettfahrer unterwegs waren.
Nicht immer geht es den Tätern nur um Geldsendungen. Oft haben sie es auch auf persönliche Daten, zum Beispiel zur Fälschung von Ausweispapieren, oder auf die Bereitstellung von Konten für Geldtransfer und Zahlungsaufträge abgesehen. Oder sie bitten ihre Opfer, Päckchen zu verschicken, die eine dritte Person vorbeibringt. Deren Inhalt ist zumeist mit einer gestohlenen Kreditkarte bezahlt - das Weiterleiten ist illegal. Im schlimmsten Fall machen sich Opfer eines "Love Scammers" dann am Ende auch noch unwissentlich strafbar.
Wie man die Betrüger erkennen kann und was im Fall eines "Love Scams" zu tun ist:
https://www.polizei-beratung.de/aktuelles/detailansicht/romance-scamming/
Neben dem finanziellen Schaden wiegen auch der Verlust der Beziehung und des Vertrauens in das eigene Urteilsvermögens schwer. Scham, Rückzug, Depression und Stressreaktionen können die Folgen sein. Auch in solchen Fällen bietet die Opferschutzorganisation WEISSER RING ehrenamtliche Hilfe an - von der menschlichen Ansprache über Hilfe bei tatbedingten Notlagen bis hin zu Terminen bei der Polizei oder vor Gericht.
Opfertelefon: 116 006 (bundesweit, kostenfrei, anonym)
Rückfragen bitte an:
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Carola Jeschke
Telefon: 0431/160-40130
E-Mail: Presse.Kiel.LKA@Polizei.LandSH.de
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