POL-RT: Verkehrsunfallbilanz des Polizeipräsidiums Reutlingen für das Jahr 2025
Reutlingen (ots)
Landkreise Reutlingen/Esslingen/Tübingen und Zollernalbkreis:
- Zahl der Verkehrsunfälle leicht gesunken
- Weniger Schwerverletzte und weniger Verkehrstote
- Unfälle unter Alkohol- und Drogeneinfluss gesunken
- Pedelec- und E-Scooter-Unfälle weiter steigend - erstmals zwei
tödlich verunglückte E-Scooter-FahrerDie Zahl der Verkehrsunfälle im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Reutlingen ist im Jahr 2025 leicht um 0,3 Prozent auf insgesamt 33.847 gesunken. Dieser Rückgang betrifft Sachschadensunfälle und Unfälle, bei denen Personen schwer verletzt oder getötet wurden. Die Anzahl der leicht verletzten Personen erhöhte sich geringfügig um 0,5 Prozent.
Unfallfolgen:
Entgegen den steigenden Unfallzahlen mit tödlichem Ausgang im Land Baden-Württemberg (2025: 367), wurden im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Reutlingen mit 35 tödlichen Unfällen einer weniger als im Vorjahr verzeichnet (2024: 36). Die Anzahl der tödlich verun-glückten Personen war mit insgesamt 38 ebenfalls leicht rückläufig (2024: 40). Darunter waren sechs Autofahrer, vier Mitfahrer, zwölf Motorradfahrer, drei Fußgänger, vier Radfahrer und sieben Pedelecfahrer. Erstmalig verunglückten im Präsidiumsbereich auch zwei E-Scooter-Fahrer tödlich.
Im Vergleich zum Vorjahr ist im Landkreis Esslingen ein deutlicher Rückgang von 17 auf sieben Verkehrstote zu verzeichnen. Unter den Opfern befanden sich eine Pkw-Fahrerin, zwei Radfahrer, ein Pedelecfahrer und drei Motorradfahrer.
Im Landkreis Reutlingen hingegen hat sich die Zahl von neun auf 15 getötete Verkehrsteilnehmer im Jahr 2025 erhöht. Sechs der insgesamt zwölf im Präsidiumsbereich erfassten motorisierten Zweiradfahrer (zwei Frauen, vier Männer) verloren im Landkreis Reutlingen ihr Leben. Weiterhin verunglückten dort zwei Pkw-Fahrer (eine Frau und ein Mann), ein Pkw-Mitfahrer, zwei Pedelecfahrer, ein Radfahrer, zwei Fußgängerinnen und ein E-Scooter-Fahrer tödlich.
Ein weiterer tödlich verunglückter E-Scooter-Fahrer wurde im Landkreis Tübingen registriert, wo die Gesamtzahl der Getöteten von sieben im Vorjahr auf vier zurückging. Neben dem E-Scooter-Fahrer verstarben ein Fußgänger, ein Radfahrer und ein Pedelecfahrer infolge von Unfällen.
Die Zahl der tödlich Verunglückten hat sich im Zollernalbkreis deutlich erhöht. Dort waren 2025 zwölf verstorbene Verkehrsteilnehmer zu beklagen, und damit fünf mehr als im Vorjahr. Darunter befanden sich drei Pedelecfahrer, drei Motorradfahrer, drei Pkw-Fahrer sowie drei Pkw-Mitfahrer - hierbei handelte es sich um eine Frau und zwei Männer.
Bei den Schwerverletzten ist im Vergleich zum Vorjahr präsidiumsweit ein weiterer Rückgang um rund 5 Prozent auf 552 festzustellen. Damit wurde ein 5-Jahres-Tiefstand erreicht. Der landesweite Rückgang spiegelt sich bei den Zahlen der Schwerverletzten in den Landkreisen Esslingen (minus 4,3 Prozent bzw. 200 Schwerverletzte), Reutlingen (minus 9,2 Prozent, 167 Schwerverletzte) und Tübingen (4,3 Prozent weniger bzw. 88 Schwerverletzte) wider. Im Zollernalbkreis blieb die Anzahl bei 97 schwerverletzten Personen, wie im Vorjahr, unverändert. Die Zahl der Leichtverletzten blieb mit einem marginalen Zuwachs um 0,5 Prozent von 3.501 auf 3.517 annähernd auf dem Vorjahresniveau.
Unfallursachen:
Die detaillierte Auswertung der 12.685 über die reinen Kleinstunfälle hinausgehenden Unfälle ergab als Hauptunfallursache 2.713 Mal Fehler beim Abbiegen, Wenden oder Rückwärtsfahren. Im Vergleich zum Vorjahr (4.140) stellt dies auf den ersten Blick einen enormen Rückgang dar, der jedoch auf die seit dem 01.06.2025 in Kraft getretenen, veränderten Erfassungsmodalitäten im Unfallursachenverzeichnis zurückzuführen ist.
Das Nichtbeachten der Vorfahrt oder des Vorrangs steht mit 1.986 Verstößen an zweiter Stelle der statistischen Unfallursachen, gefolgt von 736 Fällen der überhöhten oder nicht angepassten Geschwindigkeit. An vierter Stelle reihen sich 678 Unfälle ein, die auf unzureichenden Abstand zurückzuführen waren. Mangelnde Verkehrstüchtigkeit (Alkohol/Drogen/Medikamente, Übermüdung) schlug 595 Mal zu Buche. Fehler beim Überholen wurden 318 Mal als Ursache registriert, in 85 Fällen war Ablenkung der Auslöser.
Unverändert stellen überhöhte und insbesondere nicht angepasste Geschwindigkeiten zentrale Faktoren im Unfallgeschehen dar. Mehr als ein Fünftel aller Unfälle mit schwerwiegenden Personenschäden (Tote oder Schwerverletzte) ist auf diese Ursache zurückzuführen, bei den 35 Unfällen mit tödlichen Folgen war die Geschwindigkeit in neun Fällen ursächlich oder mitursächlich.
Bei ihren Geschwindigkeitskontrollen registrierte die Polizei 2025 über 49.100 Verstöße. Für knapp 1.100 Verkehrsteilnehmer hatten die Verstöße ein- oder mehrmonatige Fahrverbote zur Folge.
Nach einer Steigerung im Vorjahr sind die alkoholbedingten Unfälle um 12,3 Prozent auf 405 Unfälle (2024: 462) zurückgegangen. Dennoch bleibt Alkoholeinfluss bei der Verkehrstüchtigkeit der zentrale Risikofaktor. Bei gut zwei Dritteln der Unfälle, denen mangelnde Verkehrstüchtigkeit zugrunde lag, war der Fahrer alkoholisiert. Fast 44 Prozent der alkoholbedingten Unfälle ging mit Personenschäden einher, in einem Fall war sogar ein Todesopfer zu beklagen. Die Zahl der Schwerverletzten ging um vier auf 44 leicht zurück. Bei den Leichtverletzten war ebenso eine abnehmende Tendenz von 184 auf 165 festzustellen.
Im Rahmen der polizeilichen Verkehrsüberwachung wurden im vergangenen Jahr mehr als 1.800 Fahrzeugführer zur Anzeige gebracht, weil sie alkoholisiert unterwegs gewesen waren.
Entgegen dem Landestrend sind die Zahlen zu Unfällen unter Einfluss von Drogen im Präsidiumsbereich leicht rückgängig. Im Vorjahr lag die Zahl bei 108, nun wurden 99 Unfälle verzeichnet. Infolge von Unfällen unter Drogeneinfluss kam im Jahr 2025 keine Person zu Tode, während im Jahr 2024 noch drei Personen verstarben. Dennoch zeigt sich bei den Auswirkungen der unfallbedingten Verletzungen ein ähnliches Bild wie zum Vorjahr: Neun Personen wurden schwer verletzt (2024: acht) und 57 Verkehrsteilnehmer leicht, das sind 14 mehr als im Jahr 2024.
Die Anzahl der Verstöße wegen Fahrens unter Drogeneinfluss weisen einen erheblichen Zuwachs zum Vorjahr auf: Wurden in 2024 rund 890 Verkehrsteilnehmer zur Anzeige gebracht, die unter Drogeneinfluss gefahren waren, erhöhte sich nun die Zahl auf knapp 1.200 Verstöße. Dabei hatten rund 870 Personen Cannabis konsumiert, was einem Anteil von knapp 75 Prozent entspricht. Des Weiteren wurden bei Fahrzeugführern unter anderem der Konsum von anderen Substanzen, wie beispielsweise Kokain (75) oder Amphetamin (40), mehrere Substanzen gleichzeitig (162) oder eines dieser Betäubungsmittel in Kombination mit Cannabis, in knapp 120 Fällen festgestellt und geahndet.
Ein Blick auf ausgewählte Verkehrsmittel:
Die Zahl der Zweiradunfälle (alle motorisierten Zweiräder - vom Mofa bis zum Motorrad) liegt mit einem minimalen Anstieg um 0,3 Prozent bei 685. Zwölf Zweiradfahrer, davon zehn Motorradfahrer und zwei Kleinkraftradfahrer, starben. Im Vorjahr waren insgesamt acht tödlich verunglückt. Die Zahl der schwer verletzten Zweiradnutzer ging 2025 um elf auf 111 zurück. 425 Personen, 27 mehr als im Jahr 2024, wurden leicht verletzt.
Betrachtet man im Bereich der Zweiradunfälle explizit die in den Zweiradunfällen enthaltenen Unfälle mit Motorrädern (über 125 ccm, Leichtkrafträder), so wurden mit 499 in etwa so viele Fälle registriert wie im Jahr zuvor (497). Mit 97 waren im gesamten Präsidiumsbereich neun schwer verletzte Motorradfahrer weniger zu beklagen als im Jahr 2024. Die Zahl der leicht verletzten Motorradfahrer stieg um vierzehn auf 304. 308 Unfälle wurden von den Motorradfahrern verursacht, in 187 dieser Unfälle waren die Motorradfahrer allein beteiligt. Die Unfallursachen Geschwindigkeit (115 Fälle) und Überholen (26 Fälle), die als besondere Risikofaktoren gelten, nehmen hierbei zusammengerechnet mit rund 45 Prozent den Hauptanteil bei den von Motorradfahrern verursachten Unfällen ein.
Allein bei den zielgruppenorientierten Kontrollaktionen auf den beliebten Bikerstrecken wurden in der Motorradsaison rund 750 Biker kontrolliert. Dabei traten 302 Verstöße zu Tage, 120 davon wegen überhöhter Geschwindigkeit. 70 Mal wurden technische Mängel festgestellt.
Um 4,7 Prozent auf 1.382 stieg die Anzahl der Verkehrsunfälle unter Beteiligung von Fahrradfahrern. Diese Erfassung bildet Radfahrer und Pedelecfahrer ab, wobei fast zwei Drittel dieser Unfälle von Radfahrern verursacht wurden. Bei knapp der Hälfte (501 von 928) der von Radfahrern verursachten Unfälle handelt es sich um sogenannte Alleinunfälle, bei denen kein anderer Verkehrsteilnehmer involviert war. Elf Radfahrer, und damit einer mehr als im Jahr 2024, starben. Darunter befanden sich sieben Pedelecfahrer (2024: sieben). 209 Radfahrer - zwölf mehr als im Vorjahr (plus 6,1 Prozent) - wurden schwer verletzt. Etwas mehr als die Hälfte davon, nämlich 111 (2024: 96), waren mit einem Pedelec unterwegs. Die Zahl der Leichtverletzten (Radfahrer und Pedelec) stieg um 3,3 Prozent auf 988 - darunter 410 Pedelecfahrer. Das sind 24 mehr als im Vorjahr.
Die Popularität der Pedelecs schlägt sich bereits seit vielen Jahren mit linearen Steigerungen in der Unfallbilanz nieder. Auch im Jahr 2025 stiegen die Unfälle mit Pedelecs nochmals um 5,2 Prozent.
Die Unfallzahlen von E-Scootern oder Segways, die die Polizei in der Statistik als Elektro-kleinstfahrzeuge erfasst, sind in den letzten Jahren sowohl in Baden-Württemberg als auch bundesweit massiv angestiegen. Auch im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Reutlingen erreichte die Unfallzahl mit 227 einen neuen Höchststand, nachdem im Vorjahr noch 136 Unfälle registriert worden waren. Hier spielen die wachsende Beliebtheit und Verfügbarkeit dieses Verkehrsmittels eine entscheidende Rolle.
Im Jahr 2025 kamen bei diesen Unfällen 183 Personen zu Schaden. Zwei E-Scooter-Nutzer verloren ihr Leben. Während ein Fahrer in Rottenburg nach einem Zusammenprall mit einem Pkw zu Tode kam, verunglückte ein weiterer E-Scooter-Fahrer in Reutlingen ohne Fremdbeteiligung tödlich.
22 E-Scooter-Nutzer wurden schwer und 144 leicht verletzt. 2024 waren es 13 Schwer- und 94 Leichtverletzte gewesen.
Bezogen auf die Nutzer der E-Scooter bilden Alkoholeinfluss und überhöhte Geschwindigkeit ein gefährliches Duo der Hauptunfallursachen: Von den insgesamt 227 Unfällen mit Beteiligung eines E-Scooters geschahen 23 Unfälle unter Alkoholeinwirkung und zwei unter Drogeneinfluss. Knapp zwei Drittel der Unfallbeteiligten war jünger als 24 Jahre, der übrige Anteil umfasst im Wesentlichen die Altersspanne von 25 bis 64 Jahren.
Die Fußgängerunfälle gingen im Jahr 2025 um elf (3,1 Prozent) auf 349 zurück, 90 davon wurden von Fußgängern selbst verursacht. Bei diesen Unfällen kam kein Fußgänger zu Tode (2024: ein Fußgänger). Drei Fußgängerunfälle, bei denen jeweils Pkw-Fahrer die Unfallursache gesetzt hatten, verliefen tödlich. Hier kamen drei Fußgänger (2023: acht) ums Leben. Mit 52 wurden fünf Fußgänger mehr als im Vorjahr schwer verletzt. Die Zahl der Leichtverletz-ten war nahezu gleichbleibend bei 261 (2024: 262).
Ein Blick auf ausgewählte Zielgruppen:
Um 40 auf 246 ist die Zahl der Verkehrsunfälle gestiegen, in die Kinder (bis 13 Jahre) verwickelt waren. Trotz der steigenden Unfallzahlen in dieser Altersgruppe kam 2025 kein Kind bei Verkehrsunfällen zu Tode. Die Zahl der schwer verletzten Kinder reduzierte sich um fünf auf 22, wohingegen die Zahl der leichtverletzten Kinder auf 283 (+57) anstieg. Im Gegensatz zur Null-Bilanz bei tödlich verletzten Kindern forderte der Straßenverkehr bei Unfällen, an denen die Altersgruppe der jungen Erwachsenen (18 bis 24 Jahre) beteiligt waren, bei 2.158 Unfällen insgesamt neun Todesopfer, davon fünf getötete junge Erwachsene.
Schwere Verletzungen haben sich 73 Personen dieser Altersgruppe (2024: 68) zugezogen, leicht verletzt wurden 501 (2024: 557). Um 13 auf insgesamt 122 stieg die Zahl der Schwerverletzten (darunter 73 junge Erwachsene) an. Leicht verletzt wurden 823 Personen (darunter 501 junge Erwachsene), 89 mehr als im Jahr zuvor. In knapp 55 Prozent der Unfälle setzten jeweils junge Erwachsene die Ursache.
Die Schulwegunfälle (mit Schülern zwischen sechs und 17 Jahren, sofern sie selbst aktiv am Straßenverkehr teilnahmen und nicht nur Beifahrer waren) erhöhten sich um 17 auf 50. Zum elften Mal in Folge gab es keine Todesopfer. Sechs Schülerinnen und Schüler (2024: vier) wurden auf dem Weg zur Schule oder einer schu-lischen Veranstaltung bzw. auf dem Heimweg schwer verletzt, 48 (2024: 29) leicht.
Mit einem Rückgang um 1,8 Prozent vom Höchststand im Jahr 2024 (3.019) sank die Zahl der Unfälle mit Senioren ab 65 Jahren mit 2.966 wieder unter die 3.000er-Marke. Wie bereits 2023 und 2024 starben auch im Jahr 2025 bei diesen Unfällen 17 Menschen, davon 14 Senio-ren. Insgesamt 160 Menschen (2024: 174) wurden schwer verletzt, darunter 110 (2024: 123) Senioren. Bei 826 Personen, sechs weniger als im Jahr 2024, blieb es bei leichten Verletzungen. Unter den Leichtverletzten waren 468 (2024: 466) Senioren. In rund 63 Prozent der Unfälle wurden Senioren als Unfallverursacher geführt.
Ein Blick auf die Altersgruppe der Senioren in Bezug auf Pedelecs zeigt, dass von insgesamt 14 bei Verkehrsunfällen verstorbenen Senioren (als Nutzer aller Fortbewegungsmittel) die Hälfte mit einem Pedelec unterwegs waren.
Um 1,4 Prozent auf 1.174 gingen die Unfälle, an denen Lkw beteiligt waren, zurück. Drei Menschen (2024: sechs), darunter kein Lkw-Nutzer, wurden tödlich, 34 (davon sechs Lkw-Fahrer) schwer und 275 (davon 54 Lkw-Fahrer) leicht verletzt. Im Vorjahr waren es 37 Schwer- und 255 Leichtverletzte gewesen.
Polizeiliche Verkehrsüberwachung:
Im Rahmen der über das ganze Jahr hinweg durchgeführten Kontrollen der Verkehrsteilnehmer hinsichtlich Geschwindigkeit und Fahrtüchtigkeit und der damit einhergehenden rechtlichen Konsequenzen deckten die Beamten mehr als 20.000 Verstöße auf, bei denen die Nutzung von Mobiltelefonen während der Fahrt der größte Anteil ausmachte (rund 10.400), dicht gefolgt von dem Nichtanlegen des Sicherheitsgurts (knapp 8.800). In diesem Zusammenhang wurden auch über 900 Verstöße gegen die Sicherungspflicht von Kindern zur Anzeige gebracht. (tr)
Den gesamten Verkehrsunfallbericht für den Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidi-ums Reutlingen und die einzelnen Landkreise (RT/ES/TÜ/Zollernalb) finden Sie unter:
https://ppreutlingen.polizei-bw.de/statistiken/
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