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Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar Bundeswehr Negative Werbung ALEXANDRA JACOBSON, BERLIN

Bielefeld (ots) - Ein Bericht des Wehrbeauftragten Hellmut Königshaus wirft ein beklemmendes Licht auf die innere Führung in der Bundeswehr. Besonders brisant sind solche Ausführungen im Lichte der jüngsten Wehrreform: Denn ab 1. Juli herrscht Freiwilligkeit. Niemand kann dann mehr einfach verpflichtet werden. Das heißt aber, dass die Streitkräfte den Dienst attraktiver gestalten müssen. Die Bundeswehr muss aktiv für sich werben - auch um die 15.000 jungen Männer und Frauen anzuziehen, die künftig neben den Zeit- und Berufssoldaten freiwillig ihren Dienst absolvieren sollen. Blamabel, dass die Bundeswehr trotzdem negative Schlagzeilen macht. Unfassbar, dass auf dem berühmten Schulschiff der Marine, der Gorch Fock, die Ausbildung wegen unhaltbarer Zustände gar nicht mehr stattfinden kann. Ein tödlicher Unfall, der Verdacht auf grausamen Drill und Schikane und Vorgesetzte, die offenbar im Umgang mit den Sorgen junger Menschen nicht auf Dialog, sondern allein auf Druck und Angst setzen, dazu noch ein Fall von sexueller Belästigung: All das soll sich auf dem Traditionssegler abgespielt haben. Noch werden die Vorwürfe untersucht, aber sie haben ihre abschreckende Wirkung bereits entfaltet. Wen wundert es, dass die meisten Teilnehmer des letzten Offiziers-Lehrgangs auf der Gorch Fock der Bundeswehr nun für immer Lebewohl gesagt haben? Dazu kommt die andere Nachricht von gestern, dass Heimatpost von Soldaten aus Afghanistan wohl systematisch geöffnet wurde. Die Bundeswehr konkurriert mit vielen anderen Arbeitgebern auf dem Arbeitsmarkt. Welcher junge Mensch wird sich freiwillig für einen Dienst in ihr entscheiden, wenn nicht einmal elementare Grundrechte garantiert sind? Natürlich handelt es sich nur um Einzelfälle. Aber die dürfen einfach nicht vorkommen.

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