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03.01.2020 – 14:05

news aktuell GmbH

BLOGPOST: Zeitreisen per App? Ein Berliner Startup macht's möglich

BLOGPOST: Zeitreisen per App? Ein Berliner Startup macht's möglich
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Geschichte zu einem hautnahen Erlebnis machen. Das ist das Ziel von zaubar.com . Das Startup arbeitet an einer Technologie, die mit Hilfe von "Location-Based-Augmented-Reality" digitale Sightseeing-Touren ermöglicht. Gründer Stefan Marx erzählt, wie ein Visual-Positioning-System funktioniert und wie historische Schiffe virtuell durch den Hamburger Hafen schippern könnten. zaubar war bis Ende 2019 Teil des Batch 9 beim Startup-Inkubator next media accelerator ( nma ) und muss nun auf eigenen Füßen stehen. Der Tagesspiegel hat schon zugegriffen und mit der zaubar-Technologie die App "89/19" gelauncht.

news aktuell: Was ist das Besondere an zaubar?

Marx: Im Moment ist es ja so, dass man zwar sehr gut Geschichte nachlesen und sich Fotos in einem Buch oder auf Wikipedia anschauen kann. Wir möchten Geschichte aber da zeigen, wo sie passiert ist. Wir arbeiten daran, dass überall - zuerst in allen Städten Deutschlands und dann europaweit - historische Fotos und Videos auf der Straße verteilt sind, als digitale Statuen. Unser Ziel ist es, dass jeder mehr über Geschichte hautnah erleben kann. Das ist ein sehr immersives Erlebnis.

Wir wollen mit unserer Technologie Zeitreise-Erfahrungen erlebbar machen. So, dass man zum Beispiel vor dem Brandenburger Tor steht und dort direkt durch die Handykamera oder die Kamera des Tablets die historischen Fotos dort sieht, wo sie einst aufgenommen wurden.

news aktuell: Wie funktioniert das genau?

Marx: Wir schaffen und übertragen digitale Statuen aus historischen Bildern und Videos und verteilen sie überall. Das Schöne daran ist, dass die Statuen nur virtuell sind und nicht wirklich Platz wegnehmen. Trotzdem kann sie jeder durch die App sehen und eigene Fotos damit machen, seien es Gruppenfotos oder Selfies. Anschließend kann man die Fotos dann teilen. Die Sharing-Funktion ist uns besonders wichtig, damit die Zeitreise nicht nur im Rahmen der eigenen Freundesgruppe oder einer Sightseeing-Tour stattfindet, sondern auch weitergetragen wird.

Bei der Platzierung der Statuen arbeiten wir nicht nur mit GPS, wie das ja die Meisten von Google-Maps oder Auto-Navigatoren kennen. Die technische Besonderheit liegt eher in der Verwendung von VPS. Die Abkürzung steht für Visual-Positioning-System und bedeutet, dass bei der Positionierung auch das virtuelle Kamerabild miteinbezogen wird. Würde man sich nur auf das GPS verlassen, wäre eine genaue Verortung der digitalen Statuen gar nicht möglich, da meistens ein Defekt von 30 bis 50 Metern entsteht. Das ist also gerade das Schöne an VPS, es macht die präzise Platzierung der digitalen Statuen erst möglich.

news aktuell: Woher nehmt Ihr die historischen Inhalte, die in der App gezeigt werden?

Marx: Das historische Material wird von unseren Partnern beigesteuert, dazu zählen zum Beispiel Fernsehsender. Unsere Partner haben meist Archive, in denen sich so einiges an Bild- und Videomaterial finden lässt. Historisch bedeutet für uns allerdings nicht nur 100 Jahre alt oder älter, sondern kann auch zehn Jahre alt heißen, theoretisch auch gestern. Wir meinen damit eigentlich nur etwas Interessantes oder Wertvolles, das spannend wiederzubeleben ist.

news aktuell: Wäre eine Integration der App in journalistisches Arbeiten auch vorstellbar und wie könnte das dann konkret aussehen?

Marx: Unsere ersten Kunden, mit denen wir an den Prototypen der App feilen, können eigentlich schon jetzt damit journalistisch arbeiten. Im Kontext einer zeitgeschichtlichen Tour durch die Stadt werden die Bilder nicht einfach nur irgendwohin platziert, sondern immer auch von Texten oder Audios begleitet. Die Touren kann man ja auf verschiedene Art und Weise aufziehen, zum Beispiel chronologisch durch die Zeitgeschichte, von Event zu Event oder im Zickzack-Kurs, je nachdem wie man etwas erzählen möchte. Als Nutzer oder Spaziergänger wird man nicht einfach mit den Bildern alleine gelassen, sondern von journalistischem Zusatzmaterial begleitet.

news aktuell: Für wen ist die App eigentlich gedacht?

Marx: Die App ist ein B-to-B-to-C-Produkt, in dem Sinne, dass wir uns direkt an Unternehmen wenden, wozu unter anderem auch öffentlich-rechtliche Anstalten zählen. Für diese bauen wir dann eine App, die sie dann wiederum an Endkunden vermitteln. Das heißt, wir haben natürlich auch den Endkunden, den Nutzer und dessen Erfahrung im Blick. Das ist für uns das Wichtigste, das ist das, wofür wir uns interessieren. Wir verkaufen das Produkt allerdings an die Geschäftskunden.

news aktuell: Kann man eine dieser Apps schon auf sein Smartphone laden und selbst ausprobieren?

Marx: Ja, das geht bereits. Wir arbeiten seit einiger Zeit mit dem Tagesspiegel aus Berlin zusammen. Mit denen haben wir zum 40. Jahrestag des Mauerfalls eine App herausgebracht, mit der man die damaligen Ereignisse und Orte erleben kann. Allerdings heißt die App nicht "zaubar" sondern "Tagesspiegel 89/19".

news aktuell: Mit welchen Schwierigkeiten oder Herausforderungen kämpft Ihr zurzeit noch?

Marx: Die technischen Schwierigkeiten haben wir mittlerweile gut gemeistert. Momentan liegt die größte Herausforderung eigentlich darin, weitere Kunden zu gewinnen - dafür ist die Medienbranche natürlich nicht die Einfachste. Es geht viel um Beziehungen und Kontakte, weswegen wir auch froh sind, Teil des nma gewesen zu sein und dadurch auch Kontakt zur dpa bekommen haben.

Wenn erst einmal der Kundenkontakt besteht, stehen wir vor der Herausforderung, die Bilder gut zu platzieren, beziehungsweise eine sinnvolle Tour zu erstellen, die den Vorstellungen der Kunden entspricht. Dabei arbeiten wir dann eng mit den jeweiligen Redakteuren zusammen.

Wir haben dabei den Vorteil, dass wir ein sehr einfaches Prinzip verwenden und keine 3D-Modelle bauen. Man könnte sich auch vorstellen, vielleicht die Geschichte des Hamburger Hafens zu erzählen und dabei aufwendige Schiffe zu modellieren, die man dann ins Wasser setzt und herumfahren lässt. Das wäre natürlich auch spannend, ist aber momentan noch zu aufwendig. Vielleicht werden wir das irgendwann machen.

Dieser Beitrag ist ein Original-Post aus dem news aktuell Blog:

https://treibstoff.newsaktuell.de/zeitreisen-per-app-startup-zaubar/

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