Gesellschaft für bedrohte Völker e.V. (GfbV)
Menschenrechtsaktion zur Hannover Messe (19.4.): Kritik an Partnerland Brasilien - Kein technologischer Fortschritt auf Kosten Indigener Völker
Unter dem Motto „Think Tech Forward – but Indigenous Rights first!“ veranstaltet die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) eine Mahnwache zur Eröffnung der Hannover Messe 2026. Die Aktion findet am Sonntag, 19. April 2026, von 16 bis 19 Uhr auf der Grünfläche nordöstlich des Hannover Congress Centrums (HCC) statt. Die Menschenrechtsorganisation kritisiert, dass sich das diesjährige Partnerland Brasilien zwar als Vorreiter einer „grünen Transformation“ präsentiert, gleichzeitig jedoch indigene Gemeinschaften entrechtet und ihre Territorien für Rohstoffprojekte opfert.
„Diese Mahnwache sendet ein klares Signal: Eine nachhaltige Zukunft darf nicht auf Kosten Indigener Völker gehen. Technologischer Fortschritt ohne Menschenrechte ist kein Fortschritt”, erklärt Eliane Fernandes, GfbV-Referentin für Indigene Völker. „Wenn der brasilianische Staat Erdölvorkommen erschließt oder Wasserstraßen für wirtschaftlichen Profit privatisiert, geschieht dies allzu oft ohne die freie, vorherige und informierte Zustimmung der betroffenen Gemeinschaften. Damit verstößt Brasilien gegen Menschenrechtsstandards wie die ILO-Konvention 169.“
Besonders alarmierend ist die Genehmigung von Probebohrungen nach Erdöl im Foz-do-Amazonas-Becken. Dieses Projekt steht im Widerspruch zu den auf der Hannover Messe propagierten Zielen einer nachhaltigen Energiewende, da Brasilien parallel die Erschließung neuer fossiler Ressourcen vorantreibt. Das Vorhaben gefährdet nicht nur eines der artenreichsten Ökosysteme der Erde und einen der wichtigsten CO₂-Speicher, sondern auch die Lebensgrundlagen indigener Gemeinschaften im Norden des Bundesstaates Amapá: darunter Kari-puna, Galibi Marworno, Galibi Kali’na und Palikur Arukwayene. Lokale Organisationen berichten von wachsendem Druck auf Territorien, einem starken Zuzug in nahegelegene Städte und zunehmenden sozialen Spannungen in der Region.
„Für Indigene Völker ist der Schutz ihrer Territorien vor Raubbau keine abstrakte Umweltfrage, sondern eine Frage des Überlebens. Sie zahlen den Preis für einen zerstörerischen Fortschritt, der ihre Territorien und Gemeinschaften gefährdet“, so Fernandes.
Die GfbV fordert von der brasilianischen Regierung, von beteiligten Unternehmen sowie von internationalen Unternehmen und politischen Entscheidungsträgern:
- den konsequenten Schutz und die Beschleunigung der Demarkation der Territorien Indigener Völker in Brasilien;
- die vollständige Umsetzung des Rechts auf freie, vorherige und informierte Zustimmung (FPIC) vor der Umsetzung von Projekten, die indigene Gebiete betreffen;
- ein Ende der Ausweitung extraktiver und infrastruktureller Projekte in indigenen Territorien ohne Zustimmung der betroffenen Gemeinschaften;
- eine menschenrechtsbasierte Gestaltung globaler Lieferketten im Kontext der Energiewende.
Hinweis für Redaktionen: Die Mahnwache stellt indigene Perspektiven in den Mittelpunkt, denn ihre Stimmen fehlen auf der Hannover Messe. Vor Ort werden Statements indigener Vertreter*innen hörbar gemacht und zentrale Forderungen sichtbar präsentiert. Als Ansprechpartnerin der GfbV wird Ana Neves, Angehörige des Indigenen Volks der Fulni-ô aus Brasilien, vor Ort sein.
Für inhaltliche Rückfragen erreichen Sie Dr. Eliane Fernandes unter e.fernandes@gfbv.de.
Für Rückfragen zur Aktion erreichen Sie Daniel Matt unter d.matt@gfbv.de.
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