Gesellschaft für bedrohte Völker e.V. (GfbV)
Pressekonferenz zum Krieg im Sudan: Zivilgesellschaftliche Organisationen prangern Verantwortung europäischer Unternehmen an
Anlässlich des dritten Jahrestags des Kriegsbeginns im Sudan am 15. April haben das Center for Environmental and Social Studies (CESS Sudan) und die Menschenrechtsorganisationen Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) und Pax for Peace bei einer gemeinsamen Pressekonferenz in Berlin einen stärkeren Fokus auf die Konflikttreiber des Krieges gefordert. Sie betonen, dass europäische Unternehmen indirekt vom Krieg im Sudan profitieren. Zu den deutschen Unternehmen, die Gold aus dem Sudan beziehen, zählt laut einem neuen Bericht von CESS auch der deutsche Autobauer VW.
„Der Krieg im Sudan hat entsetzliche Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung. Wir haben schwerste Menschenrechtsverletzungen und Hinweise auf einen Völkermord in El Fasher im Herbst 2025 dokumentiert. Heute richten wir den Blick auf die treibenden Kräfte dieses Krieges, auf jene, die vom Morden im Sudan profitieren und dieses am Laufen halten. Der Ausverkauf sudanesischer Ressourcen wie Gold wird genutzt, um Waffen, Drohnen und gepanzerte Fahrzeuge zu kaufen. Wer in diesen Geldkreislauf eingebunden ist und davon profitiert, ist mitverantwortlich für das Leid“, erklärte Sarah Reinke, Leiterin der Menschenrechtsarbeit der GfbV, zu Beginn der Pressekonferenz.
„Es besteht eine Diskrepanz zwischen den politischen Initiativen zur Beendigung des Krieges und der Tatsache, dass europäische Unternehmen weiterhin Ressourcen aus dem Sudan nutzen und so indirekt vom Krieg profitieren“, betont Ahmed Isamaldin von CESS während der Pressekonferenz. „Die Frage sollte also nicht nur sein, wie humanitäre Hilfe geleistet werden kann, sondern auch, wie Deutschland und andere europäische Länder den Krieg im Sudan mitfinanzieren. Wenn wir diese Lieferketten nicht unterbrechen, dann können wir den Krieg im Sudan nicht beenden.“ Der Bericht von CESS kommt zu dem Ergebnis: „Die Zulassung des Handels mit konfliktbehaftetem Gold auf internationalen Märkten verfestigt eine parallele militarisierte Wirtschaft; beschleunigt die Erosion institutioneller Strukturen; verlängert den bewaffneten Konflikt; wandelt menschliches Leid in grenzüberschreitenden Profit um.“ Unternehmen wie der Autobauer VW tauchen in dieser Recherche als Empfänger von Gold aus dem Sudan auf.
„Von Volkswagen und ähnlich betroffenen Unternehmen fordern wir die vollständige Offenlegung der Goldimporte aus dem Sudan, die unter der Nummerierung CID002567 über Lieferanten und Zwischenhändler nach Deutschland kommen. Wir fordern eine unabhängige, transparente Lieferkettenprüfung, eine strikte und öffentliche Ausrichtung an den OECD-Standards, gestützt durch extern überprüfbare Mechanismen“, forderte Ahmed Isamaldin.
Joris van de Sandt von Pax for Peace Niederlande betonte, dass europäische Unternehmen weiterhin Gummi Arabicum aus dem Sudan beziehen. Es ist nach Gold der zweitwichtigste Rohstoff, der aus dem Sudan exportiert wird und den Krieg finanziert. „Es braucht mehr Transparenz darüber, woher Inhaltsstoffe und Ressourcen stammen, denn die europäische Wirtschaft befördert den Konflikt im Sudan“, betonte van de Sandt.
Die Organisationen fordern:
- Sudanesisches Gold in politischen und Durchsetzungsrahmen standardmäßig als hochriskant einzustufen, unabhängig davon, ob es als „legal“ oder „illegal“ eingestuft wird
- Stärkung und Durchsetzung von Sorgfaltspflichten entlang der gesamten Lieferketten, um sicherzustellen, dass sich Unternehmen und Zwischenhändler nicht auf schwache Verifizierungssysteme verlassen können
- Verbesserung der Kontrollen zur Bekämpfung von Finanzkriminalität und der Transparenzmechanismen im Zusammenhang mit dem Goldhandel und damit verbundenen Transaktionen
- Ausbau der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit zur Bekämpfung von Handelsrouten, Schmugglernetzwerken und Wegen zur Konfliktfinanzierung
- Verschärfung von Beschränkungen und Durchsetzungsmaßnahmen zur Reduzierung des Waffenimportstroms unter Anerkennung ihres direkten Zusammenhangs mit der ressourcenbasierten Finanzierung
- Konfliktsensible Sorgfaltspflichten für andere strategische Rohstoffe vorschreiben, insbesondere für Gummi arabicum, um das Entstehen paralleler, weniger sichtbarer Einnahmequellen zu verhindern
Weiterführende Berichte:
Bericht von CESS, „Der Fall Volkswagen: Auf den Spuren des sudanesischen Goldes durch globale Lieferketten“ (auf Deutsch, Englisch, Arabisch): https://cess-sudan.com/conflict?view=volkswagen
Berichte von Pax for Peace, „Invested in War” (auf Englisch): https://paxforpeace.nl/publications/invested-in-war/ ; „How trade in gum arabic fuels conflict in Sudan“ https://paxforpeace.nl/publications/how-trade-in-gum-arabic-fuels-conflict-in-sudan/
Sie erreichen Sarah Reinke von der GfbV unter s.reinke@gfbv.de oder 0551/49906-13.
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