Alle Storys
Folgen
Keine Story von Gesellschaft für bedrohte Völker e.V. (GfbV) mehr verpassen.

Gesellschaft für bedrohte Völker e.V. (GfbV)

Nigeria: 49 Tote bei Übergriffen der Armee auf Schiiten - Untersuchung gefordert

Nigeria: 49 Schiiten sterben bei Übergriffen der Armee - Menschenrechtler fordern unabhängige Untersuchung und warnen: Brutales Vorgehen schürt Gewalt

--- Göttingen, den 2. November 2018 --- Nach dem gewaltsamen Tod von 49 Schiiten in Nigeria hat die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) vor einer Eskalation der Gewalt in den Auseinandersetzungen zwischen Sicherheitskräften und der schiitischen Islamischen Bewegung in Nigeria (IMN) gewarnt. Nachdrücklich forderte die Menschenrechtsorganisation eine unabhängige Untersuchung der Übergriffe der Armee, bei denen in dieser Woche 49 Angehörige der religiösen Minderheit getötet wurden. "Wenn die nigerianische Armee nicht endlich Gesetze und rechtsstaatliche Prinzipien beachtet, droht dem Land eine neue islamistische Revolte. Denn die heutige Terrorbewegung Boko Haram ist unter ähnlichen Bedingungen entstanden", warnte der GfbV-Direktor Ulrich Delius am Freitag in Göttingen. Schon im Dezember 2015 hatte die Armee ein Massaker an IMN-Anhängern in Zaria im Bundesstaat Kaduna verübt, bei dem 348 Schiiten getötet wurden.

Die jüngsten Todesfälle ereigneten sich, als IMN-Anhänger zwischen dem vergangenen Samstag und Dienstag in der Umgebung der Hauptstadt Abuja für die Freilassung ihres inhaftierten Anführers Ibrahim El-Zakzaky demonstrierten. Soldaten und Polizisten hatten nach Augenzeugenberichten mit scharfer Munition das Feuer auf die Demonstranten eröffnet. Die Armee räumt bislang nur den Tod von sechs IMN-Anhängern ein. "So problematisch das Ziel der IMN ist, einen schiitischen Gottesstaat zu errichten, so gibt dies trotzdem keine Legitimation, Demonstranten einfach zu erschießen", kritisierte Delius.

El-Zakzaky war gemeinsam mit seiner Ehefrau während des Massakers in Zaria festgenommen worden. Bei dem Blutbad waren auch drei seiner Söhne getötet worden. Im Dezember 2016 ordnete das Oberste Bundesgericht zwar seine Freilassung an, doch El-Zakzaky ist noch immer in Haft, weil man ihn der Bildung einer kriminellen Vereinigung und des Totschlags anklagen will.

Die Verantwortlichen für das Massaker in Zaria wurden niemals zur Rechenschaft gezogen, obwohl eine von der Regierung des Bundesstaates Kaduna eingesetzte Untersuchungskommission der Armee die Verantwortung für den gewaltsamen Tod der Muslime gab. Mit ähnlichen Methoden und extralegalen Exekutionen gehen die Sicherheitskräfte auch gegen Anhänger der Unabhängigkeitsbewegung im christlichen Biafra vor.

In Nigeria leben rund drei Millionen Schiiten, der Großteil der Muslime sind Sunniten. Rund 50 Prozent der 185 Millionen Bewohner des Landes sind Muslime.

Ulrich Delius ist zu erreichen unter Tel. 0160/95671403.

Gesellschaft für bedrohte Völker
Postfach 2024, 37010 Göttingen
Tel. +49 (0)551 499 06-25, Fax +49 (0)551 58028 presse@gfbv.de - www.gfbv.de/
Weitere Storys: Gesellschaft für bedrohte Völker e.V. (GfbV)
Weitere Storys: Gesellschaft für bedrohte Völker e.V. (GfbV)
  • 01.11.2018 – 12:03

    Marokko: Partnerschaftsabkommen hat Willkürjustiz nicht Einhalt geboten

    Marokko: Partnerschaftsabkommen hat Willkürjustiz nicht Einhalt geboten: Bundesregierung muss Kampf gegen Korruption und Machtmissbrauch unterstützen und Menschenrechtsverletzungen kritisieren! Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) hat der deutschen Bundesregierung vorgeworfen, Menschenrechtsverletzungen in Marokko systematisch zu ignorieren, um das ...

  • 31.10.2018 – 07:15

    Indigene Völker in Brasilien klagen nach Bolsonaros Wahl über zunehmende Gewalt

    Übergriffe auf indigene Völker müssen geahndet werden Kritik an neuem Super-Ministerium Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) hat erste Hilferufe von indigenen Völkern in Brasilien erhalten, die nach der Wahl des Rechtspopulisten Jair Bolsonaro zum Staatspräsidenten von einer Zunahme gewaltsamer Übergriffe berichten. So beklagten die Guarani-Kaiowa im ...

  • 30.10.2018 – 14:37

    ACHTUNG: Mahnwache in Düsseldorf abgesagt

    ACHTUNG: Die für Mittwoch angekündigte Mahnwache vor dem US-Konsulat in Düsseldorf wurde aus organisatorischen Gründen ABGESAGT! Bei Nachfragenn ist der Nahostreferent der Gesellschaft für bedrohte Völker, Kamal Sido, unter Tel. 0173 67 33 980 erreichbar. Gesellschaft für bedrohte Völker Postfach 2024, 37010 Göttingen Tel. +49 (0)551 499 06-25, Fax +49 (0)551 58028 presse@gfbv.de - ...