Alle Storys
Folgen
Keine Story von Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur mehr verpassen.

Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur

PM Bundesstiftung Aufarbeitung: Zum Internationalen Tag der Pressefreiheit: Bundesstiftung Aufarbeitung erinnert an die Bedeutung freier und glaubwürdiger Medien

Zum Internationalen Tag der Pressefreiheit: Bundesstiftung Aufarbeitung erinnert an die Bedeutung freier und glaubwürdiger Medien

Berlin, 29.04.2026 - Freie und unabhängige Berichterstattung ist eine Grundvoraussetzung demokratischer Gesellschaften. Zum Internationalen Tag der Pressefreiheit am 3. Mai warnt die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur davor, einzelne journalistische Fehler oder berechtigte Kritik an Berichterstattung zum Anlass zu nehmen, Medien insgesamt ihre Glaubwürdigkeit abzusprechen.

Die Pressefreiheit ist weltweit gefährdet. Doch auch in demokratischen Gesellschaften verschärfen sich die Auseinandersetzungen über die Rolle der Medien. In Deutschland richtet sich Kritik immer pauschaler gegen die Presse und öffentlich-rechtliche Angebote, deren Berichterstattung nicht selten mit der der DDR-Medien gleichgesetzt wird – ein Vergleich, der historische Unterschiede verwischt und die Funktionsweise freier Berichterstattung grundlegend verkennt.

Gerade die Geschichte der DDR zeigt, was fehlende Pressefreiheit konkret bedeutet. Medien waren dort Teil des Herrschaftssystems der SED und dienten der politischen Steuerung. Wer sich informieren wollte, war auf westliche Medien angewiesen. Sie berichteten über Politik, Wirtschaft, Alltag, Umweltzerstörung, Opposition und Protest – Themen, die in den staatlich kontrollierten Medien der DDR verzerrt oder verschwiegen wurden.

Diese Berichterstattung schuf eine Ersatzöffentlichkeit, der viele Menschen vertrauten. Dieses Vertrauen entfaltete politische Wirkung: Am 9. Oktober 1989 war Leipzig abgeriegelt. Ein gewaltsames Vorgehen gegen die Montagsdemonstration wurde allgemein befürchtet. Als noch am selben Abend im Westfernsehen heimlich von zwei mutigen Ostdeutschen gedrehte Filmaufnahmen den friedlichen Verlauf der Demonstration zeigten, gab dies der DDR-Opposition enormen Auftrieb. Und als westliche Nachrichtensendungen schließlich am 9. November 1989 die Öffnung der Grenze meldeten, folgten Menschen dieser Nachricht – und verhalfen ihr damit zur Realität.

„Die Geschichte der DDR führt vor Augen, was es für eine Gesellschaft bedeutet, wenn Medien nicht kontrollieren, sondern kontrolliert und zensiert werden. Freier und glaubwürdiger Journalismus ist keine Nebensache der Demokratie, sondern eine ihrer unverzichtbaren Voraussetzungen“, sagt Dr. Anna Kaminsky, Direktorin der Bundesstiftung Aufarbeitung.

Vertrauen in Medien entsteht jedoch nicht von selbst. Es beruht auf nachvollziehbarer Recherche, transparenter Arbeitsweise und dem offenen Umgang mit Fehlern. Wo diese Standards verletzt werden – etwa durch unsaubere Kennzeichnung von KI generierten Bildern, irreführende Infografiken oder durch die Vermengung von Nachricht und Kommentar –, wird Glaubwürdigkeit beschädigt und Kritik verstärkt.

Freie Medien stehen deshalb in besonderer Verantwortung: Sie müssen sorgfältig arbeiten, ihre Maßstäbe offenlegen und Kritik ernst nehmen. Umgekehrt gilt aber auch: Kritik an konkreter Berichterstattung ist notwendig, Berichterstattung jedoch pauschal in Zweifel zu ziehen und ihr Glaubwürdigkeit abzusprechen, untergräbt die Grundlagen öffentlicher Verständigung.

„Pressefreiheit verpflichtet – die Medien ebenso wie ihr Publikum“, so Kaminsky. „Sie braucht kritische Begleitung, aber auch die Bereitschaft, zwischen Fehlern und systematischem Versagen zu unterscheiden.“

Der Internationale Tag der Pressefreiheit macht seit 1994 auf Verletzungen der Medienfreiheit und auf ihre zentrale Bedeutung für demokratische Gesellschaften aufmerksam. Für die Bundesstiftung Aufarbeitung ist er Anlass, historische Erfahrungen mit gelenkter Öffentlichkeit in der DDR in die aktuellen Debatten einzuordnen.

Zum Thema verweist die Bundesstiftung Aufarbeitung zudem auf ein Zeitzeugengespräch mit ehemaligen West-Korrespondenten in der DDR, das die Arbeitsbedingungen, Möglichkeiten und Grenzen freier Berichterstattung im geteilten Deutschland anschaulich beleuchtet. Die Veranstaltung bietet Hintergrundwissen zur Rolle unabhängiger Medien unter den Bedingungen der Systemkonkurrenz und eignet sich sowohl zur journalistischen Einordnung als auch für eine redaktionelle Weiterverwendung. Das Gespräch ist online abrufbar unter: https://www.youtube.com/live/bgLvQUGl3A4?si=bTziWt3GKvIbJWyA

Jonathan Harnisch

Pressereferent

Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur

Kronenstraße 5 | 10117 Berlin | Tel. 030 / 31 98 95 225

j.harnisch@bundesstiftung-aufarbeitung.de | www.bundesstiftung-aufarbeitung.de | facebook.com/BundesstiftungAufarbeitung

Datenschutz: www.bundesstiftung-aufarbeitung.de/datenschutz

Unsere neue Ausstellung "Die Partei hat immer recht. Die SED im Alltag der DDR": bundesstiftung-aufarbeitung.de/dieSEDimAlltag

Weitere Storys: Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur
Weitere Storys: Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur