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PP-ELT: Internationale Fachtagung des Innenministeriums: "Umgang mit Hochrisikofällen bei häuslicher Gewalt und Stalking"

Umgang mit Hochrisikofällen von häuslicher Gewalt und Stalking.
Umgang mit Hochrisikofällen von häuslicher Gewalt und Stalking.

Mainz (ots) - Vertreter aus Wissenschaft, Politik und Praxis tauschten sich am 31. Oktober 2018 zu Erfahrungswerten und neuen Herausforderungen im Kontext des Hochrisikomanagements aus

Im Rahmen der internationalen Fachtagung des Innenministeriums am vergangenen Mittwoch kamen etwa 150 Vertreter aus Wissenschaft, Politik und Praxis aus dem gesamten Bundesgebiet sowie dem benachbarten Ausland zu einem Erfahrungsaustausch in Mainz zusammen. Seit dem Jahr 2014 ist das Hochrisikomanagement bei häuslicher Gewalt und Stalking in Rheinland-Pfalz ein fest etablierter Baustein, um die Fälle interdisziplinär beurteilen und frühzeitig Maßnahmen ergreifen zu können. Der Inspekteur der Polizei des Landes Rheinland-Pfalz, Jürgen Schmitt, hob die Bedeutung dieses behördenübergreifenden Austauschs hervor und zeigte die aktuellen Herausforderungen auf. Hierzu zählen die Verwendung standardisierter Analyseinstrumente für die Gefährdungseinschätzung oder auch die Finanzierung der Teilnahme von Nichtregierungsorganisationen an den Fallkonferenzen. Vertreter der Universität Koblenz-Landau berichteten über die Evaluationsergebnisse des rheinland-pfälzischen Pilotprojektes sowie die aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse des Hochrisikomanagements. Dabei wurde vor allem auf die Wirksamkeit des interdisziplinären Interventionsansatzes - als Schlüssel zum Erfolg - hingewiesen. Durch opfer- und täterbezogene Maßnahmen, kann der Gewaltzirkel in Beziehungen unterbrochen werden, was regelmäßig mit einer signifikanten Reduzierung von Rückfällen verbunden ist.

Auch in der Schweiz widmet sich die Polizei diesem Bedrohungsmanagement. Ein neu entwickeltes Analysetool für die Gefährdungseinschätzung sei aktuell in der Praxis-Erprobung, so Reinhard Brunner von der Kantonspolizei Zürich. Die Vorsitzende der Frauen- und Gleichstellungsministerkonferenz, die Bremer Senatorin Anja Stahmann, beleuchtete das Thema aus frauenpolitischer Sicht und referierte über die Chancen, die mit der Istanbul-Konvention des Europarates einhergehen.

Im Rahmen einer abschließenden Podiumsdiskussion waren sich der Staatssekretär im Innenministerium Günter Kern und die rheinland-pfälzische Frauenministerin Anne Spiegel darin einig, dass nur ein ganzheitlicher Ansatz mit kurzen Wegen durch die Vernetzung aller Beteiligten ein wirkungsvolles Bedrohungsmanagement ermögliche.

Hintergrundinformationen: Jedes Jahr sterben in Deutschland im Schnitt 160 Frauen im Rahmen häuslicher Gewalt und Stalking. In Rheinland-Pfalz weist durchschnittlich fast ein Drittel aller Tötungsdelikte einschließlich der Versuche einen Bezug zu vorangegangener Gewaltausübung in engen sozialen Beziehungen oder Fällen von Nachstellung auf. Insgesamt wurden im Land in den vergangenen fünf Jahren 83 Frauen Opfer eines versuchten oder vollendeten Tötungsdelikts in diesem Zusammenhang. Ähnliche Befunde sind in nahezu allen anderen Bundesländern festzustellen. Vor diesem Hintergrund hatte sich bereits im Jahr 2015 in Rheinland-Pfalz eine interministerielle Arbeitsgruppe mit der Thematik sogenannter Hochrisikofälle befasst. Im Ergebnis wurde ein Rahmenkonzept zum Umgang mit solchen Fällen, insbesondere zur frühzeitigen Erkennung des Gefahrenpotenzials und somit zur Prävention schwerster Gewalteskalationen, entwickelt.

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