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Gesundheitsökonom Wasem im "ZDF-Mittagsmagazin":
Krankenkassen brauchen feste Einnahmen

Mainz (ots) - In der Diskussion um eine Reform des Gesundheitssystems fordert Gesundheitsökonom Jürgen Wasem die Einnahmebasis der Krankenkassen zu stabilisieren. Dazu nannte der Professor für Betriebswirtschaftslehre und Medizinmanagement an der Universität Duisburg-Essen im "ZDF-Mittagsmagazin" am heutigen Dienstag, 28. März 2006, mehrere Wege. Eine Möglichkeit sei "vermehrt Steuermittel in die Krankenkasse zu zahlen". Dazu müsse sich aber die Politik auch bekennen und dies langfristig und glaubhaft durchhalten. Ein zweiter Weg sei es, die Einkunftsarten für die Krankenkasse zu erweitern, "zum Beispiel Kapitaleinkünfte mit in die Beitragspflicht hineinzunehmen", sagte Wasem. Zudem müsse geklärt werden, was mit Lohnnebenkosten und Arbeitgeberbeiträgen geschehen solle.

Wasem setzt auf "viele kleine, gut verzahnte Schritte" in die richtige Richtung. "Ich glaube nicht, dass wir eine Radikalreform des Gesundheitssystems hinkriegen würden", so der Gesundheitsexperte.

Die Finanzbasis des Gesundheitssystems müsse stabiler werden, auch wenn dazu eine Mehrbelastung nötig sei, erläuterte Wasem weiter. Denn im nächsten Jahr werde das Geld von der Tabaksteuer gestrichen, das bisher den Krankenversicherungen zugute kam. Zusätzlich belaste die Erhöhung der Mehrwertsteuer die Krankenversicherungen, die dann ja auch eine höhere Steuer auf Medikamente bezahlen müssten. Daher sei eine Mehrbelastung unvermeidlich und die müsse finanziert werden. "Die Alternative wäre nur, dass wir wieder mit irgendwelchen kurzfristigen Kostendämpfungsmaßnahmen in den Leistungskatalog der Krankenkassen eingreifen", sagte Wasem. "Und das trifft die Schwächsten, nämlich die Kranken."

Wasem wandte sich energisch gegen "amerikanische Verhältnisse" im Gesundheitssystem und erläuterte, in Deutschland herrsche diesbezüglich großer Konsens: "Bei der Leistungsinanspruchnahme soll der Geldbeutel möglichst keine Rolle spielen. Bei der Finanzierung soll er möglichst eine Rolle spielen." Das sei eine Wertentscheidung der Gesellschaft. "Ich denke, wir sollten daran auch nicht rütteln. Das amerikanische Beispiel, bei dem Leute, die ökonomisch schwach sind, auch keinen Versicherungsschutz haben, das darf uns hier um Gottes willen kein Vorbild sein", sagte Wasem.

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