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Zu den IG Metall-Forderungen nach fünf Prozent mehr Lohn und Gehalt: Wirtschaftsexperte Miegel im "ZDF-Mittagsmagazin": Höhere Lohnforderungen sehr unrealistisch

Mainz (ots) - Die Forderungen der IG Metall nach fünf Prozent mehr Lohn und Gehalt hält der Wirtschaftsexperte Professor Meinhard Miegel zwar für verständlich, aber für "sehr unrealistisch". Im "ZDF-Mittagsmagazin" am Freitag, 20. Januar 2006, sagte er: "Es gibt eine Hand voll Unternehmen, die könnten diese fünf Prozent realisieren, aber insgesamt ist die Branche dazu völlig außer Stande". Der wissenschaftliche Leiter des Instituts für Wirtschaft und Gesellschaft sagte weiter, er gehe davon aus, dass die IG Metall selbst nicht erwarte, dass sie diese fünf Prozent in einer Branche durchsetze, in der fast jedes vierte Unternehmen rote Zahlen schreibe.

"Vielmehr werden wir in den kommenden Jahre erleben, dass die Löhne auf breiter Front sinken", warnte Miegel. "Das wird nicht so sehr bei den Vollzeitbeschäftigten der Fall sein. Aber der Anteil derer, die keine reguläre Vollzeitbeschäftigung haben, wird immer größer. Wir haben in den zurückliegenden drei Jahren in jedem Jahr rund 500.000 sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse verloren. Und das, fürchte ich, wird so weiter gehen", sagte Miegel.

Alle Lohnrunden der letzten 25 Jahre hätten in einer Rückführung des Arbeitsvolumens gemündet: "Der Anteil derer, die keine reguläre Beschäftigung mehr hatten, wurde immer größer. "Von den Sozialversicherungspflichtigbeschäftigten haben heute rund 40 Prozent keinen regulären Arbeitsplatz mehr", sagte Miegel. Er fürchte, zum Ende des Jahrzehnts werde der Anteil nur noch bei etwa der Hälfte liegen.

Höhere Gewinne einerseits und Entlassungen andererseits sind für Miegel nur scheinbar ein Widerspruch. Das sei eine "Oberflächenbetrachtung". "Man muss sich mal anschauen, wo die Gewinne herkommen. Dann sieht man, dass ein Gutteil der Gewinne deutscher Unternehmen nicht in Deutschland erwirtschaftet wird, sondern im Ausland." Insoweit würden deutsche Arbeitnehmer ein Stück weit von ausländischen Arbeitnehmern subventioniert." Insbesondere jene in Mittel- und Osteuropa und in Asien.

"Die Gesellschaft wird bescheidener leben müssen", prognostizierte Miegel für die Zukunft. Dafür gebe es eine Vielzahl von Gründen. "Die Gesellschaft von heute ist nicht mehr die Gesellschaft der 60er oder 70er Jahre. Der Altenanteil steigt enorm und damit der Anteil von Alten- und Pflegebedürftigen. Die internationale Wettbewerbssituation ist ungleich schärfer als vor 20, 30 Jahren."

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