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Westfalen-Blatt: Das Westfalen-Blatt (Bielefeld) zum Streit zwischen China und Japan:

Bielefeld (ots) - Ein chinesischer Kutter rammt vor umstrittenen Inseln nördlich von Taiwan zwei japanische Küstenwachboote, und es kommt zum heftigen Streit zwischen Peking und Tokio. Doch die Krise wird entschärft. Sie soll die engen Wirtschaftsbeziehungen zwischen China und Japan nicht gefährden. Tokio reagiert gelassen: Man wird den chinesischen Kapitän vor Gericht stellen, Schadenersatz fordern und dann schweigen. Die geostrategischen Folgen des Zwischenfalls sind jedoch beachtlich: Japan stört Chinas Griff nach der Vorherrschaft in Fernost. Die enge US-japanische Bindung verschärft die chinesisch-japanische Rivalität. Die Vereinigten Staaten garantieren die Sicherheit von Japan, Südkorea und (inoffiziell) auch von Taiwan. Das alles ist Peking ein Dorn im Auge: Das Reich der Mitte rügt die US-Präsenz als Einmischung in chinesische Interessen. Ostasien den Asiaten, heißt Pekings Devise. China versucht somit, seine Nachbarn an sich zu binden und die USA aus Asien zu verdrängen. Doch diese Strategie geht nicht auf. Chinas Nachbarn fürchten ein starkes chinesisches Militär, das seine Territorialansprüche aggressiv durchsetzen könnte. Sollte die Wirtschaftsmacht China zur militärischen Großmacht aufsteigen, wäre das Gleichgewicht in Fernost bedroht.Somit garantieren die USA weiterhin den status quo und betreiben die Eindämmung der chinesischen Macht. Die Obama-Regierung hat von den jüngsten Spannungen zwischen China und seinen Nachbarn profitiert. Obama spricht mit den südostasiatischen Staaten, Außenministerin Clinton gelobt Vermittlung beim Streit um Öl und Erdgas im Südchinesischen Meer, Südkorea veranstaltet US-koreanische Seemanöver, und Japan rückt noch näher an die USA. So lange China eine Parteidiktatur bleibt und die Demokratisierung hemmt, bietet Peking keine Alternative zur amerikanischen Friedensordnung und Vorherrschaft in Fernost. Dennoch bleibt unvermeidlich, dass China aufrüstet und sich zunehmend behauptet. Die USA wollen China daher in internationale Organisationen einbinden und partnerschaftlich behandeln. Wirtschaftlich sind die USA und China eng mit einander verzahnt. Washington fährt somit zweigleisig: China ist zugleich strategischer Rivale und Wirtschaftspartner, »Tiger« und »Panda« im gleichen Gewand. Auch Europa muss sich der chinesischen Macht stellen. Doch während die USA aktiv reagieren, bleibt Europa primär passiv. Es gibt keine gesamt-europäische Chinapolitik. Bilaterale Einzelgänge verhindern eine gemeinsame EU-Strategie, deren Vorzüge auf der Hand liegen: Die EU könnte ihre Chinapolitik mit den USA abstimmen, Peking in den internationalen Organisationen beeinflussen und das Reich der Mitte langfristig zur Demokratisierung ermutigen.

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