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Neues Deutschland: Zum Attentat in Ägypten

Berlin (ots) - Der Rauch hatte sich kaum verzogen nach dem Attentat auf die Kirche in Alexandria, da zeigte Präsident Mubarak bereits auf »die Täter«, die er in »ausländischen Elementen« zu erkennen meinte. Belege dafür blieb er schuldig. Wer immer aber die Hintermänner des Attentäters sind, dem Streben des Präsidenten, sein bröckelndes Machtsystem in ein viertes Jahrzehnt zu führen, haben sie nicht unbedingt geschadet. Sie liefern ihm sogar eine Handhabe, warum es den seit 1981 geltenden Ausnahmezustand und damit so manchen Willkürparagrafen aufrechtzuerhalten gelte. Nach Mubaraks Erklärungen scheint es jetzt geradezu zwingende Vernunft, dass der nächste Präsident - in diesem Jahr zu wählen - wieder Mubarak heißen muss. Offen ließ er nur noch, ob erneut Vater Hosni oder doch schon Filius Gamal. Ohne die Milliarden aus dem Westen würde das System Mubarak in Ägypten eher heute als morgen implodieren. Darüber ist man sich im Westen völlig im klaren. Solange man aber über keinen demokratisch eingefärbten Ersatzmann für den Thron in Kairo verfügt, wird wohl oder übel zu allen Plagen geschwiegen, die der Pharaonachfolger seiner Bevölkerung seit vielen Jahren zumutet. Er ist nun mal der wertvollste arabische Verbündete in der Region. Deshalb ist das Lamento hiesiger Politik über das Attentat wohl am ehrlichsten, wenn es die Sorge um das Systems Mubarak betrifft.

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