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NRZ: Parteifreunde stellten ihn kalt

Essen (ots) - Immerhin ist sein Rückzug aus der Politik keine Flucht; eher ein langsamer Ablösungsprozess. Amt für Amt wird er abgeben. Wird die Partei ihm zumindest dafür dankbar sein? Ach was. Politiker verlieren heutzutage ihre Loyalitäten leichter als die meisten Menschen ihre Autoschlüssel. Vor fünf Jahren war Jürgen Rüttgers noch ein Politstar. Er hatte das schier Unmögliche geschafft und NRW, das mythische Herzland der Sozialdemokratie im Sturm erobert. Er hat solide regiert. Schwarz-Gelb hat an Rhein und Ruhr vergleichsweise viel zustande gebracht, vor allem wenn man das Gemurkse von CDU und FDP in Berlin betrachtet. Den krachenden Absturz am 9. Mai verdankt die CDU nicht in erster Linie ihrem Ministerpräsidenten, sondern Angela Merkel und ihrer chaotischen Koalition. Trotzdem musste Jürgen Rüttgers nun die Konsequenzen ziehen. Das war er mehr sich selbst als seiner Partei schuldig. Er ist, wie man im Rheinland so sagt, "eine ehrliche Haut". Aber er ist auch ein Vollblutpolitiker, dessen Ambitionen groß waren. Deshalb ist der letzte Schritt ins politische Schattenreich der Abgewählten und Abgedankten schmerzhaft. Auch weil er weiß, dass er die Wahl nicht alleine verloren hat und weil ihn die alten "Parteifreunde" nun kaltstellen. Vollends katastrophal war aber der Auftritt der "Union" im Wahlkampf. Sein Team setzte die Kampagne mit Grandezza in den Sand. Skandale um Sponsorengelder gingen dem Spitzenkandidaten persönlich an die Ehre. Überhaupt entpuppte sich sein Parteiapparat als verzankte Intrigantentruppe, deren öffentlich zelebrierten Intimfeindschaften die Schlagkraft des Kandidaten lähmten. Schon vor dem Wahlabend war Jürgen Rüttgers die Verzweiflung über so viel Dilettantismus und Untreue anzusehen. Am Ende ist es noch schlimmer gekommen als gedacht. Jürgen Rüttgers ist raus. In Düsseldorf hört man Parteifreunde aufatmen: Endlich! Dabei verkennen sie die Situation. Einer wie Rüttgers wird der Union fehlen. Glaubwürdig verkörpert er christliche Politik und einen rheinischen Kapitalismus, dem soziale Verantwortung wertvoller ist als Gewinnstreben. Für diese traditionellen Werte, die den Markenkern der Union bilden, finden sich kaum noch Protagonisten. In NRW steht eine neue Generation von CDU-Politikern parat. Durchweg verwechselbare Technokraten und Machtpolitiker. Wer hat Chancen, die CDU zu führen? Norbert Röttgen, der als begabter Machiavellist jeden Posten anstrebt, der ihn näher ans Kanzleramt bringt, kommt für den Landesvorsitz wohl eher nicht in Frage; so tief kann die CDU noch nicht gesunken sein. Vielleicht Ronald Pofalla, der eine gewisse Bodenständigkeit mitbringt, die in der Union von Rheinländern und Westfalen gleichermaßen geschätzt wird. Oder Andreas Krautscheid, der letzte treue Rüttgers-Gefolgsmann. Er hat immerhin schon gesagt, was die Basis der Partei längst spürt: Die CDU muss nicht nur über Personen reden, sondern über eine neue Politik. Rüdiger Oppers

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