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19.06.2006 – 19:20

Westfalenpost

Westfalenpost: Nationale Normalität Deutschland präsentiert sich unverkrampft

Hagen (ots)

Von Jörg Bartmann
Verordnungen kennen wir zur Genüge. Doch damit ist diese 
Fußball-WM nicht belastet. Sie ist heiter und fröhlich, ausgelassen 
und stimulierend. Egal, ob mit Schwarz-Rot-Gold oder ohne. Das hat 
mit Gefühlen zu tun, mit einer emotionalen Auszeit in dieser 
egoistischen Welt. Diese Tage sind frei von Chauvinismus und 
Überheblichkeit. Sie sind getragen von Gemeinsamkeit und einer 
herausragenden Stimmungslage. Beim Volksfest Fußball zeigt sich, wie 
unbeschwert Patriotismus sein kann, fern von rechter Deutschtümelei, 
fern von weinerlicher Selbstverzweiflung. Schlechte Zeiten für die 
sattsam bekannten Warner, die sich sauertöpfisch in den Schmollwinkel
zurück gezogen haben. Gut so.
 Diese Weltmeisterschaft verdrängt keine historische Verantwortung, 
sie ist aber Ausdruck für eine friedliche, nationale Normalität. Es 
ist bezeichnend, dass sich über ein Sportspektakel eine deutsche 
Identität zeigt. Ein Armutszeugnis für die Politik, die Patriotismus 
diskutiert, um dann feststellen zu müssen, dass dieses Thema nicht zu
verordnen ist.
 Das, was wir jetzt erleben, ist anders, weil unverkrampft. 
Deutschland präsentiert sich als guter Gastgeber und zeigt Flagge: 
Mit Wimpeln in Schwarz-Rot-Gold und einer friedlichen Ausrichtung. 
Das ist Ausdruck für ein weltoffenes Land, das auf sympathische Art 
Anerkennung findet. Dieses Selbstwertgefühl darf nach der WM nicht 
wieder zerredet werden.

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