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Neue OZ: Kommentar zu Wissenschaft
Guttenberg

Osnabrück (ots) - Billiger Versuch

Bei der Frage nach rückhaltloser Aufklärung in der Plagiatsaffäre appelliert Rüdiger Bormann an die Aufrichtigkeit von Karl-Theodor zu Guttenberg: Der Präsident der Uni Bayreuth will den Ex-Minister quasi an seinen eigenen Worten messen. Das ist bemerkenswert: Denn gerade die Prüfung der Worte Guttenbergs hatte seine Institution verpasst, als sie die schlampig zusammenkopierte Doktorarbeit einfach durchwinkte.

Trotzdem ist Bormanns Schritt richtig. Ihm bleibt nichts anderes übrig, als auf vollständiger öffentlicher Aufklärung zu bestehen, um den Ruf seines Hauses zu retten. Um die Glaubwürdigkeit des Wissenschaftsbetriebs insgesamt wieder aufzupolieren, benötigt es aber mehr: die strafrechtliche Aufarbeitung des Falles. Die Einstellung eines Ermittlungsverfahrens mit der Begründung, dass kein "besonderes öffentliches Interesse" vorläge, würde ein falsches Signal setzen - zumal in vergleichbaren Fällen Täter per Strafbefehl zu Geldstrafen verurteilt wurden.

Um die Veröffentlichung des Kommissionsberichts zu unterbinden, pocht Guttenberg auf seine Persönlichkeitsrechte. Ein recht billiger Versuch, den möglichen öffentlichen Nachweis des absichtlichen Diebstahls geistigen Eigentums zu unterbinden, vor allem, wenn man bedenkt, wie wenig Probleme Guttenberg als Minister damit hatte, sich bis ins Private medial zu inszenieren.

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