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Neue OZ: Kommentar zu China
Menschenrechte

Osnabrück (ots) - Das weiche Wasser in Bewegung

Aufklärung ist nie vollkommen, und es gibt sie nie auf einen Schlag. Ihre Erfolge sind immer nur Etappensiege. Mehr nicht. Die Ausstellung zum Thema Aufklärung, die deutsche Museen gerade in Peking ausrichten, erscheint diskreditiert, weil unmittelbar nach ihrer Eröffnung der Regimekritiker Ai Weiwei verhaftet wurde. Gegen den Gewaltakt des autoritären Regimes wirkt das Gesprächsangebot der offenen Gesellschaft immer schwächlich. Das war schon zu Zeiten des Kalten Krieges so. Es wäre leicht und wohl auch konsequent, die Ausstellung sofort zu schließen. Damit wäre den Menschen in China aber auch die Tür zugeschlagen, durch die sie in das Ideenfeld der Freiheit eintreten könnten, nur auf Augenblicke, dafür aber mitten in Peking. Aufklärung ist vor allem dort notwendig, wo es sie nicht gibt. Der Dialog zählt vor allem, wenn er mitten in der Dialogferne einsetzt. Aufklärung gibt es nur als gewaltlosen Kampf. Das ist ihr Dilemma und ihre Stärke. In Brechts "Legende von der Entstehung des Buches Taoteking" heißt es: "Daß das weiche Wasser in Bewegung/Mit der Zeit den mächtigen Stein besiegt./ Du verstehst, das Harte unterliegt."

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