vbw - Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V.
Pflegeversorgung in Deutschland weder finanzierbar noch fair
Brossardt: "Flächendeckende und hochwertige Versorgung braucht verlässliche Rahmenbedingungen"
München (ots)
Die Zahl der Pflegebedürftigen wird nach aktuellen Prognosen von derzeit knapp sechs Millionen bis 2055 auf bis zu 7,6 Millionen ansteigen. "Mit Blick auf diese Entwicklung wird deutlich: Es geht um nicht weniger als die Frage, wie wir künftig flächendeckend hochwertige Pflegeversorgung sicherstellen, die finanzierbar ist und zugleich die Lasten zwischen den Generationen fair verteilt. In der Pflege herrscht Alarmstufe Rot: Zum einen müssen Versorgungsstrukturen geschaffen werden, die dem wachsenden Bedarf standhalten. Zum anderen muss ein Finanzierungsweg gefunden werden, den wir uns auch tatsächlich leisten können", erklärt Bertram Brossardt, vbw Hauptgeschäftsführer, anlässlich des vbw - Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. Kongresses "Deutschland hat Zukunft: Pflege - Reformbedarf für gute Versorgung und generationengerechte Finanzierung".
Die vbw bewertet die Reformvorschläge der Bund-Länder-Arbeitsgruppe "Zukunftspakt Pflege" als enttäuschend. "Die Kosten der sozialen Pflegeversicherung laufen aus dem Ruder. Der Anstieg des Beitragssatzes ließ sich zuletzt nur durch ein Darlehen aus dem Bundeshaushalt verhindern. Das ist keine nachhaltige Lösung. Nötig sind tiefgreifende Strukturreformen: Wir brauchen als Ergänzung zur umlagefinanzierten sozialen Pflegeversicherung eine verpflichtende kapitalgedeckte private Vorsorge. Diese muss die Kosten abdecken, die die gesetzliche Pflegeversicherung, auch aufgrund der demografischen Entwicklung, nicht tragen kann. So wird eine übermäßige Belastung der jüngeren Beitragszahler verhindert", sagt Brossardt.
In Zukunft müssen auch die Versorgungsstrukturen an den wachsenden Bedarf angepasst werden. Dazu Brossardt: "Um eine flächendeckende und hochwertige Versorgung aufrecht zu erhalten, müssen Betreiber von ambulanten und stationären Pflegedienstleistungen bessere Rahmenbedingungen und eine verlässliche Vergütung vorfinden. Nach Berechnungen des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste belaufen sich die Zahlungsrückstände der Sozialhilfebehörden auf fast eine halbe Milliarde Euro - allein gegenüber den vollstationären Pflegeeinrichtungen. Das ist nicht hinnehmbar."
Laut vbw muss der Pflegeberuf attraktiver werden - nicht nur, um neues Personal zu gewinnen, sondern auch, um Fachkräfte zu halten. "Wir brauchen auch künftig Pflegekräfte aus dem Ausland. Das in Bayern eingeführte Fast-Lane-Verfahren zur Beschleunigung der Einreise- und Anerkennungsverfahren für ausländische Pflegefachkräfte ist ein Game Changer. Zusätzlich müssen konsequent technische und digitale Lösungen zur Entlastung von Pflegekräften zum Einsatz kommen", so Brossardt abschließend.
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