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BERLINER MORGENPOST: Ein Sieg für den Autofahrer Daniel Wetzel über den erfolgreichen Boykott des Biosprits Super E10 an den Tankstellen

Berlin (ots) - Die viel geschröpften deutschen Autofahrer haben einen bemerkenswerten Sieg gegen staatliche Bevormundung errungen. Ihrem erfolgreichen Boykott ist es zu verdanken, dass die deutsche Mineralölindustrie die Einführung des neuen Biosprits E10 vorerst gestoppt hat. Einen anderen Ausweg gab es nicht: An den Raffinerien quellen die Lager mit E10 bereits über, und das herkömmliche Super Plus ist vielerorts knapp geworden. Kein Wunder: Kaum ein Autofahrer will die von der Politik verordnete neue "Standardsorte" E10 in seinem Tank haben. Politik, Mineralöl-Branche und die Vertreter der Autohersteller hatten bis zuletzt nicht begriffen, mit was sie es da eigentlich zu tun hatten. Als sich immer deutlicher abzeichnete, dass der neue Biosprit an den Zapfsäulen fast unverkäuflich war, schoben sie sich gegenseitig den Vorwurf zu, die Autofahrer nicht genügend über die Unschädlichkeit des ethanolhaltigen Kraftstoffs "informiert" zu haben. Mit ein bisschen Aufklärung, so der Irrglaube der Funktionäre und Politiker, werde der Kunde das staatlich verordnete Benzingemisch schon annehmen. Ein verhängnisvoller Fehler. Denn anders als von Industrie und Politik unterstellt, waren die meisten Autofahrer durchaus nicht uninformiert: Sie hatten sehr wohl registriert, dass Umweltverbände wie Nabu oder Greenpeace den ökologischen Nutzen des Biosprits grundsätzlich infrage stellen - und sich dabei auf seriöse wissenschaftliche Untersuchungen beziehen. Autofahrer, denen die Werbung jahrelang suggeriert hatte, sie sollten "den Tiger in den Tank" packen, wollten zudem nicht recht einsehen, warum sie jetzt plötzlich ein Gemisch mit niedrigerem Energiegehalt kaufen sollten, das häufigeres Nachtanken nötig macht und womöglich sogar noch zu Motorschäden führen kann. Weil schon die Grundlagen nicht stimmten, wollte kaum jemand den Beteuerungen der Autoindustrie glauben, wonach angeblich mehr als 90 Prozent aller Pkw den Biosprit problemlos vertragen. Denn trotz aller Laborversuche kann schließlich niemand mit Bestimmtheit sagen, was Super E10 nach mehreren Jahren Einsatz mit dem Motor macht. Die Bundesregierung trägt ein hohes Maß an Mitschuld an dem Tankstellen-Chaos. Sie hatte es sich bequem gemacht und der Mineralölbranche schlicht befohlen, erfolgreich zu sein. Entweder die Branche würde es schaffen, die gesetzliche Bio-Quote zu erreichen, oder happige Strafzahlungen würden fällig. Die Tankstellenbranche stand damit vor dem Problem, ihre Kunden von einem Produkt überzeugen zu müssen, von dem sie selbst nicht überzeugt war. Unter diesen Voraussetzungen legt sich niemand besonders stark ins Zeug. Dass dieses obrigkeitsstaatliche Verhalten ein bisschen zu stark nach Öko-Diktatur schmeckt und entsprechend zu Akzeptanz-Problemen führt, hätte die Bundesregierung schon aus ihrem jüngst gescheiterten Versuch lernen können, die deutschen Hausbesitzer zur ökologischen Totalsanierung ihrer Immobilien zwingen zu wollen. Auch dort gab es einen öffentlichen Aufschrei, der die Politiker rasch zum Rückzug trieb. Die Folgen dieses ungeschickten Vorgehens könnten verheerend sein. Scheitert die E10-Einführung, wird die Mineralölbranche die fälligen Strafzahlungen auf den Benzinpreis umlegen. Sprit wird dann teurer, ohne dass die Umwelt auch nur im Mindesten profitiert hätte.

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