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Neue Presse Hannover: Kommentar der "Neuen Presse" (Hannover) zu Köhler

Hannover (ots) - Wird Margot Käßmann Bundespräsidentin? Dieser Vorschlag der Niedersachsen-SPD ist ebenso überzogen wie der Rücktritt Horst Köhlers. Zu Recht hatte es Kritik nach den unglücklichen Interview-Äußerungen des Präsidenten gegeben. Eine missverständliche Formulierung über das deutsche Engagement in Afganhistan und ein unglückliches Krisenmanagement, gestern dann der für alle überraschende Rücktritt. Hier wirft einer die Sachen hin, der monatelang nicht mehr in Erscheinung getreten war und am Ende nur noch kraftlos und beleidigt wirkt. "Horst wer?", fragten sich anfangs viele, als ein Mann namens Köhler der erste Mann im Staate wurde. Der Sparkassenchef mit (Welt-)Wirtschaftskarriere wollte "Präsident aller Deutschen" sein, was ihm auch gelang. Seine etwas hölzerne Art unterschied ihn wohltuend von allzu glatten Politprofis. Auch sein großes Engagement für Afrika ehrte ihn, dennoch erreichte er nie die intellektuelle Strahlkraft eines Richard von Weizsäcker, dem deutschen Allzeit-Lieblingspräsidenten. Natürlich darf gestritten werden, ob die Kritik von SPD, Linken und Grünen, insbesondere von Jürgen Trittin ("lose rhetorische Deckskanone an der Spitze des Staates") berechtigt war. Allerdings sind Figuren wie Trittin viel zu klein, um die Würde des Präsidenten ernsthaft anzukratzen. Köhlers Argument, der notwendige Respekt für sein Amt fehle, ist nicht nachvollziehbar. Sein Rücktritt ist ebenso historisch wie überflüssig. Zwischen Lena-Euphorie und WM-Fieber muss Deutschland nun mal wieder ernst werden, was dem einen oder anderen schwer zu fallen scheint. Wer soll vornehmster Repäsentant sein? Die schwächelnde schwarz-gelbe Koalition, die einst Köhler inthronisiert hatte, wäre gut beraten, sich mit möglichst breitem Konsens auf einen außergewöhnlichen Kandidaten zu verständigen. Ohne populistische Anwandlungen.

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