Gesellschaft für bedrohte Völker e.V. (GfbV)
Chiquitano-Trockenwald in Gefahr: Europa entscheidet mit über die Zukunft wichtiger Ökosysteme in Südamerika
Anlässlich des bolivianischen Tags des Chiquitano-Trockenwaldes am 12. August warnt die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) gemeinsam mit indigenen Organisationen, dass die Zukunft eines der bedeutendsten Ökosysteme Südamerikas auch von internationalen Lieferketten und der europäischen Handelspolitik abhängt. Was in Europa konsumiert und politisch entschieden wird, hat direkte Folgen für indigene Territorien, betonen die GfbV, das Comité de Gestión (Verwaltungsausschuss) des Naturschutzgebiets Tucabaca de Roboré, das Comité Cívico (Bürgerkomitee) der Bewegung zum Schutz des Tucabaca-Tals, sowie die indigene Gemeinschaft Quituquiña aus San José de Chiquitos.
Der Chiquitano-Trockenwald in Bolivien ist der größte intakte Trockenwald der Erde. Mit dem Umweltgedenktag am 12. August soll auf seine Bedeutung aufmerksam gemacht werden. Der Tag geht auf eine Initiative indigener Jugendgruppen zurück und wurde von der bolivianischen Regionalregierung Santa Cruz 2025 per Gesetz eingeführt.
„Der Chiquitano-Trockenwald ist sowohl für die lokale Bevölkerung als auch für das Weltklima von großer Bedeutung. Indigene Gemeinschaften und lokale Behörden setzen sich daher für Naturschutzmaßnahmen, die Wiederherstellung geschädigter Waldflächen und gemeinschaftlich organisierte Formen der Landbewirtschaftung ein. Doch durch die staatliche Förderung der Agrarindustrie und neue Investitionsprojekte in indigenen Territorien, nimmt der Druck auf die Wälder Boliviens immer weiter zu. Waldbrände werden begünstigt und die Ausbeutung natürlicher Ressourcen wird vorangetrieben”, erklärt Jan Königshausen, Referent für Indigene Völker bei der GfbV.
„Wir warnen bereits seit 2015 davor, dass die fortschreitende Entwaldung zu einer schweren Wasserkrise, Dürren und immer größeren Waldbränden führen wird. Seit 2019 erleben wir diese Folgen immer deutlicher. Die Natur zeigt uns, was passiert, wenn jedes Jahr weiter abgeholzt wird. Es wird immer mehr über Klima- und Waldschutz gesprochen, doch in der Praxis verschärft sich die Situation weiter. Gleichzeitig zeigen wir indigenen Gemeinschaften, dass es Alternativen gibt: Wir leisten Widerstand, schützen die verbliebenen Wälder und entwickeln eigene Vorschläge für ihre Bewahrung. Dafür brauchen wir Unterstützung – allein können wir diese Aufgabe nicht bewältigen“, sagt Zoila Zeballos, die Präsidenten des Verwaltungsausschusses des kommunalen Schutzgebiets „Bosque Pedagógico Los Piyos“ (Presidente del Comité de gestión del AP Municipal Bosque Pedagógico Los Piyos) aus Quituquiña in San José de Chiquitos.
Die wachsende internationale Nachfrage nach landwirtschaftlichen Rohstoffen sowie handelspolitische Weichenstellungen großer Absatzmärkte wie China, Indien oder Ägypten, aber auch Deutschlands und der Europäischen Union, stärken in Südamerika ein Wirtschaftsmodell, das auf steigende Produktion und wachsende Exporte ausgerichtet ist. Handelsabkommen wie das EU-Mercosur-Abkommen können diese Entwicklung weiter verstärken, warnen die Organisationen.
„Die Entwicklungen in der Region Chiquitanía zeigen, dass die europäische Handelspolitik auch weit über die Grenzen Europas hinaus Folgen hat. Wenn die Europäische Union beim Klima- und Biodiversitätsschutz glaubwürdig sein will, darf sie keine Handelsabkommen vorantreiben, die die Ausweitung der Agrarindustrie fördern, ohne den wirksamen Schutz der Wälder und der Rechte Indigener Völker sicherzustellen. Andernfalls läuft Europa Gefahr, nicht nur Rohstoffe zu importieren, sondern auch Entwaldung zu exportieren“, sagt Jan Königshausen. Die Organisationen rufen dazu auf, die territorialen Rechte Indigener Völker zu stärken und nationale wie internationale Politik konsequent an Menschenrechten und Klimaschutz auszurichten.
Sie erreichen Jan Königshausen unter j.koenigshausen@gfbv.de oder 0551/49906-14.
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