Gesellschaft für bedrohte Völker e.V. (GfbV)
Prozess gegen indigene Menschenrechtsverteidigerin in Russland beginnt: Sorge um Daria Egereva
Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) zeigt sich zutiefst besorgt über den am morgigen 11. Februar beginnenden Prozess gegen die indigene Menschenrechtsverteidigerin Daria Egereva in Russland. Die Ko-Vorsitzende des internationalen indigenen Forums zum Klimawandel (IIPFCC) war am 17. Dezember 2025 verhaftet worden und sitzt seitdem in Haft. Ihr wird die Teilnahme an einer terroristischen Organisation (Artikel 205.5) vorgeworfen, für die ihr eine Gefängnisstrafe von zehn und 20 Jahren droht.
„Wir machen uns große Sorgen um die Sicherheit von Daria Egereva. Sie ist eine der wenigen verbliebenen indigenen Menschenrechtsverteidiger in Russland. Viele sind aufgrund von Verfolgung oder aus Angst vor weiteren Repressalien bereits ins Exil geflüchtet. Ihre Verhaftung steht exemplarisch für die systematische Kriminalisierung indigener Aktivisten in Russland“, sagt Sarah Reinke, Leiterin der Menschenrechtsarbeit der GfbV. „Daria Egereva hat sich stets friedlich für die Rechte Indigener Völker und den Klimaschutz eingesetzt. Die Vorwürfe gegen sie sind politisch motiviert. Wir fordern ihre sofortige Freilassung“, betont Reinke.
Die GfbV fordert die internationale Gemeinschaft auf, den Fall eng zu verfolgen. „Daria Egereva braucht internationale Aufmerksamkeit, denn in Russland selbst kann sie nicht auf Unterstützung zählen“, so Reinke.
Daria Egereva gehört dem Volk der Selpuken an, einem der kleinsten Indigenen Völker Russlands mit insgesamt etwa 3.500 Angehörigen. Die Indigenen Völker Sibiriens, der Arktis und des Fernen Ostens gehören zu den ärmsten Teilen der Bevölkerung. Sie haben keinen politischen Einfluss und keine wirksamen Mechanismen zum Schutz ihrer Rechte innerhalb Russlands. Daria Egereva setzt sich seit Jahrzehnten für indigene Rechte ein, unter anderem bei den Vereinten Nationen.
Als indigene Vertreterin nahm sie an mehreren Weltklimakonferenzen teil, darunter an der COP28, COP29 und COP30, sowie am Expertenmechanismus der Vereinten Nationen für die Rechte indigener Völker (EMRIP) und am Ständigen Forum der Vereinten Nationen für indigene Fragen (PFII). Seit 2023 ist sie Ko-Vorsitzende des IIPFCC (International Indigenous Peoples Forum on Climate Change). Sie ist außerdem Mitglied der Facilitated Working Group der Local Communities Indigenous Peoples Platform (LCIPP) und hat zur Entwicklung strukturierter Mechanismen für die Zusammenarbeit zwischen Staaten und Indigenen Völkern im Rahmen der UNFCCC beigetragen.
Sie erreichen Sarah Reinke unter s.reinke@gfbv.de oder 0551/49906-13.
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