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19.09.2019 – 11:21

Gesellschaft für bedrohte Völker e.V.

Indigene fordern eine Dekade zum Schutz ihrer Sprachen von Vereinten Nationen

- UN ziehen erste Bilanz zum Internationalen Jahr der Indigenen Sprachen 2019
- Indigene fordern eine 2020 beginnende Dekade der indigenen Sprachen
- GfbV fordert UN-Mitgliedsstaaten zur Einhaltung völkerrechtlicher Verträge 
  über indigene Sprachenrechte auf 

Während der aktuellen Sitzung des UN-Menschenrechtsrates (UNHRC) in Genf zum Internationalen Jahr der Indigenen Sprachen 2019 forderten indigene Sprachaktivisten während einer Veranstaltung von GfbV und der Schweizer NGO Incomindios mehr Beachtung und Unterstützung für das Überleben ihrer Sprachen. "Indigene sind aktive und lautstarke Vertreter ihres Rechtes auf Sprache. Das Sprechen ihrer eigenen Sprachen ist für sie Voraussetzung, ihre indigene Identität zu leben", sagte GfbV-Referentin für indigene Völker, Regina Sonk, am Donnerstag in Genf.

Wilton Littlechild, kanadischer Cree und langjähriger Delegierter für die Belange indigener Rechte bei den Vereinten Nationen, forderte in einer Stellungnahme gegenüber dem Menschenrechtsrat eine Dekade für indigene Sprachen, da die Revitalisierung von Sprachen eine langfristigere Anstrengung voraussetze als dies in einem Jahr möglich sei.

Besonders kleine indigene Gemeinschaften in abgelegenen Gebieten hätten es schwer, staatliche Unterstützung für Bildungs- und Sprachenprogramme zu erhalten, beklagt die Präsidentin der indigenen Nation der Sapará aus Ecuador, Nema Grefa Ushigua. Besonders im Bundesstaat Pastaza seien Indigene von weiträumig geplanten Rohstoffvorhaben der ecuadorianischen Regierung in ihrer Existenz bedroht. Seit 2001 sei zwar ihre Sprache, Sapará, von der UNESCO anerkanntes immaterielles Kulturerbe. Eine positive Entwicklung habe dies jedoch nicht zur Folge gehabt. Sie selbst werde mit Todesdrohungen konfrontiert.

Die kanadische Indigene der Ojibwa Valeria Bellegarde bezeichnete es als vordringlich, dass indigene Sprachenrechte in der jeweiligen nationalen Gesetzgebung verankert sind. Sie selbst ist an der Umsetzung der Bundesgesetzgebung über indigene Sprachen (Federal Indigenous Languages Act) beteiligt.

Leon Siu, langjähriger indigener Aktivist aus Hawai'i, beschrieb die Proteste zur Erhaltung des Vulkans Mauna Kea. Seit über zwei Monaten protestieren tausende Indigene für die Erhaltung ihres heiligen Ortes und gegen die Errichtung einer Forschungsstation. Die Verwendung der eigenen Sprache in den Protesten sei dabei gerade für die jüngeren indigenen Anführer von großer Bedeutung. Dies sei ein starkes Signal an junge Indigene, ihre Sprache wiederzuentdecken.

Die GfbV unterstützt die Forderung nach einer UN-Dekade indigener Sprachen. "Mitgliedstaaten müssen sich an völkerrechtlich bindende Verträge halten und ihre Inhalte umsetzen. Deutschland muss die ILO-Konvention 169 ratifizieren und damit ein Zeichen auch für indigene Sprachenrechte setzen. Schließlich hat die Bundesregierung dies auch im aktuellen Koalitionsvertrag festgehalten", so Sonk.

Sie erreichen Regina Sonk unter r.sonk@gfbv.de oder telefonisch unter 004915732450397

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