DSLWEB Breitband Report 2026: Beim Glasfaser-Ausbau muss die deutsche Politik jetzt Nägel mit Köpfen machen
Stuttgart (ots)
- EU-Vorgaben erhöhen den Handlungsdruck beim Glasfaserausbau
- Genehmigungsverfahren sollen deutlich beschleunigt werden
- Zeitplan für die DSL-Abschaltung wird konkreter
- EU plant stärkere Harmonisierung des Telekom-Marktes
Das Verbraucherportal DSLWEB hat vor Kurzem den neuen DSLWEB Breitband Report 2026 veröffentlicht. Im Zentrum der aktuellen Ausgabe stehen unter anderem die politischen und regulatorischen Rahmenbedingungen für den Glasfaserausbau.
Gigabit-Ziele 2030: EU macht Druck auf deutsche Politik
Bereits 2024 hat die EU-Kommission den europäischen Gigabit Infrastructure Act (GIA) verabschiedet, seit November 2025 ist die Infrastruktur-Verordnung vollständig in Kraft. Auch die Bundesrepublik stand damit unter Zugzwang, die europäischen Vorgaben in nationales Recht umzusetzen.
"Der politische Handlungsdruck ist deutlich gestiegen", ordnet DSLWEB-Experte Ingo Hassa ein. "Die EU gibt den Takt vor - nationale Verzögerungen lassen sich künftig kaum noch rechtfertigen."
Zu den neuen Regelungen gehören beschleunigte Genehmigungsverfahren, Leitlinien zur gemeinsamen Nutzung von Infrastruktur sowie die verpflichtende Glasfaser-Verkabelung von Neubauten. Das übergeordnete Ziel: Die Gigabit-Vollversorgung in ganz Europa bis 2030.
Ein entscheidender Schritt zur Umsetzung sollte eigentlich noch unter der letzten Bundesregierung erfolgen. Das ursprünglich geplante TK-Netzausbau-Beschleunigungs-Gesetz (TK-NABEG) ist jedoch dem vorzeitigen Aus der Ampel-Koalition zum Opfer gefallen.
Während das Zeitfenster zur Umsetzung der EU-Vorgaben weiter zusammenschrumpfte, stand so die neue Große Koalition in der Pflicht. Ein möglicher Trumpf: Mit dem Regierungswechsel erhielt der Bund endlich ein dezidiertes Digitalministerium - das Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS).
Neue Digitalpolitik muss Tempo machen
Im Juni 2025 wurde schließlich das TKG-Änderungsgesetz 2025 verabschiedet. Die zentrale und wichtigste Anpassung: Dem Netzausbau wird künftig ein "überragendes öffentliches Interesse" eingeräumt. Dadurch werden Genehmigungsverfahren erheblich beschleunigt.
"Die Richtung stimmt", so Hassa. "Jetzt muss sich zeigen, ob die Verfahren vor Ort tatsächlich entscheidend beschleunigt werden können."
Tatsächlich ließ auch der nächste Vorstoß nicht lange auf sich warten. Im Juli legte das BMDS ein Eckpunktepapier für eine weitere TKG-Novelle 2026 vor. Dabei steht abermals die Beschleunigung des Glasfaserausbaus im Mittelpunkt. Genehmigungsverfahren für bestimmte Ausbauprojekte könnten so durch reine Anzeigepflichten ersetzt werden, zudem sollen sich Netzbetreiber ein Recht auf Vollausbau innerhalb von Mehrfamilienhäusern sichern können. Nach der ersten Konsultation wird derzeit an einem konkreten Gesetzentwurf gearbeitet, der bis Sommer 2026 auf den Weg gebracht werden könnte.
Kupferabschaltung: Fahrplan wird endlich konkreter
Im TKG-Eckpunktepapier des Digitalministeriums spielt auch die kommende DSL-Abschaltung eine Rolle. Wie die Migration von Kupfer auf Glasfaser im Detail ablaufen soll, ist dort allerdings noch nicht abschließend geklärt.
Hierzu hat die Bundesnetzagentur (BNetzA) im Januar 2026 einen eigenen Entwurf vorgelegt. Das neue Regulierungskonzept zur Kupfer-Glas-Migration baut auf einem älteren Impulspapier aus dem Oktober auf, sieht nun aber Abweichungen vom bestehenden Rechtsrahmen vor. Sprich: Die vorgestellten Ideen werden ein Eingreifen des Gesetzgebers erfordern.
Anders als bislang vorgesehen, soll nicht mehr nur die Deutsche Telekom die Kupferabschaltung in einer Ausbau-Region anstoßen können. Stattdessen soll dies auch anderen Teilnehmern möglich sein, sobald in einer Region eine FTTH-Abdeckung von 80% der Haushalte erreicht ist. Der Telekom würde damit also die Möglichkeit genommen werden, die Abschaltung ihres Kupfernetzes unangemessen hinauszuzögern.
Im Gegenzug sollen alle Netzbetreiber dazu verpflichtet werden, Drittanbietern Zugang zu ihrem Glasfasernetz zu gewähren (Open-Access-Modell). Damit hätte auch die Telekom wieder überall einen Fuß in der Tür, ohne sich um maßgeschneiderte Vereinbarungen kümmern zu müssen. Wenig Wunder, dass sich die großen Branchenverbände BREKO, VATM und ANGA direkt gegen diesen Teil des Entwurfs ausgesprochen haben.
Auch der Zeitplan für die Kupfermigration nimmt mit dem BNetzA-Konzept weiter Gestalt an. In den einzelnen Regionen ist demnach jeweils eine Vorlaufzeit von drei Jahren vorgesehen. Ein Jahr nach der offiziellen Ankündigung der Abschaltung soll zunächst die DSL-Vermarktung vor Ort eingestellt werden. Frühestens 24 Monate nach dem Verkaufsstopp kann dann die tatsächliche Abschaltung erfolgen.
Darüber hinaus sieht die BNetzA einen bundesweiten Migrationsplan vor, der einen Starttermin, ein angestrebtes Enddatum sowie weitere Meilensteine umfassen soll. Die Europäische Union wird hier inzwischen schon konkreter und will verbindliche nationale Migrationspläne von allen Mitgliedstaaten einfordern, die bis 2029 vorliegen müssen. Die endgültige Abschaffung der Kupferkabelnetze soll zwischen 2030 und 2035 erfolgen.
"Die zügige Kupfer-Glas-Migration wird herausfordernd", erklärt Hassa. "Deshalb müssen nun schnell verbindliche Regelungen und ein konkreter Zeitplan festgelegt werden."
Ebnet die EU den Weg für einen European Champion?
Der Vorstoß zur Kupfermigration ist Bestandteil des Digital Networks Act (DNA), den die EU-Kommission am 21. Januar 2026 vorgestellt hat. Übergeordnetes Ziel des Entwurfs ist die Schaffung eines wirksamen europäischen Binnenmarktes.
Hierzu sollen unter anderem Vorschriften zur Vergabe und Nutzung von Mobilfunkfrequenzen harmonisiert, Hürden für die grenzüberschreitende Bereitstellung von Netzen und Diensten abgebaut und die europäische Cyber-Security gestärkt werden. Durch die Verringerung von Verwaltungsauflagen und Berichtspflichten sollen Investitionen angeregt werden.
Eine häufige Forderung findet sich im DNA-Entwurf allerdings nicht direkt wieder. Denn führende europäische Telkos hatten sich im Vorfeld auch für die Erleichterung von Unternehmensfusionen stark gemacht. Nur so könnten endlich echte "European Champions" entstehen, um ein Gegengewicht zu den globalen Tech-Riesen zu schaffen.
Diese Idee ist jedoch keineswegs vom Tisch. Denn abseits der Netzwerk-Verordnung wird aktuell an einem weiteren Reformpaket zur Verbesserung der europäischen Wettbewerbsfähigkeit gearbeitet. Dabei steht auch eine Modernisierung des Wettbewerbsrechts sowie der Fusionskontrolle auf der Agenda. Auf einem EU-Sondergipfel im Februar 2026 sollen die neuen Regelungen ausgestaltet werden.
Breitbandmarkt 2026: Noch viel mehr offene Fragen
Welche weiteren Trends den deutschen Breitbandmarkt 2026 prägen, weshalb Marktführer aktuell ihre Ausbaustrategien anpassen und ob eine neue Übernahmewelle bevorsteht, verrät der DSLWEB Breitband Report 2026. Die jährlich erscheinende Studie begleitet seit 2007 die Entwicklungen auf dem deutschen Breitbandmarkt und liefert detaillierte Daten zu Kundenzahlen, Marktanteilen und Umsätzen der wichtigsten Anbieter.
Der vollständige Report ist abrufbar unter https://www.dslweb.de/breitband-report-deutschland-2026.php
Übersicht: Gesetzesinitiativen zum Glasfaserausbau
- TK-Netzausbau-Beschleunigungs-Gesetz (TK-NABEG) Juli 2024, nicht verabschiedet
- Impulspapier zur regulierten Kupfer-Glas-Migration BNetzA, April 2025
- TKG-Änderungsgesetz 2025 Juli 2025
- Eckpunktepapier zur Anpassung des Telekommunikationsgesetzes BMDS, Juli 2025
- Eckpunktepapier für ein Gesamtkonzept zur Kupfer-Glas-Migration BMDS, Oktober 2025
- Gigabit Infrastructure Act (GIA) EU-Kommission, Mai 2024 / November 2025
- Regulierungskonzept zum Wechsel von Kupfer- auf Glasfasernetze BNetzA, Januar 2026
- Digital Networks Act (DNA) EU-Kommission, aktueller Entwurf 20. Januar 2026
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