Fahrgastverband PRO BAHN e. V.
ÖV als System erhalten – Politik muss richtigen Rahmen für Wettbewerb setzen
ÖV als System erhalten – Politik muss richtigen Rahmen für Wettbewerb setzen
Fahrgastverband PRO BAHN fordert bei neuen Fernverkehrsangeboten einheitlichen flexibel nutzbaren Tarif
Zurzeit wird viel über den Markteintritt von Unternehmen im Fernverkehr diskutiert, die auf Hauptstrecken neue Taktverkehre anbieten wollen. Der Fachausschuss Tarife und Fahrgastrechte des Fahrgastverbands PRO BAHN hat diese Ankündigungen analysiert. Da Deutschland anders als Italien und Frankreich polyzentrisch besiedelt ist, stellt die flexible Nutzung des öffentlichen Verkehrs ein wesentliches Qualitätskriterium dar. Um diese Mobilitätsdienstleistung auch weiterhin flexibel nutzen zu können, braucht es einen Wettbewerbsrahmen, der dies ermöglicht. Das kann zum Beispiel ein bundesweit gültiges Mobilitätsticket für den gesamten ÖV sein. Die Bundespolitik wird aufgefordert, hier den entsprechenden Rahmen zu setzen, damit Wettbewerb nicht auf Kosten des Systems Öffentlicher Verkehr geht und eine Zersplitterung des Marktes aus Kundensicht erfolgt.
Schon heute bieten die Westbahn, Flixtrain und Eurostar einzelne Fernverkehrsleistungen in Deutschland an. Jetzt drängen weitere neue Anbieter im Fernverkehr auf den Markt und wollen auch Taktverkehre auf den Hauptachsen anbieten. Während im Schienenpersonennahverkehr (SPNV) einheitliche vom Betreiber unabhängige Tarife existieren, gibt es dies bisher nicht für den Fernverkehr. Sollten im größeren Stil auf wichtigen fahrgastreichen Strecken mehrere Anbieter parallel und verzahnt fahren, braucht es eine Möglichkeit alle flexibel nutzen zu können. Andernfalls sinkt für viele Kundengruppen die Flexibilität. Die zunehmende Tarifkomplexität erhöht die Einstiegsbarriere zur Nutzung der Eisenbahn an Stelle des Autos. Damit wird auch das Ziel des Deutschlandtakts konterkariert.
Der öffentliche Verkehr mit Fern- und Nahverkehr in Deutschland braucht jetzt die Weiterentwicklung der BC100 zum bundesweit in allen öffentlichen Verkehrsmitteln gültigen Mobilitätsticket.
Ein weiterer Aspekt sind die durchgehenden Fahrscheine und Fahrgastrechte. Durch die Komplexität des Eisenbahnangebotes kann es dazu kommen, dass die schnellste Verbindung von A nach B aus einem Abschnitt mit dem Fernverkehrsanbieter 1 besteht, der nächste Abschnitt durch den Fernverkehrsanbieter 2 erbracht wird und am Ende noch einige Stationen mit dem SPNV zurückzulegen sind. Auch für diesen Fall muss eine durchgehende Fahrkarte möglich sein und die Fahrgastrechte für alle Abschnitte der gesamten Fahrt gelten.
Daher fordert der Fahrgastverband PRO BAHN die Bundespolitik auf, den entsprechenden Rahmen für Wettbewerb zu setzen, um das System zu erhalten. Gerne können die neuen Unternehmen für Gelegenheitsfahrer eigene Tarife für ihre Abschnitte anbieten, aber durchgehende Fahrkarten innerhalb Deutschlands sowie für Zeitkarten wie Monats- oder Jahreskarten sind übergeordnete Angebote erforderlich. Auch das Deutsche Zentrum für Schienenverkehrsforschung (DZSF) empfiehlt in seinem Bericht 90 (2026) die Schaffung eines Dachtarifs im Fernverkehr. Nur so kann der Deutschlandtakt und das System Öffentlicher Verkehr ohne Ausnahmen erhalten bleiben.
„Stellen sie sich vor, das Meeting ist zu Ende, und sie müssen erst zwei Züge fahren lassen, da ihr gewählter Tarif die Nutzung erst des dritten Unternehmens erlaubt. Oder in einem anderen Fall wird ihnen die schnellste Verbindung nicht angeboten, da diese mehrere Fernverkehrsanbieter beinhaltet. Beide Beispiele führen zu einem erheblichen Attraktivitätsverlust der Eisenbahn. Die Politik sei daran erinnert, dass der Hauptkonkurrent nicht der weitere Zuganbieter, sondern das Auto ist. Andernfalls verliert das System ÖV an Attraktivität.“ erläutert Jörg Bruchertseifer, Tarifexperte des Fahrgastverbands PRO BAHN die Sicht der Fahrgäste.
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