Alle Storys
Folgen
Keine Story von Fahrgastverband PRO BAHN e. V. mehr verpassen.

Fahrgastverband PRO BAHN e. V.

PRO BAHN: Bahn-Chefin Palla bricht Preisversprechen: Bis zu ein Drittel höhere BahnBonus-Preise für flexible Freifahrten sind eine versteckte Preiserhöhung

PRO BAHN: Bahn-Chefin Palla bricht Preisversprechen: Bis zu ein Drittel höhere BahnBonus-Preise für flexible Freifahrten sind eine versteckte Preiserhöhung
  • Bild-Infos
  • Download

Treue Bahnkundinnen und Bahnkunden müssen künftig deutlich mehr Punkte einlösen – Fahrgastverband PRO BAHN fordert Transparenz, angemessenen Vorlauf und faire Regeln für treue Bahnkunden

Die Deutsche Bahn stellt ihr BahnBonus-Programm zum 1. August 2026 um und bewirbt die Änderung mit Freifahrten „ab 750 Punkten“. Was zunächst nach einer Verbesserung klingt, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als deutliche Verschlechterung für viele Stammkundinnen und Stammkunden. Besonders flexible Freifahrten werden künftig spürbar teurer: Je nach Prämie müssen Reisende bis zu einem Drittel mehr Punkte einsetzen. Nach Ansicht des Fahrgastverbands PRO BAHN steht dies im Widerspruch zu den Aussagen von Bahn-Chefin Evelyn Palla, wonach es im Fernverkehr keine Preiserhöhungen geben solle.

Zwar sollen künftig einzelne zuggebundene Freifahrten bereits ab 750 Punkten in der 2. Klasse beziehungsweise ab 1.250 Punkten in der 1. Klasse erhältlich sein. Die benötigte Punktzahl richtet sich jedoch künftig nach Verbindung, Buchungszeitpunkt und Nachfrage (bis zu 100% mehr Punkte als bisher). Damit übernimmt die Deutsche Bahn bereits zuvor kritisierte Elemente dynamischer Preissteuerung auch in ihr Bonusprogramm. Für Fahrgäste wird dadurch schwerer planbar, welchen Gegenwert ihre gesammelten Punkte tatsächlich haben. Zuletzt hatte der Staatskonzern noch mit Lockangeboten wie Zusatzpunkte beim Abschluss eines Zeitungs-Abos oder einer 3-fach Punkteaktion für den Kauf von Fahrkarten und der damit verbunden dreijährigen Gültigkeit der Punkte geworben.

Besonders deutlich fällt die Verteuerung bei den Flex-Freifahrten aus, bei denen man nicht an einen festen Zug oder Reisetag gebunden ist:

  • Flex-Freifahrt 2. Klasse: von 2.000 auf 2.500 Punkte (+25 %)
  • Flex-Freifahrt 1. Klasse: von 3.000 auf 3.500 Punkte (+17 %)
  • Flex-Freifahrt Hin- und Rückfahrt 2. Klasse: von 3.000 auf 4.000 Punkte (+33 %)
  • Flex-Freifahrt Hin- und Rückfahrt 1. Klasse: von 5.000 auf 6.000 Punkte (+20 %)

Für den Fahrgastverband PRO BAHN ist klar: Wer mehr Bonuspunkte für dieselbe Leistung aufbringen muss, erlebt eine faktische Preiserhöhung – unabhängig davon, ob der Geldpreis eines Tickets unverändert bleibt.

„Wer öffentlich erklärt, auf Preiserhöhungen zu verzichten, sollte nicht gleichzeitig das Bonusprogramm für seine treuesten Kundinnen und Kunden entwerten. BahnBonus-Punkte sind ein Gegenwert für bereits bezahlte Bahnfahrten. Wenn künftig deutlich mehr Punkte für dieselbe Leistung erforderlich sind, ist das nichts anderes als eine Preiserhöhung durch die Hintertür.“, so Michael Koch, stellvertretender Bundesvorsitzender des Fahrgastverbands PRO BAHN

Aus Sicht von PRO BAHN reiht sich die aktuelle Änderung in eine Serie von Verschlechterungen beim BahnBonus-Programm ein. Die Deutsche Bahn übernimmt zunehmend Elemente aus Airline-Bonusprogrammen – allerdings vor allem dort, wo sie für Kundinnen und Kunden nachteilig sind. Dynamische Prämienpreise und die Entwertung von Punkten werden eingeführt, während Schutzmechanismen gegen den Punkteverfall fehlen. Hinzu kommen frühere Einschränkungen wie die Erhöhung des Punktebedarfs für den Lounge-Zugang, die Einführung einer Ticketpflicht für den Zutritt sowie der schrittweise Abbau exklusiver Serviceleistungen für Statuskundinnen und -kunden. Wer sich an erfolgreichen Bonusprogrammen orientiert, sollte nicht nur deren restriktive Elemente übernehmen, sondern vor allem den Mehrwert für treue Kundinnen und Kunden stärken.

Ein Kundenbindungsprogramm sollte treue Fahrgäste belohnen und nicht den Wert bereits gesammelter Punkte schleichend reduzieren. Wer Menschen dauerhaft für die Bahn gewinnen will, muss Verlässlichkeit bieten. Punkte dürfen nicht zu einer Währung werden, deren Wert die Bahn kurzfristig und einseitig verschiebt. Andere europäische Bahnen zeigen längst, dass attraktive Bonusprogramme ohne versteckte Verschlechterungen möglich sind.“, erläutert Jörg Bruchertseifer, Tarifexperte des Fahrgastverbands PRO BAHN

Dass attraktive Bonusprogramme auch anders gestaltet werden können, zeigt nach Ansicht des Fahrgastverbands die italienische Staatsbahn Trenitalia. Dort erhalten Mitglieder des Treueprogramms – abhängig vom Status im Kundenprogramm – mindestens ein kostenloses Upgrade pro Jahr. Auch bei der České dráhy erhalten Kunden Fahrkarten für Tschechien zum festen Preis.

Der Fahrgastverband PRO BAHN fordert die Deutsche Bahn deshalb auf,

  • die Änderungen nicht kurzfristig zum 1. August 2026 umzusetzen, sondern erst nach einer angemessenen Vorlaufzeit von mindestens viereinhalb Monaten,
  • künftige grundlegende Änderungen des BahnBonus-Programms frühzeitig und transparent zu kommunizieren,
  • die deutlichen Erhöhungen bei Flex-Freifahrten zurückzunehmen,
  • den bisherigen Gegenwert gesammelter BahnBonus-Punkte zu erhalten,
  • sicherzustellen, dass die neuen Punktewerte für zuggebundene Freifahrten nicht zu einer verdeckten Verteuerung gegenüber den bisherigen Standardwerten von 1.000 Punkten in der 2. Klasse und 1.500 Punkten in der 1. Klasse führen,
  • die Verfügbarkeit zuggebundener Freifahrten transparent und nachvollziehbar darzustellen,
  • das BahnBonus-Programm kundenfreundlich weiterzuentwickeln statt es schrittweise nach Vorbild restriktiver Airline-Bonusprogramme zu verschlechtern
  • wirksame Möglichkeiten zu schaffen, den Verfall von Prämienpunkten zu verhindern, insbesondere für langjährige und statusführende Kundinnen und Kunden,

Ein attraktives Bonusprogramm stärkt die Kundenbindung und motiviert dazu, häufiger mit der Bahn zu reisen. Gerade in einer Zeit, in der mehr Menschen für den klimafreundlichen Schienenverkehr gewonnen werden sollen, sendet die angekündigte Entwertung der BahnBonus-Freifahrten das falsche Signal. Wer Stammkundinnen und Stammkunden halten will, muss ihnen Verlässlichkeit bieten – nicht neue Unsicherheit beim Einlösen hart gesammelter Punkte.

--
Fahrgastverband PRO BAHN e. V.

Agnes-Bernauer-Platz 8, 80687 München
T +49 89 248824971
presse@pro-bahn.de
www.pro-bahn.de