Good Mobility Council GmbH & Good Mobility Foundation gGmbH
Hitzeresilienz: Erster Stiftungsabend der Good Mobility Foundation
Berlin (ots)
Stiftungsabend mit Jenny Zeller-Grothe (BVG), Rudi Scheuermann (Arup) und Stephan Rammler (Good Mobility Foundation) zu acht Forderungen an der Schnittstelle von Wohnen und Mobilität
Kühlung, Verschattung und ein hitzefester Nahverkehr gehören unter veränderten Klimabedingungen zur Grundausstattung des Wohnumfelds - so wie die Heizung. Mit dieser These hat die Good Mobility Foundation zu ihrem ersten Stiftungsabend nach Berlin geladen. Grundlage war das Papier "Hitzeresilienz. Acht Forderungen an der Schnittstelle von Wohnen und Mobilität".
Prof. Dr. Stephan Rammler, wissenschaftlicher Direktor der Foundation, stellte die Thesen vor und diskutierte sie mit Jenny Zeller-Grothe, Vorständin Betrieb und Personal der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), und Rudi Scheuermann, Director und Global Leader Building Envelope Design bei Arup. Durch den Abend führte Dr. Meike Niedbal, Vorsitzende des Stiftungsbeirats. Über 50 Gäste aus Verkehr, Immobilienwirtschaft, Architektur, Planung und Zivilgesellschaft nahmen teil.
Die acht Forderungen im Überblick:
- Nahverkehr hitzefest machen
- Tiefgelegene Verkehrsräume auf ihre Eignung als kühle Orte prüfen
- Kühlung, Verschattung und passive Lüftung als Standardausstattung des Wohnens verstehen
- Quartiere als Ganzes kühlend planen
- Hitzeschutz zuerst dort, wo die Belastung am größten ist
- Kooperationsmodelle zwischen öffentlicher Hand, Wohnungswirtschaft und Verkehr als Regelinstrument etablieren
- Hitzeresilienz in Immobilienbewertung und Finanzierung verankern
- Hitze als Gefahrenlage einstufen und die Zivilgesellschaft einbinden.
Zusammengehalten werden die Punkte von einem Gedanken: Wie die Heizung zur Grundausstattung einer Wohnung zählt, gehören unter veränderten Klimabedingungen auch Kühlung, Verschattung und der Anschluss an einen hitzefesten Nahverkehr dazu.
Grün und Weiß: der Low-Tech-Zugang an Straßen und Gebäuden. Den größten Hebel sieht das Podium in den Oberflächen der Stadt. Begrünte Dächer und Fassaden verlangsamen die Aufheizung der thermischen Masse eines Gebäudes und kühlen ihr Umfeld; an Haltestellen im Nahverkehr verschatten sie zugleich den Wartebereich. Scheuermann empfiehlt dabei erdgebundenes Fassadengrün mit Anschluss an den Boden, das ohne aufwendige Befestigungs- und Bewässerungstechnik auskommt: "Wir müssen der Natur die Chance geben, ihren Beitrag zu leisten." Hinzu kommt das Weißen von Dächern und Fahrbahnen. Wie viel dunkle Oberflächen kosten, zeigt sein Beispiel der Klimaanlage auf dem schwarzen Dach: Sie saugt Luft an, die rund 10-15 Grad wärmer ist als die normale Umgebungstemperatur, und verbraucht erhebliche Energie allein dafür, diese Aufheizung wieder auszugleichen, bevor die eigentliche Kühlung beginnt. Für die Berliner U-Bahn wäre eine Vollklimatisierung schon deshalb keine gute Lösung, weil die Abwärme in die Tunnel und in die Bahnhöfe abgeführt werden müsste, in denen die Fahrgäste warten. "An der Oberfläche können wir viel erreichen - begrünte und verschattete Wartebereiche, Verdunstungskühlung, entsiegelte Flächen," so Zeller-Grothe.
Der Bestand ist die eigentliche Aufgabe, der Neubau muss nachrüstbar sein. Nahezu alle Gebäude und Netze, die in den kommenden Hitzeperioden gebraucht werden, stehen bereits. Die Klimaentwicklung verläuft dabei schneller, als Bau- und Sanierungszyklen folgen können, und Auflagen etwa des Denkmalschutzes verfestigen im Zweifel den Status quo. Weil sich zudem nicht verlässlich prognostizieren lässt, wie stark die Veränderung ausfällt, sollten Neubauten von vornherein so geplant werden, dass sich Kühlung, Verschattung und Begrünung später ergänzen lassen. Rammler beschrieb diese Anpassungsgeschwindigkeit als Verständnisfrage: "Wir sind auch im Denken pfadabhängig. Wir sind es nicht gewohnt, so zu denken."
Die soziale Dimension der Hitze wird unterschätzt. Wer schlecht wohnt und schlecht angebunden ist, trägt bei Hitze ein doppeltes Risiko. Vulnerable und einkommensschwächere Gruppen leben häufiger in Wohnungen, die sich kaum kühlen lassen, und sind für ihre Wege stärker auf Fußwege und den Nahverkehr angewiesen. Wo kühle Orte fehlen oder nicht erreichbar sind, unterbleiben Wege - eine zeitweise Exklusion aus dem öffentlichen Raum. Das verbindet die Wohnsituation unmittelbar mit der Qualität der Anbindung. Betroffen sind auch diejenigen, die den Betrieb bei Hitze aufrechterhalten: Beschäftigte in Bussen, Trams und U-Bahnen sowie in den Werkstätten, in denen sich die Wärme in großen Hallen staut und Elektrobusse vom Bus-Dach aus gewartet werden.
Hitzeschutz gehört in den Katastrophenschutz. Die Routinen des Bevölkerungsschutzes sind bislang an anderen Lagen geschult. Scheuermann erinnerte an den mehrtägigen Stromausfall im Berliner Südwesten im Januar 2026, nach dem das Land Hotelübernachtungen für Betroffene erstattet hat: "Wir kommen nur von der Kälte her." Für Hitze fehlen vergleichbare Abläufe. Das Papier fordert deshalb, dass das Land Schwellenwerte definiert, ab denen Hitze als Krise gilt, Abläufe und Care-Strukturen festgelegt sind. Zugleich soll die zivilgesellschaftliche Ebene - Nachbarschaften, die nach älteren und vulnerablen Menschen sehen - organisiert und mit den Institutionen verbunden werden.
Die Good Mobility Foundation veröffentlicht weitere Papiere an der Schnittstelle von Mobilität und Immobilie und lädt in Kürze zum zweiten Stiftungsabend ein. "Hitzeresilienz" steht unter www.goodmobility.foundation zum Download bereit (CC BY-SA 4.0).
Über die Good Mobility Foundation
Die Good Mobility Foundation ist ein im Juni 2026 in Berlin gegründeter gemeinnütziger Think Tank. Die Foundation arbeitet an der Schnittstelle zwischen Mobilität und Immobilien und will das jahrzehntelange Silodenken zwischen dem Verkehrs- und dem Gebäudesektor aufbrechen. Sie produziert Studien, Thesenpapiere und Interventionen in den öffentlichen und politischen Diskurs, immer mit dem Schwerpunkt der Gesamtresilienz beider Systeme.
Pressekontakt:
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Leiterin Kommunikation & Public Affairs Good Mobility Foundation gGmbH
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