Rheinland-Pfälzische Technische Universität Kaiserslautern-Landau (RPTU)
Schutz der Biodiversität im Oberrheingebiet: Neues grenzüberschreitendes Forschungsprojekt startet
Wie lässt sich die biologische Vielfalt im Oberrheingebiet wirksam schützen – und das über Ländergrenzen hinweg? Diese Frage steht im Mittelpunkt des neuen Forschungsprojekts MULTI.DIV, das im Rahmen des EU-Förderprogramms Interreg in der Trinationalen Metropolregion Oberrhein (TMO) mit Partnern aus Deutschland und Frankreich gestartet ist. Ziel des Projekts – unter der Federführung der RPTU Kaiserslautern-Landau – ist es, die Biodiversität in Wäldern und Fließgewässern der Region systematisch zu erfassen, zu bewerten und konkrete Empfehlungen für ein zukunftsfähiges Biodiversitätsmanagement zu entwickeln.
Biodiversität bildet die Grundlage funktionierender Ökosysteme: Sie sichert sauberes Wasser, stabile Nahrungsketten, fruchtbare Böden und trägt zur Regulierung des Klimas bei. Doch weltweit – auch im Oberrheingebiet – nimmt sie rapide ab. Der globale Wandel, insbesondere der Klimawandel und eine intensive Landnutzung, setzen wertvolle Lebensräume zunehmend unter Druck. Die Trinationale Metropolregion Oberrhein (TMO) gilt mit den großen Waldgebieten und den kleinen, naturnahen Fließgewässern der Mittelgebirgskämme gleichzeitig als Hotspot der biologischen Vielfalt und ist besonders stark vom Klimawandel betroffen.
Akteure von MULTI.DIV werden zunächst umfassend Daten erheben, um den aktuellen Zustand dieser Modellregion beurteilen zu können. Dazu werden erstmals grenzüberschreitend vier zentrale Ebenen der Biodiversität untersucht: die Habitatvielfalt, die Artenvielfalt, die funktionelle Diversität – also die Vielfalt der biologischen Merkmale und Rollen von Tieren und Pflanzen in einem Ökosystem – und die genetische Diversität. Es werden Prognosen und Perspektiven modelliert, die aufzeigen, wie sich die Biodiversität im Oberrheingebiet im Zuge des globalen Wandels mutmaßlich entwickeln wird. Letztendliches Bestreben ist es, ein zukunftsgerichtetes Konzept für ein grenzüberschreitendes Monitoring im Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen zu entwickeln – sowie Strategien zu erarbeiten, die einen nachhaltigen Schutz multipler Ebenen der Biodiversität gewährleisten. Eine Vernetzung zwischen Naturkundemuseen und wissenschaftlichen Einrichtungen innerhalb des Oberrheingebietes verstärkt die Biodiversitätsforschung. Es werden vorhandenes Wissen und Kompetenzen von Expertinnen, Experten und Institutionen des gesamten Oberrheingebietes abgefragt und gebündelt, sodass diese Informationen ebenfalls in die Ausarbeitung von Schutzstrategien einfließen.
Die Begleitung des Projekts durch einen Experten-Beirat, eine grenzüberschreitende Veranstaltungsreihe (MULTI.DIV-Forum) sowie zahlreiche weitere Aktionen zum Wissenstransfer tragen dazu bei, dass die Inhalte und Ergebnisse von MULTI.DIV in der TMO bekannt, verstanden und umgesetzt werden. So soll das Projekt beispielsweise Fortbildungen für Fachkräfte und Ausstellungen für die breite Öffentlichkeit ins Leben rufen.
Das auf drei Jahre angelegte Projekt hat ein Gesamtvolumen von 4,5 Millionen Euro und wird durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) mit 2,7 Millionen Euro gefördert. Mit dem EU-Förderprogramm soll die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen den Menschen, Organisationen und Institutionen am Oberrhein gestärkt werden. Projektträger ist die Ökosystemforschung Anlage Eußerthal (EERES) der RPTU Kaiserslautern-Landau.
Das rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerium ist in Rheinland-Pfalz für die Interreg A-Programme zuständig. Der entsprechende Förderbescheid wurde im Februar 2026 durch die rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerin Daniela Schmitt offiziell überreicht. „Dank europäischer Fördermittel kann an der RPTU gemeinsam mit europäischen Partnern an exzellenten grenzüberschreitenden Forschungsprojekten mit internationaler Wirkung gearbeitet werden. Damit wollen wir den Oberrhein im globalen Wettbewerb noch besser positionieren und gemeinsam Lösungen für die Region entwickeln“, sagte die Ministerin zum Auftakt des Projektes in Landau.
An MULTI.DIV beteiligt sind zahlreiche Partner, darunter Forschungseinrichtungen, Museen, NGOs und Behörden. Zu den finanzierenden Projektpartnern gehören neben der RPTU Kaiserslautern-Landau das Staatliche Museum für Naturkunde Karlsruhe (SMNK), die Universität Freiburg, die Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft (FAWF), die École nationale du génie de l’eau et de l’environnement de Strasbourg (ENGEES), die Université de Strasbourg und das Centre national de la recherche scientifique (CNRS). Projektleitung Tanja Joschko von der RPTU ist angesichts der interdisziplinären Aufstellung überzeugt: „Mit gebündelter Kompetenz werden wir tragfähige Lösungen entwickeln, um so die Biodiversität in unserer Region auch in den kommenden Jahrzehnten zu erhalten. Mit MULTI.DIV sollen langfristig solide Entscheidungsgrundlagen für die Politik entstehen, praxisnahe Werkzeuge für den Naturschutz – und mehr Bewusstsein für den Erhalt der Natur.“
Ansprechpartnerin:
Dr. Hannah Elisa Chmiel, Projektkoordination
Ökosystemforschung Anlage Eußerthal (EERES)
RPTU Kaiserslautern-Landau
E-Mail: hannah.chmiel[@]rptu.de
Tel.: +49 (0)6341 280 32239
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